Der Hasser
Auf den ersten Blick scheint es, Lenin habe es seinen Feinden leicht gemacht, ihn zu diskreditieren.
Wie dieser Mann andere Menschen (die Ausbeuter) hasst! Wie er stets und ständig den Antagonismus (zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten) behauptet, und wie er nicht müde wird, die Bedeutung der Gewalt für die Revolution hervor zu heben!
Dabei weiß doch jeder Menschenfreund, daß Hass eine schwarze Seele macht.
Auf den zweiten Blick ist zwar bemerkenswert, daß Lenin in bescheidenen, gesitteten Verhältnissen lebte. Ruhmsucht war nicht sein Ding, Grausamkeit ebenfalls nicht, von persönlicher Machtgeilheit keine Rede. Doch den zweiten Blick sparen sich viele der leninfeindlichen Aufklärer. Und die meisten Anderen behelfen sich mit Erklärungen aus dem reichen Arsenal der psychologischen Defektologie.
Auch Wolfgang Ruge in seinen nachgelassenen Materialien einer politischen Biografie befleißigt sich, wie ich meine, einer oft hilflosen Psychologisierung.
Hervorzuheben ist jedoch sein Versuch, einige markante Punkte der Persönlichkeitsentwicklung Lenins zu fixieren. Das gilt an erster Stelle für die Hinrichtung des geliebten und bewunderten (21-jährigen) Bruders in Lenins 17. Lebensjahr. Mir war unbekannt, daß es der Mutter gelungen war, vom Zaren das Versprechen zu erwirken, die Todesstrafe in eine Haftstrafe umzuwandeln. Allerdings verlangte der Zar ein Reuebekenntnis des Verurteilten, das Alexander Uljanow verweigerte. Nicht nur die Hinrichtung selbst, sondern auch die hier zu Tage tretende moralische Qualität dürften von weittragender Bedeutung für Lenins Charakterbildung gewesen sein.
Außerordentliche (nicht zuletzt soziale) Intellektualität + exemplarische Charakterausprägung (+ robuste psychische und physische Gesundheit), sollten das nicht Persönlichkeitsfaktoren sein, die Lenin weit über die üblichen Kreise der Individuen hinausführen konnten?
Vielleicht hatte Lenin einfach die intellektuelle Schärfe bis in den Abgrund zu blicken und den Mut und die Kraft, es sein Leben lang auszuhalten und dagegen zu arbeiten?
Mir sind diese Überlegungen merkwürdigerweise aus einem ganz aktuellen Anlaß gekommen: Dem sich nun zum 10. Mal jährenden Anschlag vom 11. September 2001. (Angekündigt wurde ein neues Buch von Bröckers und Christian C. Walther "11.9. - zehn Jahre danach. Der Einsturz eines Lügengebäudes", Westend-Verlag, 320 Seiten. € 16,99.)
Ich kennen kaum jemanden, der die offizielle Erklärungsversion glaubt. Doch alle leben wir weiter, "als sei nichts geschehen". Wie ist das möglich?
Doch es braucht nicht 9/11. Es war auch vorher schon etwas geschehen: Unser braves Volk hatte, wie die Jungfrau ein Kindlein, die Mordbestie aus sich zum Triumph gebracht und spurlos wieder in sich zurück genommen.
Der (deutsch-)amerikanische Geist hatte die Atombestie zur Welt gebracht, hatte sie ohne Not, aus purem Kalkül, losgelassen und wieder in die Jackentasche gesteckt. Zur allfälligen Benutzung, wie jeder weiß.
Was ist extremer? Sind es die Zustände oder ist es Lenins Diagnose der Zustände?
Die Menschenzustände haben es bequem. Sie kennen keine Verantwortlichkeit. Sie reproduzieren sich einfach mit stetig wachsender Gewalt immer weiter.
Lenin muß sich verantworten. In seinem Bemühen, den Teufelskreis zu durchbrechen, hat er, wegen und trotz bestmöglicher Diagnose, ein Stück Werk vollbracht.
Und die ganze Verantwortung, wer nimmt sie heute wahr?
Wie dieser Mann andere Menschen (die Ausbeuter) hasst! Wie er stets und ständig den Antagonismus (zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten) behauptet, und wie er nicht müde wird, die Bedeutung der Gewalt für die Revolution hervor zu heben!
Dabei weiß doch jeder Menschenfreund, daß Hass eine schwarze Seele macht.
Auf den zweiten Blick ist zwar bemerkenswert, daß Lenin in bescheidenen, gesitteten Verhältnissen lebte. Ruhmsucht war nicht sein Ding, Grausamkeit ebenfalls nicht, von persönlicher Machtgeilheit keine Rede. Doch den zweiten Blick sparen sich viele der leninfeindlichen Aufklärer. Und die meisten Anderen behelfen sich mit Erklärungen aus dem reichen Arsenal der psychologischen Defektologie.
Auch Wolfgang Ruge in seinen nachgelassenen Materialien einer politischen Biografie befleißigt sich, wie ich meine, einer oft hilflosen Psychologisierung.
Hervorzuheben ist jedoch sein Versuch, einige markante Punkte der Persönlichkeitsentwicklung Lenins zu fixieren. Das gilt an erster Stelle für die Hinrichtung des geliebten und bewunderten (21-jährigen) Bruders in Lenins 17. Lebensjahr. Mir war unbekannt, daß es der Mutter gelungen war, vom Zaren das Versprechen zu erwirken, die Todesstrafe in eine Haftstrafe umzuwandeln. Allerdings verlangte der Zar ein Reuebekenntnis des Verurteilten, das Alexander Uljanow verweigerte. Nicht nur die Hinrichtung selbst, sondern auch die hier zu Tage tretende moralische Qualität dürften von weittragender Bedeutung für Lenins Charakterbildung gewesen sein.
Außerordentliche (nicht zuletzt soziale) Intellektualität + exemplarische Charakterausprägung (+ robuste psychische und physische Gesundheit), sollten das nicht Persönlichkeitsfaktoren sein, die Lenin weit über die üblichen Kreise der Individuen hinausführen konnten?
Vielleicht hatte Lenin einfach die intellektuelle Schärfe bis in den Abgrund zu blicken und den Mut und die Kraft, es sein Leben lang auszuhalten und dagegen zu arbeiten?
Mir sind diese Überlegungen merkwürdigerweise aus einem ganz aktuellen Anlaß gekommen: Dem sich nun zum 10. Mal jährenden Anschlag vom 11. September 2001. (Angekündigt wurde ein neues Buch von Bröckers und Christian C. Walther "11.9. - zehn Jahre danach. Der Einsturz eines Lügengebäudes", Westend-Verlag, 320 Seiten. € 16,99.)
Ich kennen kaum jemanden, der die offizielle Erklärungsversion glaubt. Doch alle leben wir weiter, "als sei nichts geschehen". Wie ist das möglich?
Doch es braucht nicht 9/11. Es war auch vorher schon etwas geschehen: Unser braves Volk hatte, wie die Jungfrau ein Kindlein, die Mordbestie aus sich zum Triumph gebracht und spurlos wieder in sich zurück genommen.
Der (deutsch-)amerikanische Geist hatte die Atombestie zur Welt gebracht, hatte sie ohne Not, aus purem Kalkül, losgelassen und wieder in die Jackentasche gesteckt. Zur allfälligen Benutzung, wie jeder weiß.
Was ist extremer? Sind es die Zustände oder ist es Lenins Diagnose der Zustände?
Die Menschenzustände haben es bequem. Sie kennen keine Verantwortlichkeit. Sie reproduzieren sich einfach mit stetig wachsender Gewalt immer weiter.
Lenin muß sich verantworten. In seinem Bemühen, den Teufelskreis zu durchbrechen, hat er, wegen und trotz bestmöglicher Diagnose, ein Stück Werk vollbracht.
Und die ganze Verantwortung, wer nimmt sie heute wahr?
kranich05 - 2011/07/14 21:21







