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Gaumenfreuden

Freitag, 16. November 2007

Kennen Sie einen garantiert kommunikationsfreien öffentlichen Ort?

Gehen Sie ins Cafe, ins Stehcafe, möglichst eins mit lebhaftem Betrieb, wie z. B. das „Wiener Cafe“ im S-Bahnhof Alexanderplatz.
Ich stehe an dem blanken Tischchen, neben dem Mülleimer an die Wand gelehnt und mampfe mein eiskaltes Stück Käsetorte. Es ist hell, zugig, laut, sauber.
Laufend kommen KundInnen, den Blick wie mit der Schnur ausgerichtet auf die verschiedenen, vermutlich duftenden, goldgelben Auslagen. Sonst sehen sie nichts. Alle kommen sie direkt auf mich zu, mit drei cm Abstand an mir vorbei. Keine sieht mich. Ich könnte die Frauen auf’s Zudringlichste anstarren, tue es auch - nichts. Ich stecke wohl unter einer Tarnkappe.
Männer wie Frauen, die Geschlechter drängeln sich, eins im Kopp - Kuchen. Es kommen auch Paare, jede Hälfte für sich in Kuchentrance, zugleich in einem halbbewußten Abstimmungsprozeß: „da!“, „dort!, „nehm’ den“, „Du auch ‘n Kaffee?“
Die Verkäuferinnen, drei an der Zahl, sind bienenfleißig. Sie rücken die Waren zurecht, schleppen vorbereitete Bleche, bedienen den Ofen, lassen den Kaffeeautomaten sprudeln. Und sie verteilen die gewünschten Stücke auf Pappen, geben jedem Häufchen ein luftiges Papierhaus. Ihre flinken Hände, ihre Augen sind auf die Sachen gerichtet, ihr Kopf auf die Zahlen.
Dann Aufblicken, Strahlen: „3,90“. Auch die Kundin blickt auf. Blickkontakt. Mensch sieht Mensch. Oder:
Zwei Warenbesitzer haben ihre freie Transaktion besiegelt.

Im-Cafe1

Im-Cafe2

Im-Cafe3

Im-Cafe4

Sonntag, 21. Januar 2007

schlaflos mit Kaki

Von der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wird empfohlen, 5x täglich frisches Obst oder Gemüse zu sich zu nehmen.
Ob nicht einer dieser Zeitpunkte mitten in der Nacht liegen sollte (der 5., den ich immer schlecht "unterbringen" kann), irgendwann zwischen ein und vier Uhr, der Zeit der quälendsten Schlaflosigkeit?
Einfach Herausspringen aus den immer wieder scheiternden Versuchen, endlich ins Schlafnirvana hinüber zu gleiten. Etwas Positives tun! Eine Kaki essen.

Ich sah nie jemanden, der diese Früchte kaufte. Die resolute türkische Verkäuferin, die ich fragte, wie man sie ißt, sagte nur:"Na, aufschneiden! Manche löffeln sie auch aus."
Inzwischen kenne ich mich mit der "chinesischen Pflaume" besser aus.
Die Baumfrucht wird seit Jahrtausenden in China, Korea, Japan kultiviert. Kernlose Formen wurden in Israel (Sharonfrucht aus dem Sharontal), besonders winterharte in der Ukraine gezüchtet. Europa deckt seinen Bedarf überwiegend aus dem Anbau in Italien, zunehmend in Spanien.
Die Kaki wurde in letzter Zeit meine Lieblingsfrucht.

Seit Stunden in meinem Klinikbett flieht mich der Schlaf. Ich liege in bequemer Rückenlage - seit Tagen! Die frischen Operationswunden geben mir nur geringen Bewegungsspielraum. Es ist unerträglich.
Mein Zimmergenosse wälzt sich lautstark in endlosen Albträumen. Meine Kopfhörer sind defekt. (Später stellt sich heraus: Ich war zu unkonzentriert oder ungeschickt, sie richtig zu bedienen.) Heraus aus dieser Zwangslage oder ich werde verrückt!

Die Kaki fühlt sich glatt an und fest. Sie hat einen schwachen Duft, ganz leicht säuerlich, viel geringer als z. B. Äpfel, mit denen sie sich auf dem Lager gut vertragen soll. Dann ist da noch dieser feste Blätterkelch, fast lederartig. Wahrlich, äußerlich gibt sie nicht viel von sich preiß.
Ich beginne langsam an der Schale zu nagen. Es heißt, sie habe etwas Adstringierendes. Ich, ohnehin Freund aller Geschmäcker, die etwas mit "bitter" zu tun haben, spüre davon nichts
Und plötzlich, da ist sie! Diese intensive Süße, diese schwacharomatische, schwachsaure, gar fade?, nein, trotzdem erfrischende Süße! Vielleicht am Ehesten mit einer Honigmelone zu vergleichen. Die Süße ist kräftig aber sie erschlägt dich nicht. Das Aroma ist fein, feinst aber es langweilt dich nicht.
Und dann die innere Struktur - keine Kerne, doch nichts Breiartiges. Zellartige, "glasfleischige" Strukturen, im umgebenden Fruchtfleisch eingebettet, die sich mit leisem Knacken dem Druck von Zunge und Gaumen ergeben - einzig!
Sind das die Reste weggezüchteter Kerne? Mit Kernen würde ich sie gern auch einmal probieren.
Am Ende halte ich nur die kleine Manschette in der Hand. Sie besteht aus vier abgerundeten Blättern, auf ihr eine quadratische Zwischenscheibe, auf deren Mitte ein kreisrunder "Rahmen", in den sich die Frucht, nach Art einies Druckknopfes" eingeknöpft" hatte.

Ich schaue wieder ins Dunkel vor mir.
Unbeweglich nun schon seit Stunden, glänzen unten die Warmtonlampen auf dem Parkplatz des Klinikums.

Eine lebendige, "lächelnde" Frucht ist zu mir gesprungen. Durch Äonen, durch Wüsten, hat sie zu mir gefunden.
Das Gezwitscher der Vögel hat sie in sich aufgenommen, aus dunklen Tiefen die Wasser der Erde, die Strahlen der Sonne, hat sie gespeichert.
Welch ein Fest des Lebens hat sich eben in meinem Mund entladen!
Ich hab' gebissen, hab' gescnuppert, hab' gekaut, habe mir aufmerksam zugeschaut.
Jetzt marschieren fröhliche kleine Gesellen los, auf meinen Straßen, in meinen Bahnen.

Freitag, 15. Dezember 2006

Schopftintlinge

 Schopftintling jung

Nun ist es schon Mitte Dezember, doch das Gartenjahr will nicht enden.
Besonders freue ich mich über meine „Halbwilden“, die Schopftintlinge. Bei normalem Wetter ist es spätestens im November mit der Ernte vorbei. Dies Jahr aber wachsen sie unverdrossen.

Meckie hat ja ein Problem mit ihnen.
Schopftintling alt
Zugegeben, der Schopftintling altert schnell und sieht dann höchst unansehnlich aus, schwarz und zerschlissen, ja widerwärtig, mit seinem triefenden Tintenrand.
Und ein kleines „Achtung!“ gibt es tatsächlich: Er darf nicht zusammen mit Alkohol verzehrt werden.
Jung und frisch genossen aber ist er ein vorzüglicher Speisepilz (wie auch sein volkstümlicher Name „Spargelpilz“ verrät).

Seit vielen Jahren wächst dieser Pilz in unserem Garten. Besondere Pflege braucht er nicht. Natürlich ernte ich nie so viel, daß ich ihn ausrotten würde. Und vor allem liefere ich ihm immer wieder seine Lebensgrundlage – Altholz von unseren Pappeln, Baumstümpfe, die nicht gerodet werden, sondern allmählich verrotten dürfen, ungestörte feuchte Garteneckchen. Er liebt Stickstoff (und bestätigt somit ein weiteres Mal, daß der Garten, obwohl ich seit Jahren auf chemischen Dünger verzichte, diesmal etwas zu viel davon hatte).
Pilzsuche hinterm Haus.
Schopftintling Gruppe

Wie man sieht, wächst er in Gruppen. Sogar das Ernten macht er uns bequem.
Den Maden schmeckt er übrigens auch, trotzdem haben sie wenig Chancen, eben weil er so schnell ist.
Schopftintling Gruppe

Interessant noch – habe mich da selbst eben erst bei Wikipedia schlau gemacht:
Der Schopftintling gilt als Heilpilz, und
er kann Nematoden einfangen und verdauen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Schopftintling

Donnerstag, 13. Juli 2006

Die ersten Kartoffeln

„Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde,
Du Ungleichrunde,
Du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
Du Vielgequälte,
Du Gipfel meines Entzückens,
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens,
Mit der Gabel – sei stark!
Ich will auch Butter und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
Mußt nicht gleich so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich den Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumut?
Du bist ein rührend junges Blut,
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
so tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, dass du eine Edelknolle
Warst, und dass dich ein Kenner verschlingt.“

Joachim Ringelnatz

Wir haben heute die ersten eigenen Kartoffeln zusammen mit den letzten Saubohnen genossen.

Freitag, 28. April 2006

Löwenzahnsalat

LöwenzahnsalatIch hab’ gezögert, über diese Gaumenfreude zu berichten. Allzu gewöhnlich, allzu alltäglich ist dieser Genuß; zumal seit Kulturlöwenzahn Dank türkischer Gemüsehändler eine Selbstverständlichkeit geworden ist.
Daß der Mensch Löwenzahn essen kann, lernte ich vor neunundzwanzig Jahren kennen. (Das weiß ich genau, weil es mit einer meiner wichtigsten Lebensabschnittsbeziehungen verbunden war.) Damals wussten das (in der DDR) nur zwei Menschengruppen: Alte Gartenfreunde und Bohemiens. Mit Löwenzahn habe ich entdeckt, wie delikat die Geschmacksqualität „bitter“ sein kann.

Die Zubereitung ist einfachst, das Übliche. Zur Zeit liebe ich ihn mit Zitrone und ein wenig Knoblauch. Beim Sammeln achte ich darauf, nicht einzelne Blätter zu zupfen, sondern den oberen Teil der Wurzel mit abzuschneiden. Das erleichtert das Putzen. Ich sammel immer ein paar zarte Brennesselblätter dazu. Fein geschnitten zum Salat, und du kannst auf den Pfeffer verzichten.
Den Grad der Bitterstoffe kann man übrigens regulieren, je nachdem ob man die Blätter mit kaltem oder warmem Wasser wäscht.
Natürlich ist L. soooo gesund.
Guten Appetit!

Freitag, 14. April 2006

Pfannensauerteigbrot

Pfannenbrot
Beliebtes Rezept von Thomas:
Abends Vorteigbereitung mit ca. 500g grob geschroteten Mehl, ca. 0,5 l Wasser und 1 EL Sauerteig, verrühren, über Nacht an einen warmen Ort (mind. 20, besser 25 Grad) gehen lassen, morgens 1 EL Sauerteig abnehmen (für’s nächste Brot), Aufbewahrung in einen Glas von Wasser bedeckt im Kühlschrank günstig, eine beschichtete oder Edelstahlpfanne (26-28 cm Durchmesser) mit Öl oder Butter einfetten, mit Mehl bestäuben, ca. 500gr Mehl, 1 TL Salz, Gewürze (z.B. Koriander, Kümmel, Anis) und Saat (z. B. Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Leinsamen) und evt. etwas Wasser zum Vorteig geben und gut verrühren, die Konsistenz sollte breiig und gut formbar sein, ohne dass der Teig auseinander läuft, Teig in Pfanne geben, oben vom Rand wegdrücken, noch mal 2-3 Stunden gehen lassen an einen warmen Ort, auf kleiner Flamme ca. 60-90 min mit Glasdeckel backen, wenn sich oben die graue Teigfarbe in braun verwandelt, ist das Brot durch gebacken, die Bräune der Unterseite kann überprüft werden, indem das Brot in den Deckel gekippt wird, nicht bevor oben braun ist! Brot umdrehen und ca. 20-30 min die andere Seite ohne Deckel nachbräunen, Brot abkühlen lassen auf einen Rost oder Teller.
Richtige Konsistenz und ausreichende Backdauer wird durch Probieren erlernt. Natürlich kann der Vorteig auch morgens angesetzt werden, das Backen erfolgt dann abends, das mache ich, wenn ich arbeiten gehe. Meine häufigsten Getreidesorten sind für das Mischbrot Vorteig 500g Roggen, Hauptteig 500g Dinkel oder Weizen, Für das Buchweizenbrot Vorteig 500g Dinkel/Weizen und für den Hauptteig 250g Dinkel/Weizen und 250g Buchweizen. Pfannenbrot kann auch mit Hefe gebacken werden, dann braucht der Teig insgesamt nur 2-3 Stunden gehen.
Oder Vorteig säuern, wie oben beschrieben und erst zum Hauptteig Hefe geben, dann nur noch 1 bis 2 Stunden gehen lassen.

Natürlich ;-) male ich das Getreide mit meiner Handmühle. Da ich auf die gröbste Mehlsorte stelle, geht es relativ schnell; d. h. ich habe 1 kg grobes Mehl in 10 Minuten.

Donnerstag, 6. April 2006

Wenn ich meine Paprika kauf'...

Plastikmeer am Rande Europas - Arbeitsmigration in der industriellen Landwirtschaft
Fotos von Lisa Bolyos und Marco del Pra'

http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/plastikmeer/

Almeria1

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Heute befindet sich hier in Andalusien die weltweit grösste Konzentration von Gewächshäusern, aus denen ganz Europa mit Obst und Gemüse beliefert wird. Die Gewächshäuser stehen so dicht und in so grosser Zahl nebeneinander, dass aus der Ferne das Bild einer geschlossenen, sich im Wind leicht kräuselnden Fläche entsteht. Die Menschen, die hier leben, nennen die landwirtschaftlichen Produktionsflächen deshalb “mar de plastico”, Plastikmeer

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Ein marokkanischer Arbeiter beschreibt es so: "Hier ist alles aus Plastik, ob zum Arbeiten zum Schlafen oder zum Duschen. Wir verbringen unser ganzes Leben unter Plastik. Wir sind hierher gekommen, um unser Leben zu verändern, aber wir haben nirgendwo einen Platz zum Schlafen. Viele von uns denken daran, nach Hause zurückzukehren. Kein Spanier würde es hinnehmen, auch nur eine einzige Nacht hier zu verbringen."

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“Hier werden alle Menschen mit vierzig Jahren an Krebs sterben. Die Treibhäuser sind voll mit Gift, es ist eine ungesunde, tötende Arbeit.” Manuel (Arbeiter)

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Mitten im "Plastikmeer", außer Sichtweite der Wohnsiedlungen, stößt mensch auf eine "parallele Welt". Die Menschen, auf die unterste Stufe der sozialen Leiter gedrängt, hausen hier in selbst gebastelten Verschlägen aus Karton- und Plastikresten, den so genannten "chabolas". An manchen Orten leben sechzig, achtzig oder mehr als hundert Personen in solchen Hüttensiedlungen, die sich auf verseuchtem Ödland neben wilden Mülldeponien oder in verlassenen Treibhäusern erstrecken. Andere übernachten in Lagerhallen, in denen Düngemittel und Pestizide aufbewahrt werden. Am besten haben es noch diejenigen, die zu mehreren Unterschlupf in einem "cortijo" finden, das sind halb verfallene Steinhütten oder kleine landwirtschaftlichen Gebäude, die von den spanischen Familienbetrieben aufgegeben wurden, als der Treibhaus-Boom einsetzte.
In 55 Prozent dieser Unterkünfte gibt es kein Trinkwasser, 57 Prozent verfügen weder über Toiletten noch Bad, 31 Prozent haben keinen elektrischen Strom.
Gleichzeitig stehen in El Ejido etwa dreitausendfünfhundert Wohnungen leer, im Nachbarort Roquetas de Mar an die sechstausend.
Es ist kein Geheimnis, wo die ArbeitsmigrantInnen leben. Sie werden unter der Bedingung geduldet, für die spanische Bevölkerung unsichtbar zu bleiben. Früh morgens gehen sie auf Arbeitssuche und kehren nach der Arbeit an ihre Schlafstätten zurück. Wenn sie ins Stadtzentrum gehen, riskieren sie, von der Polizei verhaftet und ausgewiesen oder Zielscheibe rassistischer Angriffe und Einschüchterungen zu werden. Es gibt kaum Lokale, wo sie sich treffen, entspannen und organisieren können. Ihre Kraft, hier durchzuhalten, lukreiert sich aus der gegenseitigen Solidarität und aus dem Traum, in Europa doch noch reich zu werden.

Samstag, 4. Februar 2006

"Super" - sagt nicht nur mein Gaumen

Bantam-Mais


Geniale Idee: Open Source statt Gentech-Mais

"Frisch, frech, fruchtbar, frei
Golden Bantam ist ein Süßmais für den frischen Verzehr. Seit 1902 begeistert er durch exzellenten Geschmack, goldene Farbe und gute Erträge.
Die Aktion Bantam Mais- bietet Ihnen die Möglichkeit, sich aktiv für eine gentechnikfreie Region und Nachbarschaft einzusetzen.
Das Saatgut für Bantam-Mais kommt aus biologisch-dynamischen Anbau und es wurde als gentechnikfrei getestet.
Alternativ zum Golden Bantam können Sie auch..."

Weiter bei: http://www.bantam-mais.de/
Gefunden bei: http://redblog.twoday.net/ am 3.2.

Donnerstag, 2. Februar 2006

Tamarillo (nicht Tamarinde)

Tamarillo
Auch Baumtomate wird sie genannt, dabei erinnert ihr Geschmack kaum an Tomaten. Wie eine große Eierpflaume sieht sie aus - und hat mit denen doch gar nichts zu tun.
Ursprünglich stammt sie aus dem Hochland von Peru, wird aber heute überall in den Tropen angebaut.
Man halbiert die frischen Früchte und löffelt sie aus. Das innere, wässrige Fruchtfleisch schmeckt köstlich mild säuerlich, ganz wenig süßlich, und dann ist da noch ein weiterer feiner Aromaanteil zu spüren. Früher habe ich mich darüber mokiert, wenn der Geschmack mancher Apfelsorten als „parfümiert“ bezeichnet wurde. Und nun möchte ich am liebsten diesen Begriff verwenden.
Zur Schale hin ist das Fruchtfleisch weniger saftig. Es bleibt weich, wird fast mehlig, und ein Bittergeschmack mischt sich ein. Direkt unter der (dünnen) Schale ist es am Bittersten.
Ich hab’ ja die Geschmacksqualität „bitter“ erst lernen müssen. Heute liebe ich sie, besonders beim Löwenzahn und würde sicher, bei regelmäßigem Verzehr, auch den Bitterstoff der Tamarillo schätzen lernen.
Gut vorstellbar übrigens, dass die Tamarillo bestens zum Verfeinern pikanter Soßen geeignet ist.
Leider wird sie, bei einem Stückpreis von 1,45 €, nur selten auf meinem Speisezettel zu finden sein.

Freitag, 27. Januar 2006

Pitahaya

Pita1
Aus den feucht warmen Tropen auf unseren winterlichen Tisch – die gelbe Pitahaya, oder Pitaya.
Fremdartig, aufregend klingt zum ersten Mal dieser Name in meinem Ohr, doch nicht beängstigend.
Was man von ihrer martialischen Erscheinung nicht sagen kann. Sie sieht aus und fühlt sich akkurat an, wie – eine Eierhandgranate. Eine gerüstete Frucht. Ihre lange spitzen Stacheln wurden aber bereits bei der Ernte entfernt.
Doch ihre Schale ist dünn, sogar weich. Der ovale Körper lässt sich mühelos der Länge nach aufschneiden. Grau-weißes, saftiges Fruchtfleisch wird sichtbar, mit vielen kleinen Kernen (die beim Essen nicht stören).
Erfrischend, mildaromatisch, süß – so beschreibt ein Händler ihren Geschmack. „Erfischend, unaufdringlich, nicht unangenehm“ – so das hohe Lob aus Mechthilds Mund, meiner mitkostenden Eheliebsten, deren Küche unverrückbar in schwerem westfälischen Grund ankert.
Ich nähere mich der offenen Frucht zunächst mit meiner Schnuppernase. In der Tat, ihr Duft ist mild, irgendwie nach frischem Grün und seeehr dezent, wie der einer gepflegten Frau. Meine Zunge berührt das feuchte, kühle Fleisch,... die ersten Geschmacksreize treffen meinen erstaunten Gaumen,...Bilder nehme ich wahr,...einen schnellen Film,...eine leichte Fülle, nie geahnte Farben der Reife; mit Dankbarkeit schmecke ich eine helle, sinnliche, zu Schönheit und feinem Genuß gerundete, andere Welt.

Schön ist es, zu Fremden auszufliegen.
Schön ist’s, Fremdes einzuheimsen.
Pita2

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