8.2.2007
BB wäre kein deutsches Provinzstädtchen, würde ein Kriegerdenkmal fehlen - im Dunstkreis der evangelischen Kirche, für die Helden des ersten Weltkriegs.
Zu DDR-Zeiten hatte man die Pietät, solche meist trutzigen Gedenksteine nicht zu entfernen. Der Verwitterung überlassen, hinter wucherndem Efeu versteckt, dösten Gedenktafeln, deren kaum entzifferbare Texte niemanden bekümmerten.
Das hat sich geändert.
Blitzblank gepflastert und geharkt sind die Areale des vaterländischen Erinnerns. Die Steine neu gesetzt (?) oder zumindest gesandstrahlt; die Texte blöken dir schamlos ihren Anspruch entgegen:
"OH HERR, SEGNE UNSER KRIEGSHANDWERK!"
oder so ähnlich.
Eine zweite Tafel formuliert noch dreister, noch widerwärtiger:
Leider irrte auch Lenin, als er den Imperialismus des ersten Weltkriegs beschrieb. Allzu hoffnungsfroh glaubte er, dies sei ein stagnierender, ein sterbender Kapitalismus.
Ganz und gar ins Schwarze aber traf er, als er, all den Vaterlandsverteidigern ins Stammbuch, diesen Krieg charakterisierte:
"...auf beiden Seiten ein imperialistischer Krieg, ein Eroberungskrieg, ein Raub- und Plünderungskrieg, ein Krieg um die Aufteilung der Welt, um die Verteilung und Neuverteilung der Kolonien, der Einflußsphären des Finanzkapitals..."
"Der Feind steht im eigenen Land", drückte es Karl Liebknecht aus.
Dafür mußte er sterben, Opfer solcher Vaterlandsgesellen, die die Heldenkugel verpaßt hatte.