DDR-Stimmen

Mittwoch, 20. Juli 2011

Wie lernen Kinder Politik?

Wie werden wohl die Kinder und Jugendlichen, die kürzlich in Neukölln gegen die Schließung ihrer Einrichtungen protestierten, ihre Aktion erlebt haben und verarbeiten?
Sie werden doch eine Fülle unüblicher Erfahrungen gemacht haben. Angefangen bei den Informationen, vermutlich anfangs Gerüchten, über die vorgesehenen Schließungen, Gedanken und Gespräche darüber, daß man sich wehren müßte und wie das zu tun wäre, die Rolle von Erwachsenen/Vertrauenspersonen dabei, das Organisieren von Protest (Malen von Plakaten, Termine absprechen, Kumpels Bescheid sagen), das Protestieren selbst (das Gefühl von Stärke in der Menge oder das Gefühl von Schwäche? Euphorie, daß es auf einen selbst ankommt oder Angst, daß es auf einen selbst ankommt?), eine Art von Stagnation nach dem Herausschreien. Was kommt nun? Die schwer verständlichen Antworten "Der Politik", die Wahrnehmung der Polizei. Vorerfahrungen mit Polizei, der demonstrative bis brutale Zugriff von Zivilpolizisten, Traumatisierung unmittelbar Betroffener, die Erfahrung, Zeuge zu sein, der Streit mit Kumpels, die es anders gesehen haben. Sicher auch der Bezug zu anderen Kindern und Jugendlichen, die die ganze Aktion von vorne bis hinten blöd fanden usw usf. So und anders gärt es in den vielen kleinen "Sozialreaktoren", aus denen in zwei, drei, fünf Jahren Bewußtsein entspringt.

Wie ist es mir damals in der eigenen Kindheit ergangen bzw. wie erinnere ich heute, was damals geschah?
Als der Krieg zu Ende ging, war ich knapp fünf Jahre alt. Ich erlebte einige direkt durch den Krieg verursachte Szenen, die in mir Fremdheits-, Armuts- und Verlassenheitsgefühle auslösten sowie bald nach Kriegsende abenteuerlich-euphorisierende Eindrücke militärisch-technischer Macht und Herrlichkeit. In all diesen Fällen erlebte ich mich in Szenen, die ich erst viel später in mir dann verfügbare Begriffe von Krieg einordnete.

Das früheste politische Signal, mit dem ich mich auseinandersetzte, war eine riesengroße Losung: "Schluß mit der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen!" An ihr kam ich vorbei, wenn ich täglich nach der Schule unsere 15 Gänse zur Weide treiben mußte. Damals war ich schätzungsweise acht, neun Jahre alt (also die Jahre 1948, 1949), denn ich entzifferte die Losung selbständig und versuchte hinter ihren Sinn zu kommen. Entweder reimte ich mir den Sinn zusammen oder, was wahrscheinlicher ist, fragte ich meine Mutter danach. Jedenfalls blieb mir diese Losung als passabel im Gedächtnis und ich identifizierte mich irgendwie lose damit.
Wichtig in solchen und ähnlichen Fällen: Meine Eltern verhielten sich damals gegenüber den Anmutungen "der Neuen Zeit" mit einer zurückhaltenden/vorsichtigen Offenheit. Besonders mein Vater, alter Sozialdemokrat, hatte sich über die Jahre des Faschismus eine vorsichtige, illusionslose, illusionsarme, faschismuskritische Haltung bewahrt (ohne antifaschistisch-kämpferisch zu sein). Andere Signale, solche, die hätten beunruhigen oder verwirren können - SS-Männer auf der Flucht, die von meiner Oma Zivilkleidung erbaten und nach hinten über den Hof hinaus verschwanden oder Herr Hildebrandt, der verhaftet wurde oder die Angst meines Vaters noch ca. 1947 als Fachmann (Bau-Ingenieur) nach Rußland deportiert zu werden. (Er war nie Soldat gewesen.) - solche Signale versuchten unsere Eltern vor uns zu verstecken.

So erlebte ich ein bruchloses, grundsätzlich harmonisches Hineinwachsen in die "Neue Zeit"; was nicht heißt widerspruchsfrei oder schmerzfrei. Mit etwa 10 Jahren (ca. 1950) war ich z. B. höchst erpicht auf das "Abzeichen für gutes Lernen" (Das war nicht identisch mit dem "Abzeichen für gutes Wissen".) Es wurde damals selten vergeben, vielleicht nur ein- oder zweimal pro Schuljahr und Klasse. Als zumindest Klassenzweiter war ich nun "dran", rechnete fest damit. Doch in der Feierstunde erhielt das Abzeichen - mein Freund Jochen. Ihm mißgönnte ich es zwar nicht, trotzdem war es ungerecht. Dann stellte sich auch noch heraus, daß unser Klassenlehrer, Herr Grohmann, (ein wegen Suff aus dem Kirchendienst entlassener Pfarrer, der nun Deutschlehrer war) mich nicht vorgeschlagen hatte, weil er davon ausging, daß ich nicht Mitglied der "Jungen Pioniere" sei, was aber gar nicht stimmte! Ich war untröstlich.

Die individuelle Bewußtseinsentwicklung vollzieht sich in einem vorgegebenen Rahmen, der selbständig angeeignet und persönlich modifiziert (oder verworfen!) wird. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrfach auf einer Stufenleiter im Verlaufe der Persönlichkeitsentwicklung. Was mich betrifft, kann ich derartige Persönlichkeitsstufungen ("Knotenlinie von Maßverhältnissen"!) in diesen Altersphasen erkennen (die zugleich mehr oder weniger mit herausgehobenen sozialen Situationen/Ereignissen zusammenfallen):
- 8-10 Jahre alt,
- 13-18 Jahre alt,
- 27-30 Jahre alt,
- 45-50 Jahre alt,
- 55-60 Jahre alt,
- 65-70 Jahre alt.
Erstaunlicherweise scheint sich hier eine wachsende Dynamik der Persönlichkeit im Alter abzubilden.

Mir schien immer, daß Lucien Seves Begriff der "Individualitätsformen" geeignet ist, solche Prozesse aus marxistischer Sicht besser zu fassen. (Sein Buch kann man mit Mühe antiquarisch finden.) Irene Dölling hat das frühzeitig ebenso gesehen. Die Kritische Psychologie hat interessante Beiträge geliefert und den Blick geweitet. Ich war leider zu schwach, dazu ernsthaft theoretisch zu arbeiten.
Versäumt.
Doch die Fragen kommen zurück.
Dafür lassen sich erfreulich viele Belege finden hier, hier, hier, hier und an vielen anderen Stellen.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Täve

„Der Wessi“ weiß es nicht und wird es nie verstehen.
Wenn unsereins von Täve spricht.
Wir haben ihn bewundert und geliebt.
Unvergeßlich die Weltmeisterschaft 1960 auf dem Sachsenring als er ein sportliches Husarenstück vollbrachte und zugleich ein noch größeres Beispiel seiner menschlichen Qualität gab.
Heute wird er 80.
Das Bild zeigt ihn 1955 mit Jan Vesely, dem anderen „Giganten der Friedensfahrt“. Täve hatte damals seine größten Erfolge noch vor sich.

Täve

Donnerstag, 4. November 2010

Update Lothar Kühne

Hier habe ich einen weiteren Artikel von Werner Röhr gefunden (aus dem Jahre 2001), der Lothar Kühnes Bedeutung umreißt.

Interessant war der Weg zu diesem Artikel:
Mit den Google-Suchergebnissen zu L. K. war ich nämlich absolut unzufrieden. Nun stieß ich auf die neue Suchmaschine "Blekko", hab' sie ausprobiert und -
bin ganz angetan.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Nachtgedanke

Es geht um die entschiedenste Verteidigung der DDR.
Natürlich nicht um eine blinde, sondern eine kenntnisreiche Verteidigung.
Die sich einbettet in den (mit aller Verantwortlichkeit) gewünschten weiteren Gang.

Lothar Kühne-Lektüre

Die bekanntesten Veröffentlichungen Lothar Kühns in der DDR waren „Gegenstand und Raum“, 1981 und „Haus und landschaft“,1985, beide in der Fundus-Reihe des VEB Verlag der Kunst Dresden. Übrigens jeweils zum Preis von 4,80 Mark.

Hier ein kurzer Textauszug aus (meinem Exemplar, wie die Spuren verraten) „Haus und Landschaft“, S.55 zum Ornament und einer (S. 175.) zu Raum und Formgestaltung.

Lother Kühne1

Lothar Kühne 2

Und noch ein Auszug aus einer kenntnisreichen Rezension von Werner Röhr anlässlich des Erscheinens des Sammelbandes „In memoriam Lothar Kühne“, Edition Berliner Debatte, 1993.
Lothar Kühne 2

Montag, 25. Oktober 2010

Lothar Kühne

Vor 25 Jahren verübte Lother Kühne Selbstmord. Er war einer der anregendsten Philosophen der DDR.
Ich wurde durch den Artikel "Das Ornament ist tot, es lebe das Ornament!" bei Heise an ihn erinnert, denn seine Polemik gegen eine "Ästhetik des Ornaments" hat sich mir unauslöschlich eingeprägt.
Wikipedia kennt Lother Kühne nicht.
Im Weltfilter und auch beim Küchenphilosophen kann man ein wenig über Lother Kühne finden.

Montag, 26. Juli 2010

Die Gedanken gehen ihre eigenen, manchmal verschlungenen Wege. Um Erlaubnis ersuchen sie nicht.

Gaby Weber, die zu Eichmann recherchiert, erhielt vom BND die Auskunft, dass man wohl 4500 Blatt, später sagte man 3400 Blatt, zum Fall Eichmann in Argentinien und zur nuklearen Zusammenarbeit der Bundesrepublik, Argentiniens und Israels habe. Diese Vorgänge, die jetzt mehr als 50 Jahre zurückliegen, bleiben aber weiter geheim, weil ihre Offenlegung „eine Gefahr für die Bundesrepublik Deutschland“ darstellen könnte.
Mir leuchtet das ein. Zwar dürften die beteiligten Personen mausetot sein. Mehr oder weniger quicklebendig sind aber diverse Institutionen. Und ihre jeweilige „Räson“ ist zu schützen.
Es wäre doch mehr als peinlich, wenn jetzt eine Abrechnung ans Licht käme, welche Summen der westdeutsche Staat gezahlt hat, um seine unersetzlichen Altnazis vor Entdeckung und Strafverfolgung zu schützen.

Andere Institutionen, deren perfekte Geheimhaltung wir bewundern dürfen, sind die christlichen Kirchen. Nur kurz erinnert sei an die „Rattenlinie“ nach Südamerika in der Nachkriegszeit.
Die ewige Ecclesia wird sich nicht mit popligen Jahrzehnten herumschlagen. Einmal geheim, immer geheim.

Kaum verwundern dürfte es, dass so mancher Christ und erst recht christliche Funktionär zu den liebsten Kunden der Stasi zählte. Gewiß nicht alle freiwillig.
Nicht alle.
Und warum nur der Stasi?

Doch mit Geheimwissen DIESER Art, diesem Grundübel, sei nun Schluß. Die christliche Gauck-Birthler-Behörde ruhet und rastet nicht. Die Opfer der „Stasikrake“ erstrahlen in hellem Licht, Bösewichte und schillernde Figuren werden enttarnt und der Verachtung preisgegeben. So wird ein berüchtigter „roter Kasner“ aus der ländlichen Idylle aufgescheucht ins „Haus des Volkes“ gezerrt und seiner schlimmsten Demütigung unterzogen.
Ein Medientornado bricht über den Schändlichen herein. Frau und Kinder, Oh Bitternis! werden geschmäht. Die saubere Republik triumphiert.

Oder habe ich das nur geträumt? Vielleicht ist der „rote Kasner“ ja nur ein Knochen, den ein als Biograf fungierender Prof der Meute hingeworfen hat?
Hörstel spricht nebulös von einer „schillernden Familienhistorie“ mit Fragen über „geheimdienstliche Anbindungen“.
Nein, das man den „roten Kasner“ als „schwarzen Schläfer“ bezeichnen sollte, das scheint mir unpassend. Eine Schlafmütze war DER nie. Mir ist es interessant genug, dass er die einzige Person der Zeitgeschichte ist (behaupte ich mal frech) von der die Google-Bildersuche ganze drei Fotos liefert. Alles Übrige würden die Qualitätsjournalisten, Investigativjournalisten, auf deutsch: Enthüllungsjournalisten herausfinden.

„Hello Darkness My Old Friend…“

Freitag, 9. Juli 2010

willkürliche Geschichtsbetrachtung

Im Jahre 9 haben sie gegen die Römer gesiegt. Weil sie sich auch mit deren Zivilisation auskannten.
Obwohl viel Sumpf, war dennoch etwas Hoffnung.

Eine Geschichtssekunde lang schien es, als würde Theoderich, vielleicht auch Totilla, aus Nord und Süd etwas Neues formen.

Wenig später die Nibelungen sind im Heroismus der Finsternis versunken.

Die Bauern 1000 Jahre weiter haben es gewagt. Im Bundschuh und unter der Regenbogenfahne.

Danach gab es im Zweifel nur Eines: Faschismus.
Ja doch, viel mehr haben die Anderen auch nicht zustande gebracht.

Doch es gibt Ausnahmen. So haben sie uns dies Bild durch die Jahrtausende geschickt...
minoisch

...und NICHT EINE Darstellung von Krieg oder auch nur Waffen.

Montag, 7. Juni 2010

Kennzeichen J

Angeregt durch diesen Kommentar der Eule, habe ich eines meiner wichtigen Geschichtsbücher wieder zur Hand genommen. "Kennzeichen J", aus dem VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften in Berlin, erstmals erschienen 1966. Meine Ausgabe ist von 1981 und kostete 28,-Mark.
Die Benutzungsspuren sind unübersehbar.

Es gibt wenige Fotografien, die mich so berühren, wie das Bild auf dem Rücktitel.

Kennzeichen J 1

Kennzeichen J 2

Kennzeichen J 3

Freitag, 16. April 2010

..., Daß nie eine Mutter mehr...

Auferstanden aus Ruinen
Und der Zukunft zugewandt,
Laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.

Wenn wir brüderlich uns einen,
Schlagen wir des Volkes Feind!
Laßt das Licht des Friedens scheinen,
Daß nie eine Mutter mehr
Ihren Sohn beweint.



Deutsches Volkslied,
Mitte des 20. Jahrhunderts,
Textdichter und Komponist bekannt.

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