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DDR-Stimmen

Montag, 9. November 2009

Eigentum

Jeder Mensch möchte Eigentum.
In seinem Sein möchte er sicher sein.
Er möchte tätig sein; in der ihm angemessenen Weise, so daß er darin und danach Befriedigung verspürt.
Das heißt Stoffwechsel des Menschen mit dem, was ihn umgibt; Wechsel, Austausch materieller, wie ideeller Stoffe.

Ein Individuum mag alles nach seinem Willen angreifen, festhalten, aneignen. Das nennt es seine Freiheit.
Der Erfolg des Aneignenden ist die Beraubtheit des Angeeigneten.
Unmengen verzehrt der große Aneigner, am Ende Alles. (Einer seiner Namen ist Krebs.)

Ein anderes Individuum nimmt sich die Freiheit, auf das Eigentum des Gegenübers zu achten. Es muß Schranken nicht niederreißen, sondern erfährt sie, begreift sie; vielleicht baut man sie gemeinsam um.

Auf dem, was ödes Land war, schwitzen Gärtnersfrau und Gärtnersmann, und gegen Abend ernten sie Trauben.

Freitag, 6. November 2009

unzeitgemäße Betrachtungen

Die Thesen, die ich vor zwanzig Jahren geschrieben habe, mit denen ich damals beitragen wollte zu einem erneuerten Leben der DDR, meines sozialistischen Landes, diese Thesen kommen mir heute vor, wie aus einer anderen Welt, wie aus einer vor Äonen untergegangenen Epoche. So etwas von erledigt.

Doch halt: Seit Wochen, seit Monaten dreht es im Dauerwaschgang:
So erledigt! So etwas von erledigt! ABER SO ETWAS VON ABSOLUT ERLEDIGT!
Der Dümmste muß auf die Idee kommen, daß da ein Schmuddelfleck ist, der geht einfach nicht 'raus!

Ich erinnere mich:
Die "Alteigentümer" (Das Wort hatten wir damals nicht.) haben ihre Besitztitel sorgfältig aufgehoben - 40 Jahre lang.
Krause lachte über Krupp und arbeitete seit Jahrzehnten im eigenen Werk, VEB Ernst Thälmann Werk Magdeburg (ETW). Doch plötzlich hatten die alten Papiere wieder füchterliche Gewalt, und 40 Jahre Leben waren anscheinend für die Katz.
Ich denke, wenn die großen und kleinen Krupps so stur an einer Zukunft festhielten, warum sollte ich dann nicht,...

1990 schien alles, was sich Sozialismus nannte, in Staub zu fallen. Heute, 20 Jahre später steht plötzlich (zur heillosen Verwunderung besonders derjenigen, die sich "links" nennen) die Verstaatlichung von Banken auf der Tagesordnung. Wer garantiert, daß in 20 Jahren nicht die Revolution auf der Tagesordnung steht?

Ach, sollen sich die Nachgeborenen mit derlei Fragen herumschlagen. Mein Teil soll es sein, zu bezeugen -
Ja, wir wollten einen erneuerten Sozialismus.
(Genau genommen, unser eigener Gesellschaftszustand war uns unerträglich geworden, aber wir hatten einige realistische Ideen, um das zu verändern (und langsam wuchs auch der Mut).
Nein, wir hatten alle partout nichts mit immer mehr Schwertern im Sinn.
Und Keiner hat die Milliardäre vermißt.
Und Keiner beteuerte zionistischen Extremisten die Blutsbrüderschaft.
Nein, es gab durchaus keinen Zwangslauf, kein wundersam vorherbestimmtes historisches Entwicklungsziel -
Einiges kapitalistisches Deutschland ungerufen mit Hightech am Hindukusch.

Ein Zeugnis sollen die Thesen sein, die ich am 27.10.1989 dem ZK meiner Partei übergeben habe.
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Mittwoch, 4. November 2009

Vor 20 Jahren in Berlin

demo 4.11.-4

demo 4.11.-5

Mehr bei tageundjahre.de

Montag, 19. Oktober 2009

Irgendwo hakt es immer

Entweder bei opablog oder bei tageundjahre.
Beide Blogs mit gleicher Intensität zu "füttern", will mir nicht gelingen.

(Also, liebe Leserin, lieber Leser, wenn Sie jetzt vermuten, daß auf tageundjahre allerhand Neues (Hochinteressantes) zu finden ist, rede ich Ihnen das nicht aus. ;-))

Samstag, 17. Oktober 2009

Neues Denken

Als vor 25 Jahren die Endkrise des Realsozialismus begann, spielten Begriffe, wie "Perestroika" und "Glasnost" eine zentrale Rolle; zunehmend damals auch die Formulierung "neues Denken".
Heute sind diese Begriffe vor allem mit dem Partei- und Regierungschef Gorbatschow verbunden. Nicht Wenige rechnen mit "Gorbi" gnadenlos ab und bezichtigen ihn des mehr oder weniger bewußten Verrats am Sozialismus.
Es liegt mir fern, für Gorbi zu eifern. Wer sich in Strickjackendiplomatie mit Helmut Kohl gefällt und von Jelzin abservieren läßt, landet am Ende zu Recht bei den üblichen Preisverleihungsevents und Talkrunden.

Doch beim Wiederlesen damaliger Aufzeichnungen (z. B. hier) wird mir nicht nur erneut gegenwärtig, welche Hoffnungen mit dem "neuen Denken" verbunden waren. Heute, unter dem Eindruck der sich vertiefenden Finanz- und Wirtschaftskrise des kapitalistischen Systems und noch mehr unter dem Eindruck des augenscheinlich unaufhaltsamen Abgleitens der Menschheit in ihre Zivilisationskrise, steht vor uns allen die Notwendigkeit eines ganz Neuen Denkens gebieterischer denn je.

Die frühen Versuche, mit neuem Denken eine neue Politik zu begründen, mögen dilletantisch gewesen sein.
Überflüssig waren sie nicht.
Abgegolten sind sie nicht.
Aufgehoben sind sie nicht.

Freitag, 16. Oktober 2009

Vor 20 Jahren

Im Sommer 1989 hat sich der Historiker Kurt Pätzold mit Ossietzkys Faschismusanalyse befaßt. Im Heft 31/89 der "Weltbühne" (die Ossietzky langjährig geleitet hatte, die nach Jahren des Exils in der DDR ihren Standort hatte, nach 1989 kaputt gemacht wurde und heute unter dem Namen "Ossietzky" weitergeführt wird) erschien ein Auszug aus einem im Juni 89 gehaltenen Vortrag. Diesen Auszug habe ich hier online gestellt, denn er ist aktuell.
Pätzold hob hervor, daß Ossietzky den sozialen Urgrund des Faschismus klar benannte. Es ist die bürgerliche Gesellschaft, die in eine chronische Krise eingetreten ist. Es ist eine Illusion, sagt Ossietzky, den Faschismus "abzuwehren", wenn man ihn nicht "auf seinem eigenen sozialen Terrain" angreift. Parallelen zur Jetztzeit genug.
Ein weiterer Aspekt:
O. hat den Faschismus keineswegs mit Hitler und der NSDAP gleichgesetzt. Faschismus gilt ihm als einen breitere soziale, politische und geistige Erscheinung, die in den verschiedensten Institutionen und Personen, in Verlagen und deren Erzeugnissen, in staatlichen Maßnahmen auf die verschiedenste Weise aktiv ist.
Es ging ihm um den gewöhnlichen, alltäglichen Faschismus, den, der in den Bürokratenstuben klebt und über den Stammtischen wabert, bis zu seinen Spuren in den Küchengesprächen und den Spielen der Kinder.
Ich fürchte, wir heute, fixiert auf die späteren monströsen Verbrechen des Faschismus, sind in der Gefahr, seine alltäglichen Formen, seine zufälligen Anfänge, seine "Probeläufe" nicht ernst genug zu nehmen.
Viele sind sensibilisiert für die schlimmsten faschistischen Verbrechen, manchmal sogar nur für bestimmte dieser Verbrechen (die als "Holocaust" bezeichneten) und zugleich wenig empfindlich dafür, wenn Politiker, hohe Staatsfunktionäre demonstrativ ihr "Recht" behaupten, menschenverachtende Meinungen zu verkünden.
Sarrazin spricht Kreisen des Volkes aus der Seele. Kein Zweifel, dort liegt "soziales Terrain" für einen "modernen" Faschismus, und der Bundesbankster zögert nicht, es zu pflegen.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Republikgeburtstag

Republikgeburtstag

Irgendwann Ende der 70-er Jahre - ich war bereits Grafiksammler - hatte ich den Einfall, daß eigentlich auch Fotografien wert seien, gesammelt zu werden; als Kunstwerke, als Zeitdokumente.

Aus dieser Zeit stammt diese Fotografie, die, soweit ich mich erinnere, im "Neuen Deutschland" veröffentlicht worden war. Sie hat mich angesprochen. Ich nahm Kontakt auf zu der Zeitung, zu dem Fotografen (dessen Namen ich nicht mehr weiß) und kaufte das Bild wie eine Grafik.

Immer habe ich in diesem Bild eine zu Herzen gehende einfache Schönheit und Wahrheit gesehen.

Donnerstag, 20. August 2009

deutsch sein

Es fängt irgendwie an mit Siegfried und Krimhild und Hagen von Tronje.
Aber eigentlich ist das Mär, aufgeschrieben Jahrhunderte nach den angeblichen Ereignissen. Vielleicht ist es das, was wir bestens kennen - Ideologie nach den Schlachten.

Die ersten wirklichen Zeichen von Deutschsein sind mir aus dem 12./13. Jahrhundert vertraut. Walther von der Vogelweide, ein ganzer Kerl, der Dom von Naumburg, ein mächtiges UND schönes Bauwerk inmitten nun kultivierten Landes. Ja, auch den Till Eulenspiegel sehe ich in dieser Reihe - Sterne, die durch die Jahrhunderte strahlen.

200 Jahre weiter. Große Kämpfe reifen heran. Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, gibt seins dazu und Hans Böhm, das Pfeiferhänslein von Niklashausen.
Dann 1525 der Große Deutsche Bauernkrieg, schon frühbürgerliche Revolution und noch Wirken der alten freien Dorfgemeinde. Die revolutionären Bauern, die besten Vertreter des Geisteslebens an ihrer Seite - so sehen bis heute die schönsten Bilder aus deutscher Geschichte aus.

drei Bauern

Es ist der größte Aufbruch des deutschen Volkes, und es ist seine bitterste und niemals getilgte Niederlage. Im Eisenkäfig an der Kirchturmspitze das zermarterte Fleisch des Wiedertäufers - dieses Mal brennen die deutschen Herren mit ihren willigen Helfern dem deutschen Volk ins Herz, bis auf den heutigen Tag.

Die Revolution wurde gebrochen, ihr bloßes Andenken in die unterste Schicht des Unbewußten gedrängt. Der Deutsche sucht sich fortan zu behaupten im kleinen Geviert oder im Traum, nicht Wenige im untertänigen Dienst, die Letzten in Haß und Selbsthaß.
Den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges hat er wenig entgegenzusetzen. Die Mütter, bekanntlich, bringen es gerade noch zur "Courage". In Europa ringsum erblühen Nationen, der Riese in seiner Mitte liegt in hunderten Fesseln.
Soviel Eichbäume, soviel Schweinemast. Soviel Fleiß der Leute, soviel Herrenlast.

Das Stöhnen regt die besten Geister auf, Zeugen, wie Grimmelshausen, Denker, wie Kant. Meister der Künste und der Philosophie lernen es, (auf schmalem Grund) mit klarer, weittönender Stimme zu sprechen. Stimmen eines Volkes, dessen Daseinsweise das Schweigen ist, das Murmeln und Stammeln (und immer der Bienenfleiß).

Mitte des 19. Jahhunderts. Die Große Revolution der Franzosen hat die Welt belehrt. Das Kommunistische Manifest leitet - wie wir glauben wollen - die "kopernikanische Wende" des gesellschaftlichen Denkens und Handelns ein. Deutsche marschieren in den ersten Reihen.

Marschieren? Marschieren!
Aber immer weiter: Denken lassen! Was "erwacht" da?
Die Herren und ihr schrecklicher Untertan schwingen sich zu monströsem Leben auf.
Am Ende heißt "deutsch sein" - im Zentrum der Schande zu leben.

Da leben wir nun seit Jahrzehnten. Und sind stolz. Und leben inzwischen gemeinsam mit so vielen anderen Stolzen.
Und lassen es uns den langen Tag gut gehen.

Montag, 6. Juli 2009

Vor 20 Jahren

Wir haben ein Gedenkjahr. Ich lese meine Tagebücher wieder, die ich vor 20 Jahren geschrieben habe. Noch mehr: ich veröffentliche sie seit geraumer Zeit auf meinem Zweitblog "tageundjahre". Dabei erlebe ich gerade in diesen Tagen manche Überraschung oder sogar Lehre.
Es ist doch erstaunlich, wie leicht die Vergangeheit durch die Erinnerung gefiltert und schöngemalt wird. Wenn ich mich den damaligen, unverstellten Texten aussetze, ist mir die ganze Ausweglosigkeit wieder gegenwärtig. Diese durchgängige Unfähigkeit und Hoffahrt der eigenen politischen Führung, die einen aufrichtigen und engagierten Genossen, wie mich, immer wieder enttäuschte und zunehmend erbitterte. Ja, Erbitterung! In schnell wachsendem Tempo lief alles auf eine Kollision zu, mußte man diese Kollision wünschen, weil tatsächlich alle anderen Wege verschlossen wurden. Die kommende Kollision habe ich nie anders als mit Hoffnungen für eine Erneuerung des Sozialismus der DDR verbunden. Das waren, wie ich heute sehe, Träume, Schäume, die einen elementaren Prozess begleiteten ("wie Korken, die auf den Wellen tanzten"). Wie dieser elementare Lebensprozess des Volkes bzw. der entscheidenden Klassen in Deutschland sich wirklich vollzieht, das habe ich überhaupt nicht begriffen. Damals nicht. Und wohl auch heute nicht. Heute immerhin gibt's die eigene Erfahrung, daß in der menschlichen Gesellschaft elemetare Kräfte wirken und eine Ahnung, wie das sein könnte...

Montag, 22. Juni 2009

Gerhard Gundermann

"Gras"


Gerhard Gundermann (21.2.1955 - 21.6.1998)

"Es kommt der Tag"

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Danke
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j.a.h (Gast) - 2009/11/17 19:10
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