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Gesundheit, Alter, Tod

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Übergewicht ade

Fast Jede und Jeder kennt das leidige Gewichtsproblem. Viele haben schon eine Diät (oder mehrere) gemacht, um abzunehmen. Ich auch.
Ich will von einem Programm berichten, daß wir seit 15 Wochen mit gutem Ergebnis befolgen.
Es handelt sich um das Programm "gesund-abnehmen", das wir über die "Apotheken-Umschau" kennen gelernt haben und dass man über diesen Link erreicht.

Ich habe in diesen 15 Wochen rund 10 kg abgenommen und jetzt mein Normalgewicht erreicht. Mrs. Tapir hat mit einer Abnahme von 6,5 kg nun ebenfalls Normalgewicht, fast Idealgewicht.

Wie funktioniert das internetgestützte Programm?
1. Man gibt einige wenige Daten über seinen persönlichen Gesundheits- und Gewichtszustand ein und wird daraufhin in eine von vier Diätgruppen eingeteilt. Entsprechend der zugeteilten Diätgruppe downloaded man sich seinen Figurcoach genannten Diätplan.
2. Der Diätplan gibt die mir täglich verfügbare Menge an Lebensmitteln vor. Halt, tut er nicht. Er gibt mir eine täglich erlaubte Anzahl von Dreiecken, Kreisen und Vierecken vor. Diese Symbole stehen, grob gesagt, für Kohlehydrate, Eiweiße und Fette. Darüberhinaus gibt der Figurcoach die Mindesttrinkmenge und Bewegungsziele vor.
3. Ich downloade zweitens eine etwa 20-seitige Liste, die alle gebräuchlichen Lebensmittel enthält und diese nach ihrem Gehalt an Dreiecken, Kreisen und Vierecken bewertet. Aus dieser reichhaltigen Liste stelle ich mir mein tägliches Essen zusammen.
4. Auf der Website stehen viele weitere Lebensmittel und Rezepte bereit, viele nach dem genannten Schema bewertet, andere (noch) nicht bewertet. Ebenfalls gibt es eine große moderierte Community um das ganze Geschehen um dieses Diätprogramm. Welches Geschehen?
5. Wöchentlich melde ich meine Daten (Diätfortschritte/Erfahrungen/Probleme) an das Programm und bekomme eine individualisierte Rückmeldung (von einer attraktiven Dame!), sowie jede Woche eine thematische Lektion (mit "Hausaufgaben") zur weiteren Gestaltung des Diätverlaufs.

gesund abnehmen

Bemerkenswert fanden wir:
1. Es gibt keine sklavische Abhängigkeit von täglichen Essensnormen. Der Figurcoach erlaubt insofern Flexibilität, als ich Punkte einige Tage "ansparen" oder andererseits "auf Kredit" verbrauchen kann. Nur in Wochenfrist muß das Konto ausgeglichen sein.
2. Die große Auswahl der mir zur Verfügung stehenden Lebensmittel (sowie ihre nicht selten überraschende, zumindest ungewohnte Bewertung), läßt nie eine Mangel- oder gar Zwangssituation aufkommen. Immer sieht man sich in der Lage, ein Wunschessen zusammenstellen zu können, das dennoch den Diäterfordernissen genügt.
3. Die wöchentlichen Lektionen erschließen einem immer wieder zusätzliche Möglichkeiten, sein Gewicht zu beeinflussen. Sie motivieren immer wieder neu und verführen dazu, nach und nach Änderungen im Alltag vorzunehmen.
4. Überhaupt setzt das Programm auf allmähliche Fortschritte, sowie auf den Austausch über alle im Prozeß auftauchenden Probleme.

Das Programm verlangt eine Portion Aufmerksamkeit. Häufiges Nachschlagen in der Lebensmittelliste ist unerläßlich. Das geht nicht ohne Zeitaufwand, wenn dieser mit fortschreitender Gewöhnung auch sinkt. Bestimmt ist es günstig, wenn Partner oder noch mehr Leute gemeinsam diese Diät machen.

Wie am Anfang bemerkt:
Unser Erfolg ist bemerkenswert und das Schönste:
Weil wir uns dabei nie unter Druck gefühlt haben, machen wir gerne weiter.

Samstag, 16. Mai 2009

wundersam

Ich war 12 als meine Mutter starb. Das liegt nun 56 Jahre zurück.
Heute habe ich eine Minute der Trauer erlebt.
Ganz unvermittelt stand in meinem Herzen die Erinnerung an den abgrundtiefen, unheilbaren Schmerz,
daß Mutti nicht mehr ist.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Mein Leben

Mein Leben

Mein Leben, ein Leben ist es kaum,
Ich gehe dahin, als wie im Traum.

Wie Schatten huschen die Menschen hin.
Ein Schatten dazwischen ich selber bin.

Und im Herzen tiefste Müdigkeit -
Alles sagt mir: Es ist Zeit.

Theodor Fontane (1819-1898)

Als Fontane diese Zeilen schrieb, war er 72 Jahre alt; ein sehr alter, müder Mann.
Verwundert stelle ich fest, daß ich in drei Jahren ebenso alt bin.
Wie anders empfinde ich.
Nicht, daß ich jeden Tag ausrufe: Es ist eine Lust zu leben!
Aber ich fühle mich ganz mit dem Getriebe der Zeit verbunden.
Ich habe Teil und kann mich äußern.
Ein wenig helfen mir die durchlebten Jahre, zumindest zu versuchen, am Drama der Zeit mit etwas Reflexion teilzunehmen.
Ich bin neugierig, ob ich in den nächsten 20 Jahre erkennen werde, welchem Todeskampf, welcher Geburtsqual ich beiwohnen mußte und durfte.

Donnerstag, 29. Januar 2009

Einmal

Wenn alles gut gegangen ist, kommt ein Nachmittag oder ein kurzer Abend, da fühlst du dich schwach und zufrieden, man könnte auch sagen, seltsam schwebend und froh (möglicherweise mit einer winzigen Spur Übelkeit), da lehnst du dich zurück und denkst langsam: Es war gut.
Möglich auch, daß dieser Augenblick nur wenige Minuten dauert oder, wenn es vielleicht nicht ganz so gut gegangen ist (aber immer noch nicht schlimm), nur Sekunden.

Samstag, 10. Januar 2009

Totengedenken

In wenigen Tagen ist es ein Vierteljahr her, daß uns drei Todesfälle getroffen haben. Ich bemerke heute, wie verschieden mir die Toten gegenwärtig sind.
Der Schwiegervater/Vater in seiner eigenwilligen, oftmals auch störrischen oder gar verletzenden Art hat sich in der Erinnerung gewandelt. Wir spüren jetzt oft (und sowohl in kleinen wie in großen Dingen), wie er an uns gedacht hat, wie er für uns nach seinem Ableben vorgesorgt hat. Daraus entstehen Gefühle der Wärme und Dankbarkeit.

Meine Schwester ist mir nach wie vor in ihrer Vitalität gegenwärtig. Komme ich unverhofft mit einem Erinnerungsstück in Berührung, empfinde ich sogleich ihre Frische und Unbekümmertheit, ihren Optimismus. Solche Gefühle habe ich sogar stärker als zu ihren Lebzeiten – wohl deshalb, weil es nun keine nagenden Sorgen um ihren Gesundheitszustand mehr gibt.
Dieses Auflodern eines freudigen Gefühls wird gleich gebremst durch die Trauer, daß sie nun nicht mehr ist. Die fast fröhliche Erinnerung und eine Trauer, die doch Schwere hat, halten sich merkwürdig die Waage.

Und Anka? Die Zeiten als wir täglich an sie dachten, sind zu Ende gegangen. Gestern ging ich einen Weg, den ich fast nur mit ihr gegangen bin. Und mir wurde bewußt, daß meine Erinnerungen an sie verblassen. In meinen inneren Filmen sehe ich sie kleiner, sie bewegt sich schneller, wirkt eher grau als farbig. Unser Hundele tritt dem Verschwinden näher. Sie konnte nicht wie ein Mensch vorsorgen, den Lebenden wichtig zu bleiben.

Ich bin mir des Luxus bewußt, meine Trauer ungestört ausleben zu können.

Ich versuche mir vorzustellen, wie die Überlebenden der Massaker in Gaza mit dem Tod ihrer Liebsten umgehen. Im Elend überlebend und von Schmerz zerrissen und von neuer allgegenwärtiger Todesfurcht gepeinigt. Es muß ein Höllenzustand sein. Verlassen von aller Welt. Von übermächtiger Gewalt zur Aufgabe und völligen Selbstzerstörung getrieben aber gerade dazu beim Schmerz um all die Opfer und im Namen der Behauptung der letzten menschlichen Liebesregung keinesfalls bereit oder fähig zu sein. Da sind Menschen wie du und ich zu Martern verurteilt, wie sie die Religionen den größten Übeltätern ausmalen.
Nicht alle werden dort wahnsinnig. Ich bewundere alle, die weiter kämpfen. Und ich verstehe es, daß manche zu selbstzerstörerischem Terror greifen.
Ein Fluch denen, die das Menschen antun, die friedlich auf ihrem Land leben wollen. Ein Fluch denen, die ungerührt zusehen und kein Halt gebieten.

Freitag, 19. Dezember 2008

Ein Paar hat ausgekämpft

Sie wächst als uneheliches Kind in Dresden auf. Die Schönheit der Kunststadt an der Elbe ist ihr ganzer Reichtum.
Er wächst heran in einer disziplinierten, aufstiegsorientierten Familie im Ruhrgebiet, in einem Familienclan des Ruhrpotts.
Der Krieg führt ihn nach Dresden, wo er das ungebundene schöngeistige Leben und seine Liebe entdeckt.
Sie schätzt seine Zuverläßigkeit, seine Kraft, die sie durch alle Zurückhaltung spürt.
Sie verbinden ihre Leben.
Nach dem Krieg eilt er zurück ins Ruhrgebiet. Nur hier kann er sich vorstellen, für seine kleine Familie gut zu sorgen.
Sie folgt ihm widerstrebend; vom Mann, vom 1. Kind, das unterwegs ist, von der Not gezwungen.
Er wurzelt in seiner Heimaterde, leistet anerkannte Arbeit.
Sie sorgt im engen Kreis für die Familie. Sie kämpft mit dem überall eindringenden Ruhrgebietsdreck. Bald haßt sie jedes Blatt, jeden Baum, jede schwarzgraue Häuserfassade.

Ihre Auseinandersetzungen sind erbittert und enden nie. Einzige ungeteilte Freude sind ihre beiden Kinder.

Er erlebt, trotz schlechter Startbedingungen, den beruflichen Aufstieg in Führungspositionen eines traditionsreichen Unternehmens.
Sie wird immer öfter krank. In Kuraufenthalten lebt sie auf. Einem Kurschatten schenkt sie die Uhr, die ihr Mann ihr verehrt hatte.
Als er auf die Rente zugeht, freuen sie sich darauf, nun bald mehr zu unternehmen.
Doch der Krebs überfällt sie mit Wucht. Ihr Ende ist schwer, denn sie hat, wie der Arzt sagt, ein kerngesundes Herz.
Sie will keinesfalls im Ruhrgebiet begraben sein, auch nicht in Dresden, das ist jetzt DDR.
Sie findet ihre letzte Ruhestätte im Hessischen.
Auf ihren Grabstein läßt sie schreiben:
Edelgard S.
aus Dresden

Er überlebt sie fast dreißig Jahre. Er sucht sich keine zweite Frau.
Er pflegt ihr Andenken, ja, er adelt die Erinnerung an sie. Trotzdem, daß sie seine Uhr verschenkt hat, bleibt ihm immer unbegreiflich.
Er will bei seiner Frau begraben sein, im Hessischen. Auf dem Grabstein ist genügend Platz. Dennoch wünscht er, daß die Worte „aus Dresden“ nun entfernt werden. Die Nachwelt geht, gleichsam samten, über diesen Wunsch hinweg.
Am Ende sind diese Worte zu lesen:
Edelgard S.
aus Dresden
Wilfried S.
In acht Jahren wird die Grabstelle geräumt.

Freitag, 5. Dezember 2008

Unsere Traubenkirsche

mußte gefällt werden.
Durch die lang anhaltende Überschwemmung im Frühjahr war sie eingegangen.

Baum faellen 1

Baum faellen 2

Baum faellen 3


Nachts, vor dem Einschlafen, denke ich, daß Anka nun einen Gefährten im Verschwinden hat.

Mittwoch, 12. November 2008

Haushalt(e) auflösen

Beim ersten Eintreten in die vor zwei Wochen verlassene Wohnung springt mich das Erinnern an: Das war der Raum von Ankas Todeslauf. An Anka denke ich in den folgenden fünf Tagen fast niemals.
In ein leeres Gehäuse eintreten, kein fremdes aber ein plötzlich herrenloses; überall die Spuren des nicht mehr Anwesenden, seine Atmosphäre oder "Aura", nicht mehr sein Geruch; Scheu (wenn er jetzt hereinkäme), doppelte Scheu (er wird nie mehr hereinkommen); Befugnis haben, erschrocken sein, ja, sich ekeln davor, wie roh ich zugreife; Trauer wellenartig, schwankend zwischen nicht vorhanden und überwältigend; Eindringen, wenn nicht in ein Universum, so doch in ein unmäßiges Konvolut, jedenfalls in eine kaum lösbare Aufgabe; was hieße es überhaupt, gerecht zu sein? wägen, werten, verwerfen oder bewahren; anmaßender (Keine Zeit! Keine Zeit!) Akteur eines jüngsten Gerichts; fertig werden müssen, nein, wollen, warum eigentlich; denkschwach sein, sich dumm fühlen, nur funktionieren, vom Tod nichts verstehen und nichts vom Leben; „zu schade zum Wegwerfen“, „aber es braucht keiner“, die Teak-Schrankwand („an der hing sein Herz“) findet bei ebay für 1 € keinen Käufer; ebay-Abholer – einer, ein sympathischer junger Mann hat ein Schnäppchen für seine neue Wohnung gemacht, bedankt sich überschwänglich, andere, Fledder-Profis, greifen zielsicher ihr ersteigertes Gut, blättern zerknüllte Scheine hin, ziehen befriedigt ab, mit 200, 300, 500% Profit; armer Vater, arme Schwester; wenigstens 6000 Bände in der Bibliothek; hoch in den Regalen, von Staub bedeckt, die Bücher des vor dreißig Jahren gestorbenen geliebten Schwagers; welch ein rastloses, enzyklopädisches, menschliches Mühen – „vergebliches“ sagt es in mir, doch das will ich keinesfalls wahrhaben; 600, 700 Bände habe ich an mich genommen, „mehr geht beim besten Willen nicht“, die wenigsten davon werde ich lesen können, die Zeit will mich zwingen, sie zu Müll zu erklären; erschöpft still sitzen, ein Glas Cognac in der Hand, der ihm, ihr genauso geschmeckt hat; Kühlschrankinhalt, Tiefgekühltes verzehren, vernünftig aber mein Magen sträubt sich; Tag für Tag setzen wir unser schändliches, notwendiges Werk fort - Zerstörung eines guten Lebensraums; Eigentum abschaffen, gehütetes Privates aufbrechen, Schale oder Kern? immer wieder: weg damit; das Leben verlangt viel Chaos von uns, es wird mühsamer, das auszuhalten; abends erschöpft im Bett geborgen, und endlich menschliche Zwiesprache mit der toten Schwester, dem gestorbenen Vater; jetzt wird Trauer machtvoll und, siehe da, Trost möglich jenseits der zermürbenden täglichen Rasselstunden.
Wir, meine Frau und ich, mußten all das gemeinsam tun, und wenigstens das war gut.

Dienstag, 28. Oktober 2008

Fitnesstudio

Vor Jahren hab ich regelmäßig einmal die Woche das Fitnesstudio von Innen gesehen. Immer wenn ich zur Sauna ging, mußte ich an den vielen Trimmaschinen mit ihren schnaufenden BearbeiterInnen vorbei.

Die Sauna dort war nicht gerade ein Traum. Dunkel, spartanisch und durch das geöffnete Kellerfenster kamen Lärm und Dunst von der Straße in den Ruheraum. „Richtige“ Saunagänger gab es auch kaum, meist kamen die eiligen Fittis nur einmal zum Abschwitzen.
Aber es kostete nur 7 Euro gegenüber 15 in den Saunalandschaften des TURM. Das gab den Ausschlag.

Dank eigener Sauna im Haus bin ich seit Jahren diese Sorgen los.

Ans Fitnesstudio und mein vormodernes Verhältnis zu dergleichen hat mich die heutige Kolumne von Aushilfshausmeister Helmut Höge in der jw erinnert: „Vom Sein zum Design“; zu der „Ware auf zwei Beinen“.
Lesenswert!

Montag, 27. Oktober 2008

Leben

Welche Hochschätzung doch das Leben verdient.

Allein in uns, den Lebenden, leben die geliebten Toten.

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