Kunst

Sonntag, 4. September 2011

Vicco von Bülow (Loriot)

"Ich kann die nationale Begeistung für Lorriots Komik nicht teilen, wollte mich aber dazu nicht äußern....", sagt Battmer.
Es geht mir nicht anders, und das zweifelhafte Vergnügen, auf "Post von Wagner" zu reagieren, hat mich nicht ereilt.
In unserer Urlaubspension stand ein Fernseher, die Geheimnisse der Fernbedienung haben wir diesmal bewältigt, und so konnten wir uns eine lange Gedenksendung über den Humoristen ansehen.
Am Ende dachte ich: "Deutsch und humoristisch, das ist schon etwas. Dennoch, er ist überschätzt."
Loriots feiner Humor ist immer zweistimmig: Die feine Nebenstimme: "Ich könnte, wenn ich wollte." Die Hauptstimme: "Ich tue Niemandem weh." Das braucht's zum Wunschklassiker des deutschen Bürgers.

Sonntag, 3. April 2011

Iakovos Kambanellis, Mauthausen

Ende der sechziger Jahre entdeckte ich bei einem Besuch in Moskau die Melodija-Schallplatte "Mauthausen" von Mikis Theodorakis. Theodorakis war mir damals bereits kein Unbekannter mehr. Mitte der sechziger Jahre gab es den griechischen Film "Traumviertel" - einprägsam, nicht zuletzt wegen der Musik von Theodorakis. Lange bevor der Sirtaki aus "Alexis Sorbas" Tag und Nacht gedudelt wurde.
Der Liederzyklus "Mauthausen", gesungen von Maria Farandouri, hat mich tief berührt. Doch habe ich nie genau erfahren, wie Theodorakis zu diesem Thema kam.
Nun ist der griechische Dichter und Dramatiker Iakovos Kambanellis im Alter von 88 Jahren gestorben. Er war in Mauthausen gefangen. Seine Gedichte hat Theodorakis vertont.

Es hat bis 2010 gedauert, daß die Erinnerungen von Kambanellis auf deutsch erschienen, herausgegeben im Wiener Elephant Verlag - "Die Freiheit kam im Mai". Die "junge Welt" hat Kambanellis" Leben und Werk gewürdigt. Aus seinem Buch wird diese bemerkenswerte Passage zitiert:
»Ich habe die Konzentrationslager markiert! Jeder Kreis hat einen Radius von 50 Kilometern. Was beweist das? Daß die Hälfte Deutschlands sich in diesen Kreisen befindet. Daraus folgt, daß auf jeden Fall die Hälfte Deutschlands von den Konzentrations- und Vernichtungslagern wußte! Und dem folgend, mein Lieber, fällt es mir schwer zu glauben, daß die eine Hälfte des deutschen Volkes davon wußte und die andere Hälfte keine Ahnung davon hatte. Außerdem: dieselben Bestialitäten, die die SSler in den Lagern begingen, beging die Wehrmacht mit derselben Leichtigkeit in den eingenommenen Gebieten. Alle wußten es! Glaubt niemandem! Glaubt ihnen niemals! Wenn sie euch zu täuschen versuchen sollten, heißt das, daß sie sich nicht bessern wollen.«

Freitag, 18. März 2011

Durchatmen

Die Antwort Jakobs
Einer fragte jenen, dessen Sohn verschollen war: O alter Weiser mit der reinen Seele, dein Sinn führte dich ahnend nach Ägypten, warum hast du ihn nicht am Brunnen Kanaans gesehen?
Da erwiderte er: Unser Zustand ist ein aufkeimender Blitz: einmal sichtbar und im nächsten Augenblick verborgen; einmal bin ich auf dem höchsten Himmelsdach, das andere Mal kann ich nicht sehen, was vor meinen Füßen liegt.

Schejch Musled-din Sadi - bei Wikipedia oder Wikiquote einfach "Saadi" - (geboren um 1190 in Schiraz; gestorben 1283 oder 1291 ebenda)

Angler

"Angler", Lithographie 1958 von Arno Mohr (1910 Posen - 2001 Berlin)

Montag, 28. Februar 2011

Aus Anlaß seines 90. Geburtstags

Willi Sitte

Diese Grafik Willi Sittes, die heute in der Zeitung abgebildet war, hat mich beeindruckt. Ein Blatt, das zu mir spricht, in dem ich mich finde, das mich anregt. Dazu hat nicht wenig die Interpretation von Peter Michel, dem Verfasser des Artikels, beigetragen.
Auch diese Passage über die politisch-theoretische Orientierung des Malers hat es in sich:
„Zu seinen größten Ernüchterungen zählt die klägliche Rolle, die die Arbeiterklasse – für ihn bislang Symbol und Hoffnungsträger einer menschlichen, sozialistischen Gesellschaft – in der „Wende“-Zeit spielte.“
Zwar hab ich im Blog schon mal kurz zu „Arbeiterklasse“ geschrieben, doch auf das Thema ist zurück zu kommen.

Auch das Islamlied

hab ich beim Blog kritische-massen gefunden.
Das singen Christoph & Lollo.
Nie gehört.

Aber diese bösen Austrian-Jungs haben echt was drauf.

Freitag, 18. Februar 2011

Dreigroschenoper

Vor achtzig Jahren und einigen Wochen wurden die Songs aus der Dreigroschenoper auf vier Telefunken-Schellackplatten eingespielt. Die Premiere lag damals reichlich zwei Jahre zurück. Seitdem hatte dieses „Stück mit Musik für singende Schauspieler“ einen unvergleichlichen Triumphzug angetreten. Allein im ersten Jahr, der Spielzeit 1928/29, hatte es 4200 Aufführungen gegeben, bis zum Januar 1933 waren es zehntausende.
Dann der deutsche Kulturbruch. Fast alle der namhaften Mitwirkenden mussten sich in die Emigration retten. Ausgetilgt der hinreißende künstlerische Mummenschanz, ausgetilgt das bitterböse politische Wort.

In meinen jungen DDR-Jahren kannte ich die Dreigroschenoper nicht. Brecht, so hieß es, hielt nach dem Grauen des Weltkrieges und des Faschismus die Form der Dreigroschenoper nicht für angemessen und verweigerte ihre Wiederaufführung. Meine Schallplatte der historischen Aufnahme erschien erst 1964.bei ETERNA. Irgendwann auch im BE die Dreigroschenoper mit dem (und das ist wörtlich gemeint) unvergesslichen Wolf Kaiser als Mackie Messer.

Und heute höre ich erneut die weltbekannten Songs der Arme-Leute-Oper, die wie ein ergrauter Markstein ist, an den die historischen Schicksale anbrandeten. Und sich brachen. Und wieder anrennen.

„Und es werden kommen hundert gen Mittag an Land
Und werden in den Schatten treten
Und fangen einen jeglichen aus jeglicher Tür
Und legen ihn in Ketten und bringen vor mir
Und fragen: Welchen sollen wir töten?“

„John ist gestorben und Jim ist tot
Und Georgie ist vermißt und verdorben
Aber Blut ist immer noch rot
Und für die Armee wird jetzt wieder geworben!“

„Das Recht des Menschen ist’s auf dieser Erden
Da er doch nur kurz lebt, glücklich zu sein
Teilhaftig aller Lust der Welt zu werden
Zum Essen Brot zu kriegen und nicht einen Stein.“

„Denn wovon lebt der Mensch? Indem er stündlich
Den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frisst.
Nur dadurch lebt der Mensch, dass er so gründlich
Vergessen kann, dass er ein Mensch doch ist.“

„Daß er nur im Trüben fische
Hat der Hinz den Kunz bedroht,
Doch zum Schluß vereint am Tische
Essen sie des Armen Brot.

Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.“


Denn wovon lebt der Mensch? Ernst Busch 1931

Donnerstag, 27. Januar 2011

pechschwarz

pechschwarz

Eines der kleinen Bilder von Lurusa Gross.
Die Webseite, auf der man mehr von ihren Cartoons findet, scheint wieder besser erreichbar zu sein.

Dienstag, 11. Januar 2011

Ein Freund

Freund von Lurusa Gross
Lurusa Gross, 2008;

Ursula Behr ist keine Berlinerin.
Ich bin kein Berliner.
Aber dieses Bild erlaube ich mir als berlinisch im besten, im wärmsten und traurigsten Sinne des Wortes zu bezeichnen.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Wahrlich, keine Verzichtskünstlerin – Ursula Behr

Neulich war es wieder soweit. Das Radio berichtete über eine junge Dame, die malt, fast nur Bilder vom Meer. Sie meint, dass da wohl ihre Gene eine Rolle spielen, denn Studien vom Meer macht sie nicht. Aber ihre Vorfahren lebten an der Ostsee. Sie fertigt ihre Bilder mittels Alleinstellungsmerkmal, nämlich, indem sie auf dem Fußboden liegt. Nein, nicht die Malerin, nur ihre Leinwand. Und gepinselt wird nicht, sondern Farbe geschüttet, Meer eben. Da gehen leicht mal 10, 20 kg drauf für ein Bild ansehnlicher Größe. Mit Folien muß sie Möbel, Fenster, Wände schützen. Ist halt bissel Sauerei, aber der Hauswirt hat Verständnis. Ihm hat sie gesteckt, dass sie beim Professor Baselitz gelernt hat. Wie dessen Werke kann man auch ihre Bilder so rum oder so rum aufhängen. So berühmt wie Neo Rauch ist sie noch nicht. Aber manche Sammlung kauft, und sie denkt sowieso positiv.

Für derlei elitären Humbug benutze ich seit langem die Sammelbezeichnung "Verzichtskunst", Hervorbringungen, die gewisse Momente künstlerischer Technik aufweisen aber das A und O jeder wirklichen Kunstbemühung peinlichst vermeiden, den lebendigen Menschen.

Welten trennen die Malerin Ursula Behr von solchen Kunstwerkerinnen. Ihre Ausstellung „Menschenbilder - Menschenrechte“ in der Kellergalerie des Cafes Coop in der Rochstr. 3, Berlin-Mitte geht in diesen Tagen zu Ende.

Ursula Behr 1

Ursula Behr 2

Mit ihrem unbändigen malerischen Temperament und parteilicher Leidenschaft wendet Ursula Behr sich den Menschen zu und nicht irgendwelchen , sondern gerade denen, die gepresst, gedemütigt, vergewaltigt werden und kaum einen Fürsprecher finden. „Ecce homo“ könnte über jedem ihrer Bilder stehen, die entschieden komponiert sind aber zugleich von vielen erzählenden Details leben und in starken Farben leuchten.
Das sind nicht Bilder, die einen Hintersinn und einen Nebensinn und noch einen Nebensinn verschlüsseln, sondern Bilder, die eine Botschaft haben und den Mut, sie offen auf dem Markt auszurufen: Der Mensch sei das höchste Wesen für den Menschen! Und JEDER Mensch sei es!

Ursula Behr 4

Ursula Behr 3

Das ist eingreifende Malerei, die die plakative Vereinfachung nicht scheut. Ich fühle mich manchmal an den Meisterautodidakten Willibald Mayerl erinnert, der in ganz anderer Zeit im Zwickauer Revier den schwer arbeitenden Bergmann und seine Freude an Licht, Luft und Blumen feierte. Ob Ursula Behr auch Blumen malt? Ich weiß es nicht. Ihre Website lässt Seiten ihres Werks entdecken, die diese kleine Ausstellung nicht vorzeigen konnte.

Ursula Behr 5

Ein weiteres großes Feld ihres Schaffens sind Karikaturen/Cartoons, die ich hier nur erwähne. Da die Malerin ihre Cartoons unter eine freie Lizenz stellt, werde ich künftig einige hier im Blog vorstellen.
Überrascht es, wenn ich feststelle, dass beide, der Markt genauso wie der „fördernde und fordernde Staat“, so frei sind, dieses in mehrfacher Hinsicht exemplarische Werk komplett zu ignorieren?
Das wurde gegen tausend Widerstände errungen. Ich danke für das, was die Künstlerin mit diesem Werk sich und uns errungen hat, und ich bin voller Erwartung, welchen Weg sie sich weiter bahnen wird.
Verzichtskunst wird es wohl nicht sein.

Ursula Behr 6

Dienstag, 21. Dezember 2010

Hübsche Anwältin

Ursula Behr huebsche Anwältin

Der etwas andere Blick der Malerin Lurusa Gross auf Justiz und Gesellschaft.

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