Wie merkwürdig spurlos, wie merkwürdig ruhelos...
Mit Verwunderung stelle ich fest, wie wenig mir von denen, von denen ich herkomme, geblieben ist.
Von meiner Mutter, die vor mehr als 50 Jahren gestorben ist, besitze ich nichts mehr. Von meinem Vater, er ist seit 30 Jahren tot, habe ich eine goldene Taschenuhr, ein Familienerbstück, mehr nicht.
Zwar gibt es viele lebendige Erinnerungen an meine Eltern und auch an die beiden Großmütter, aber sie existieren, von wenigen Fotografien abgesehen, nur in meinem Kopf und in den Köpfen meiner Schwestern. Nicht viele Jahre, und dann werden, mit uns, auch diese Spuren getilgt sein. So wie es schon immer mit den Großvätern war. Sie fielen beide im ersten Weltkrieg und sind spurlos verschwunden.
Und haben doch alle ruhelos gelebt, haben sich täglich gemüht, hatten Leidenschaften, Kämpfe, Schweiß und Sperma, haben Gewalt erlitten und Gewalt ausgeübt.
Geblieben ist eigentlich nur das Fleisch und Blut, das ich selber bin. Keine ruhige Bank unter einem uralten Baum, keine abgetretene Schwelle eines Häuschens, kein Bericht, kaum ein Brief. Aber ich erinnere mich: Manches war geblieben – ein alter Fotoapparat, eine alte Gartenhacke, ein Drahtkorb. Es hat mich gestört; manches habe ich verschenkt, den Rest als Müll entsorgt.
In der Familie einer alten Freundin ist es anders:
Die (jetzt sehr alte Mutter) hat immer Tagebuch geschrieben. Zwar darf das keiner lesen aber es ist vorhanden. Die Tagebücher des Großvaters aus dem ersten Weltkrieg, aus der Inflationszeit und danach sind erhalten. Großvater und mehr noch Großmutter waren aber für die Nazis. Die Berichte aus der Nazizeit und der Briefwechsel mit dem Sohn im Krieg sind vernichtet.
Tagebuch, Lebensbericht hat bereits der Großvater des Großvaters geschrieben, als armer Schuster und Dorfmusikant, so zwischen 1835 und 1860. Man kann sich hinsetzen und mit dem Urahn Zwiesprache halten.
Ob es darauf ankommt?
Von meiner Mutter, die vor mehr als 50 Jahren gestorben ist, besitze ich nichts mehr. Von meinem Vater, er ist seit 30 Jahren tot, habe ich eine goldene Taschenuhr, ein Familienerbstück, mehr nicht.
Zwar gibt es viele lebendige Erinnerungen an meine Eltern und auch an die beiden Großmütter, aber sie existieren, von wenigen Fotografien abgesehen, nur in meinem Kopf und in den Köpfen meiner Schwestern. Nicht viele Jahre, und dann werden, mit uns, auch diese Spuren getilgt sein. So wie es schon immer mit den Großvätern war. Sie fielen beide im ersten Weltkrieg und sind spurlos verschwunden.
Und haben doch alle ruhelos gelebt, haben sich täglich gemüht, hatten Leidenschaften, Kämpfe, Schweiß und Sperma, haben Gewalt erlitten und Gewalt ausgeübt.
Geblieben ist eigentlich nur das Fleisch und Blut, das ich selber bin. Keine ruhige Bank unter einem uralten Baum, keine abgetretene Schwelle eines Häuschens, kein Bericht, kaum ein Brief. Aber ich erinnere mich: Manches war geblieben – ein alter Fotoapparat, eine alte Gartenhacke, ein Drahtkorb. Es hat mich gestört; manches habe ich verschenkt, den Rest als Müll entsorgt.
In der Familie einer alten Freundin ist es anders:
Die (jetzt sehr alte Mutter) hat immer Tagebuch geschrieben. Zwar darf das keiner lesen aber es ist vorhanden. Die Tagebücher des Großvaters aus dem ersten Weltkrieg, aus der Inflationszeit und danach sind erhalten. Großvater und mehr noch Großmutter waren aber für die Nazis. Die Berichte aus der Nazizeit und der Briefwechsel mit dem Sohn im Krieg sind vernichtet.
Tagebuch, Lebensbericht hat bereits der Großvater des Großvaters geschrieben, als armer Schuster und Dorfmusikant, so zwischen 1835 und 1860. Man kann sich hinsetzen und mit dem Urahn Zwiesprache halten.
Ob es darauf ankommt?
kranich05 - 2008/05/07 09:42


