Literatur

Donnerstag, 22. September 2011

Herbei flog der (auf Erden) oberste Herr der Katholiken und des Vatikan

(dieses Winzigstaates von des Duce Gnaden) und sprach. (Es war am Tage des Rücktritts von Ralf Rangnick.) Hunderte Abgeordnete des "Hohen Hauses" (samt einer beträchtlichen Anzahl Komparsen) spendeten (wie das stenografische Protokoll (Warum eigentlich stenografisch?) detailliert vermerkt) minutenlang stehend minutenlang Beifall.
Schon zuvor hatten die Geistesgrößen des Landes (ach was, des Landes, des Zeitalters!) ihre huldigenden Opuscula plaziert (was in der Regel heißt: in Talkshows schwadroniert).
Doch keine Regel ohne Ausnahme, so dieses dreiaktige Drama, genannt "Revolution!", der Gattung "bayerische Tragödie" vom Autor Georg Seeßlen:

"1. Akt

Das Paar vor dem Fernseher

Er

I woas net. Muas des sei? Imma da söbe Kas.

Sie

Jo, genau. Imma da söbe Kas.

(Vorhang)

2. Akt

Das Paar vor dem Fernseher

Er

I woas net. Imma müasn’s ois anderscht macha. Des war frühra do so sche.

Sie

Ja, frührings war’s schener.

(Vorhang)

3. Akt

Das Paar vor dem Fernseher

Er

I woas net. Muas des sei? Imma da söbe Kas.

Sie

Jo, genau. Imma da söbe Kas. Kimm, gemma ins Bett.

Er

Wart no. Vielleicht kimmt ja do no was Neis.

Sie

Ja, vielleicht kimmt do no was Neis.

(Vorhang)"

Sonntag, 14. August 2011

In Schönheit unsterblich

"So wie das Einhorn vor den Geistern allen
Hervorsticht durch Empfindsamkeit und Wissen, ..."

Einer der schönsten Gedichtanfänge deutscher Poesie.
Und so geht es weiter, Zeile auf Zeile, Perle auf Perle in dieser Ode ans Vaterland.

Wie ich hörte, testet man in Bayern (und bestimmt auch im Schwabenland) mittels 99 Fragen, ob sich Immigranten ausreichend ins teutsche Leben integriert haben.
Ob's nicht auch angezeigt wäre, den gemeinen Wessi und seine Ossibrüder und -schwestern zu prüfen, auf ihre Beheimatung in deutschheidnisch-christlich-jüdischer Leitkultur?
Dazu würden drei Fragen reichen:
Welchen Gegenstand hat obiges Gedicht?
Wer schrieb diese Zeilen?
Welchem deutschen Bürger sind sie gewidmet?

Ach ja, heut' ist christlicher Sonntag, da hab ich den Übermut, noch einen Reim zu verwursten:
"Überhaupt Bedeutung - darauf ist gepfiffen!
Was taugen Gedichte, die man begriffen?"

Montag, 14. Februar 2011

Das Hertz ist weit von dem...

"Das Hertz ist weit von dem/ was eine Feder schreibt.
Wir dichten im Gedicht/ dass man die Zeit vertreibt.
In uns flamt keine Brunst/ ob schon die Blätter brennen
von liebender Begier. Es ist ein blosses nennen."


Sigmund von Birken (1626-1681), ca. 1650

Sigmund von Birken wurde am 25.4.1626 als Sigismundus Betulius
in Wildstein bei Eger als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren.
12.6.1681 starb er in Nürnberg.


Lyrikmail - die tägliche Dosis Poesie

Mittwoch, 2. Februar 2011

Der Stein

Der Stein

Ein kleines Steinchen rollte munter
Von einem hohen Berg herunter.

Und als es durch den Schnee so rollte,
Ward es viel größer als es wollte.

Da sprach der Stein mit stolzer Miene:
'Jetzt bin ich eine Schneelawine'.

Er riß im Rollen noch ein Haus
Und sieben große Bäume aus.

Dann rollte er ins Meer hinein,
Und dort versank der kleine Stein.



Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Sonntag, 21. November 2010

Unsere christlich-jüdischen, antiislamischen Werte

hat Lju Yü-hsi sicherlich nicht gemeint,
Lju yue hsi1
denn er lebte von 772 bis 842 im (damals) fernen China.

Er war höherer Beamter, wurde aber degradiert und in die Provinz verbannt.
Und er neigte zu Nachdenklichkeit:
Lju yue hsi2


Quelle:
"So sprach der Weise. Chinesisches Gedankengut aus drei Jahrtausenden", herausgegeben von Ernst Schwarz,
Rütten & Loening, Berlin 1981.

Dienstag, 16. November 2010

An meinen Zigarettenrauch*

Gleite ins Weite und in die Höh!
Adieu, du zartes Bleu
Meines Zigarettenrauches,
Der du so sanft entfliehst.

Wenn du ein zierliches Nasenloch siehst,
Küß dem die Haare als Gruß meines Hauches.

Ob dich ein Höhendruck
Zur Erde zurückschlägt,
Eine Strömung, eines Windes Ruck
Dich zu Himmelsglück trägt, –
Finde das, was du erwartetest.

In dem hold gewürzten Augenblick,
Da du aus mir startetest,
Spielte Ziehharmonikamusik
Ein Lieblingslied von mir: La paloma
Und auf Schwingen dieser Volksweise
Steigst du auf. Glückliche Reise!
Aus Nikotin ins ewige Aroma.



* Hier spricht der große Dichter Joachim Ringelnatz ("Flugzeuggedanken" 1929).
Ich bin nur Blogger und war Zeit meines Lebens Nichtraucher.

via Lyrikmail

Sonntag, 24. Oktober 2010

einfach schön



Auch dieses beim Schockwellenreiter gefunden.

Prinzessin Merkel heilt die Finanzkrise

Khalil Gibran hat eine Parabel geschrieben "Krieg".
Mir ist eine Variante der Überschrift eingefallen.

"Eines Nachts wurde im Palast ein Festmahl gehalten. Da kam ein Mann und warf sich vor dem Prinzen zu Boden. Alle Gäste blickten ihn an und sahen, daß ihm ein Auge fehlte und Blut aus der leeren Augenhöhle floß. Der Prinz fragte ihn: "Mann, was ist dir widerfahren?" Der Befragte antwortete:"O Prinz, ich bin Dieb von Beruf und wollte in dieser mondlosen Nacht den Geldwechsler berauben, aber ich irrte mich in der Türe und stieg in den Laden des Webers ein. Im Dunkel stieß ich gegen den Webstuhl und stach mir ein Auge aus. Und nun, o Prinz, bitte ich um Gerechtigkeit gegen den Weber."
Der Prinz ließ nach dem Weber rufen, und als der kam, wurde bestimmt, daß ihm ein Auge ausgerissen werde.
"O Prinz, sagte da der Weber, "dein Urteil ist gerecht. Mir soll fürwahr ein Auge genommen werden. Doch benötige ich zwei Augen, damit ich beide Seiten meiner Webe sehen kann. Aber mein Nachbar, der Schuster, hat auch zwei Augen, und in seinem Beruf sind nicht beide Augen nötig. "
Da sandte der Prinz nach dem Schuster. Der kam, und sie nahmen ihm ein Auge.
Und dem Gesetz war Genüge getan."


Khalil Gibran, "Der Narr", Walter Verlag 1975

Freitag, 22. Oktober 2010

Yun Son-Do

In meinem kleinen Tagesabreißkalender, der leider fast nur Belangloses bringt, mache ich eine Entdeckung (Ich liebe diese Art Kalender und habe sogar zwei davon.):

"Zähl die Freunde,
die ich habe:
Kiefer, Bambus,
Stein und Wasser.
Mond, auch du
bist mein Gefährte,
leuchtend überm Ostgebirg.
Sag, wie sollt
ich mehr mir wünschen,
sind nicht diese fünf genug?"


Irgendein Chinese, denke ich. Wikipedia belehrt mich, daß Yun Son-Do oder Yun Seon-do ein koreanischer Dichter ist, der von 1587 bis 1671 lebte.
Mich spricht seine Gelassenheit an. Gibt es in unserem christlich-eifernden Mittelalter etwas Ähnliches?

Der Klang seines Namens erinnert mich an Yom Dong-Sul.
So hieß damals, vor 55 Jahren, ein koreanischer Studienfreund meiner "großen" Schwester. Er wollte sie unbedingt heiraten und nach Korea mitnehmen.
Ein anderer Studienfreund, Ottmar Brosch (der sie aber nicht heiraten wollte), machte mich Jungspund mit einem ganz anderen Dichter bekannt - Francois Villon.

Opa ist ins Schwätzen gekommen...

Montag, 30. August 2010

Schock

"Ich gehöre zu denen, die den Menschen seit jeher für geistig krank hielten."
"Als Gemeinplatz nicht schlecht, der Satz."
"Vielleicht klingt Ihnen weniger als Gemeinplatz meine Hypothese, daß die Verrücktheit das Ergebnis des Schocks ist, den die Intelligenz im Menschen bewirkt hat, und selbst nach drei Millionen Jahren haben wir uns von der Erschütterung noch nicht erholt."

Jose Saramago, "Geschichte der Belagerung von Lissabon", Rowohlt, Hamburg 2005, S. 334f;

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