Igitt, das waren Worte von Lenin.
Andererseits, was solls. Lenin schreckt die jungen Leute nicht. Von dem haben sie nie gehört.
Bin neugierig, wie die Occupy-Leute lernen werden. "Verständnisvolle Begleiter", Helfer, Ratschläger haben sie ja reichlich.
Auch Klaus Ernst von der Linken will beitragen, die Lage zu klären. Er sagt, laut "Tagesspiegel":
"Die Situation ähnelt der im Herbst 1989. Ein Prozent bereichert sich und 99 Prozent ballen die Faust in der Tasche."
Auch wenn ich einräume, daß Vergleiche immer hinken, dieser Vergleich geht grandios an der Wirklichkeit vorbei.
1989 war nicht die Bereicherung das Problem. (Auch heute ist die Bereicherung nur die offenkundige Seite des Problems.)
1989 war eine Zukunftsgesellschaft in der Sackgasse. (Faschismus war keine Option.) Heute ist die Vergangenheitsgesellschaft NICHT in der Sackgasse. (Ein Faschismus, ein ganz neuer (x), ist eine Option.)
1989 wollten viele der Aktiven, diese 10, 15%, ihrer Zukunftsgesellschaft eine Zukunft geben. Sie formulierten Ziel und Wege und stellten Forderungen.
Heute wollen viele der Aktiven, diese 0,1%, ihre Vergangenheitsgesellschaft in eine frühere, "gesündere", schönere Vergangenheit zurückführen. Sie äußern Träume.
Freilich lassen sich dennoch Vergleiche ziehen:
1989/90 wurde die Bewegung der Aktiven unter teils Beifall und Mitwirkung, teils Verwirrung und Gelähmtheit der Masse von den Mächtigen kassiert.
Auch 2011 geht es darum, die Bewegung zu kassieren. Die Mächtigen setzen das an allen Anfang.
Aus einer möglichen Realbewegung soll eine wirkliche Scheinbewegung werden.
(x)
Vielleicht wird dieser Faschismus so neu, so postmodern, so "zeitgemäß", daß dafür ein neuer Begriff gefunden werden muß.
Update: Nochmal zum Lernen.
Man schaue nach Griechenland. Dort stehen Massen von Menschen im Kampf. Dort hat ein wirkliches Ringen begonnen. Dort wird ein Zipfelchen (nur ein Zipfelchen!) der schier übermächtigen (aber nicht allmächtigen!) politischen, ökonomischen, ideologischen Gewalt des wirklichen Kapitalismus sichtbar.