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DDR-Stimmen

Montag, 4. Februar 2008

Mit Halbwahrheiten in der Defensive

Im Bemühen, ein wahres Bild der DDR zu zeichnen, festzuhalten, zu erfinden – wie auch immer – („DDR-Stimmen“) betrachtete ich kürzlich zwei Ausgaben der Zeitschrift „RotFuchs“, die im Untertitel „Tribüne für Kommunisten und Sozialisten in Deutschland“ heißt.
Ich werde den Teufel tun und mich nach dieser Stippvisite bereits auf eine Wertung des „R.F.“ einlassen. Nur ein paar Bemerkungen zu einem Artikel.
In Nr. 119 vom Dezember 2007 befaßt sich Hans Reichelt mit der Frage: „Hat Adenauer wirklich die Kriegsgefangenen aus Rußland heimgeholt?“
Er will beweisen, daß bereits vor dem Besuch des westdeutschen Bundeskanzlers 1955 in Moskau in Absprache mit der DDR-Führung alles entschieden war.
Der Artikel teilt zwar Wissenswertes mit, bzw. ruft einige Fakten in Erinnerung. Zugleich aber begnügt er sich mit Teilinformationen und Halbwahrheiten, läßt offensichtliche Widersprüche im Raum stehen, vermeidet Schlußfolgerungen, die sich dem Leser heute aufdrängen.
So fühle ich mich wieder mit dem altbekannten Stil unserer SED-Propaganda konfrontiert: Von oben herab – Tunnelblick - Fehler oder Unfähigkeit der eigenen Seite unter den Teppich kehrend – Tatsachen umdeutend oder überinterpretierend – den Leser unbefriedigt zurücklassend.

Ich wußte nicht, daß 1945 etwa 11 Millionen Angehörige der Hitlerwehrmacht und Waffen-SS interniert wurden, acht Millionen von den Westmächten, rund drei Millionen durch die Sowjetarmee.
Anfang 1950 meldete TASS die Rückführung der letzten 17.000 Kriegsgefangenen und daß sich in der Sowjetunion nun nur noch etwa 35.000 wegen Nazi- und Kriegsverbrechen Verurteilte befänden.
Ohne Kommentar teilt Reichelt mit, daß Adenauer die Freilassung von 90.000 namentlich bekannter Personen verlangt habe. Hatte also TASS gelogen? Oder hatte Adenauer 55.000 Namen erfunden? Es kamen schließlich etwa 30.000 frei (was sich hier findet, von Reichelt aber nicht erwähnt wird).

Reichelt stellt im Einzelnen dar, daß Chruschtschow im Juni 1955 in Erwartung des Besuchs und der avisierten Forderungen Adenauers die DDR Führung einlud „diese Frage mit Ihnen vor den Verhandlungen mit Adenauer (zu) erörtern“, worauf am 31.8. 1955 Wilhelm Pieck einen entsprechenden Brief schrieb.
Was anderes beweist er damit, als daß tatsächlich Adenauer die treibende Kraft dieser Freilassung war und die sowjetischen und deutschen Genossen nur einen kläglichen Versuch machten, dem Bundeskanzler die Schau zu stehlen.
Völlig unbefriedigend ist der Verzicht auf eine historisch-politische Wertung der Frage der deutschen Kriegsgefangenen. Sie kann doch vermutlich nicht von der Frage der sowjetischen Kriegsgefangenen in Deutschland losgelöst werden. Keine Frage wert ist es dem Verfasser, welche Art(en) Gefangene die 30.000 im Jahr 1955 noch in der UdSSR Inhaftierten waren.

Welche Fehler haben die sowjetischen und deutschen regierenden Kommunisten bei der Behandlung faschistischer Kriegsverbrecher begangen, daß diese zu unbescholtenen, bedauernswerten Mitbürgern oder gar zu den heimlichen Helden der neuen deutschen Demokratie werden konnten?

Donnerstag, 22. November 2007

altes Wissen - neu bedacht

In meinem Tagebuch von 1982 finde ich eine Bemerkung zur Kaderarbeit im MSAB (Ministerium für Schwermaschinen- und Anlagenbau), also in einem der Fachministerien - nichts Besonderes, ein alltäglicher kritischer Blick mit dem Bemühen um Differenzierung.
Ich beobachte, den alltäglichen Formalismus und Bürokratismus vor Augen, daß im Handeln auch moralische Werte, sozialistische Ideale eine Rolle spielen. Es war mir damals wichtig, solche empirischen Momente festzuhalten. Wie viel mehr ist es das heute. Die feinen geistigen Fäden zwischen Menschen werden so leicht übersehen und gehen verloren. Erst recht nach dem Umsturz der Verhältnisse. Betonbauten, Stahlkonstruktionen setzen der Vernichtung spürbaren (vergeblichen) Widerstand entgegen. Das Wirken von Idealen, das die Menschen erhöht hat, wird einfach unwirklich, verflüchtigt sich zum Phantom. („Es war gar kein Junge da.“ - wie es in Gorkis Roman „Klim Samgin“ heißt)
Meine Unzufriedenheit drückt sich in dem Satz aus: „Laßt die Jungen Verantwortung tragen!“ Da drückt sich keineswegs ein heftiges, kämpferisches Verlangen aus. Eher geht es da um das Gefühl, daß „das Leben seinen Gang geht“, daß „die Zeit mit uns ist“, daß einmal „die Alten doch ihren Platz räumen“ müssen. „So ist das Leben“ - war eine der beliebtesten Floskeln. Nach den Überanstrengungen der Gründungsjahre schien es jetzt angebracht, „die Zeit arbeiten zu lassen“ oder zumindest angepaßt an ihren Rhythmus zu arbeiten. Daß die Zeit ein erbarmungsloser Wettlauf war, war aus dem Alltagsbewußtsein verschwunden. Eine fatale Fehlsicht, und doch will mir scheinen, daß es einen Sinn hat, dem eigenen Maß, dem eigenen Tempo des Menschenlebens nachzuspüren.
In meinem damaligen Eintrag (und genauso in späteren) findet sich nicht die Spur einer Ahnung, daß wenige Jahre später dieses ganze Leben null und nichtig sein würde. Es schien ohne jede Frage für alle Zukunft gemacht. Die Frage nach Macht und Sicherheit schien ein- für allemal beantwortet. Des Gedankens, daß Machtfragen täglich, mikroskopisch, millionenfach gestellt und entschieden wurden, war ich völlig entwöhnt. Die Machtfrage war ein Abstraktum, für das Andere zuständig waren.
Ja, es war der Zustand einer merkwürdigen Wachheit bei zugleich in Kauf genommener Entmündigung.

Montag, 12. November 2007

Als die DDR noch lebte ... wußte man manches besser

Aus aktuellem Anlass habe ich in einer Broschüre geblättert, die mir die Eule dankenswerterweise kopiert hat: "Der Alltag in der DDR" Realitäten - Argumente, Herausgegeben von der Friedrich Ebert-Stiftung Bonn 1983.

So z. B. fragen heute Ideologie-Soziologen, um zu messen, welchen Grad der Wirklichkeitsverzerrung punkto DDR 16-jährige Schüler verinnerlicht haben:
In welchem Grad stimmen Sie Aussagen zu, wie
"16. Ich finde es gut, dass in der DDR sich der Staat um alle Bürger kümmerte, auch wenn dadurch der Einzelne weniger Freiheit hatte."
Oder
"41. Es ist besser, in Freiheit zu leben als - wie in der DDR - vom Staat rundum versorgt zu werden."

In der erwähnten Broschüre, Seine 15/16, wird die Versorgung in der DDR erläutert. Man macht es sich nicht so leicht, nur auf die vielen Versorgungsmängel hinzuweisen, sondern erklärt sachlich die sogenannte "öffentliche Versorgung", auf die es sogar einen Rechtsanspruch gab. (Daß dieses Recht im "Gesetzbuch der Arbeit" verankert war, war mir, obwohl ich es jahrzehntelang genossen habe, völlig entfallen.)
Ebertstiftung2
Ebertstiftung3

Ja, es gab sogar einen entsprechenden Rechtsanspruch der Rentner:

Ebertstiftung4
Ebertstiftung5

Nochmal ausdrücklich: Die Quelle der abgebildeten Texte ist die o.g. Broschüre.

Samstag, 10. November 2007

Das zähe Überleben der DDR

Westerwelle kämpft damit.
SPON schlägt Alarm:
"So extreme Ergebnisse hatten die Forscher nicht erwartet: Die SED-Diktatur als Sozialidyll, als Kinder- und Umweltparadies. Experten haben Berliner Schüler zu DDR und BRD befragt - die erschütternden Ergebnisse lassen für sie nur einen Schluss zu: Deutschlands Jugend braucht dringend mehr Aufklärung."
Das haben sie nun 15 Jahre lang ihren Delegitimierungsauftrag erfüllt, haben die Wahrheit verschwiegen und verbogen und versteckt, und noch immer sind nicht alle Köpfe gewaschen.
Ein hoher Prozentsatz der Berliner 16-Jährigen, knapp die Hälfte, ist skeptisch gegenüber den verordneten Pauschalurteilen über die DDR.
60% sogar schätzen die Arbeitsplatzgarantie, die es in der DDR gab. Unerhört!
Und die Stasi, bekanntlich des Teufels Geheime persönlich, halten 30% für einen mehr oder weniger normalen Geheimdienst.

Wie aus der Studie selbst hervorgeht, haben nicht wenige der in Begleitgesprächen befragten Lehrer den Forschern Hinweise gegeben, wie die Untersuchung differenzierter, problemorientierter gestaltet werden könnte. Solches aber, etwa gar den eigenen Forschungsansatz zu überprüfen, das liegt Prof. Klaus Schroeder und seinen Mitkämpfern vom Forschungsverbund SED-Staat fern.
Die "Gefahr", daß die Ergebnisse weniger "erschütternd" wirken (und weniger medienträchtig) suchte man wohl um jeden Preis zu vermeiden.

Hier beschreibt eine Rostockerin, jenseits aller ideologischen Gräben, was der Mauerfall für sie bedeutete.

Freitag, 2. November 2007

Wer betreibt die DDR-Erinnerung?

Nein, nicht unter diesem Titel hat die Bundeszentrale für politische Bildung eine Debatte aus dem vorigen Jahr dokumentiert. Der Band 619 ihrer Schriftenreihe (Bonn 2007) sieht so aus:

Band-619

Im Frühjahr 2005 berief die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, Christina Weiss, eine Expertenkommission, die „ein Konzept für einen dezentral organisierten Geschichtsverbund zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ vorlegen sollte. Die zehn „namhafte(n) Fachleute mit besonderen Kenntnissen über die Funktionsweise der SED-Diktatur“ tagten etwa 22-mal im Plenum, befragten per Fragebogen mehr als vierzig „Einrichtungen der DDR-Aufarbeitung“ und holten in mehr als 35 Fällen den „Rat profilierter Fachleute ein“. Im Mai 2006 legten sie ihre Empfehlungen vor. Zu diesen fand am 6.6.2007 eine öffentliche Anhörung statt.
Der Band verzeichnet 44 Kurzbiografien von Kommissionsmitgliedern und Interventen des öffentlichen Hearings.
Von diesen „Spezialisten für DDR-Aufarbeitung“ sind 17 Wessis, alle Akademiker und 27 Ossis (Einige von Letzteren mit mehrjähriger Westkarriere vor 1989).
Von den 27 Ossis waren 26 oppositionell eingestellt, spätestens ab 1989/90. Einer war damals noch zu jung.
12 von ihnen waren in irgendeiner Weise verfolgt oder gemaßregelt, sechs waren in Haft, einige mehrfach.
Mehr als 20 von den 27 Ossis sind Akademiker, 14 von ihnen aus dem kirchlichen Bereich.
24 von den 27 haben im vereinigten Deutschland eine politische bzw. berufliche Karriere auf dem Feld der DDR-Aufarbeitung gemacht.

Es liegt mir fern, solchen Leuten das Recht abzusprechen, ihre DDR-Erinnerungen auszubreiten. Zweifellos sind ihre Erfahrungen und also auch Erinnerungen von großem Gewicht, um unser gelebtes Leben tiefer zu verstehen und vielleicht auch etwas für die Zukunft aufzuheben.
Ganz entschieden bestreite ich aber, daß diese Szene die Kompetenz, die Gedankentiefe und Erfahrungsfülle hat, zu bestimmen, wie Jahrzehnte des Lebens von Millionen Menschen, vieler Millionen DDR-Bürger, reflektiert werden sollen.
Ist es mehr Anmaßung oder mehr schäbiges politisches Kalkül, das zu solchem Versuch führt?
DDR-Erinnerung, die diesen Namen verdient, braucht eine ganz andere Stimmkraft.

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Noch ist „DDR-Stimmen“ nicht mehr als eine Idee

Daraus ein Projekt zu machen, zu systematischer Arbeit überzugehen, davon bin ich noch weit entfernt.
Persönliche Umstände werden mich noch eine ganze Weile (veilleicht ein Vierteljahr) an planmäßiger Arbeit hindern. Allerdings, wo ich von dieser Idee erzähle, stoße ich meist auf freundliches Interesse, z. B. auch hier und hier.
1.) Karl Heinz, der blöderweise seine eigenen Tagebücher weggeschmissen hat, lieh mir ein Buch, eine Tagebuchbearbeitung von Günter Fischer, „Timmy bleibt! Braun-rot-schwarze Erlebenswelt eines Berliners Tagebücher seit 1940“, Thurneysser-Verlag, 2006.
2.) Kurt stellte mir die fast komplette Sammlung der Betriebszeitung des VEB Volkswerft Stralsund zur Verfügung.
3.) Eule schickte mir Kopien zweier interessanter Westbroschüren aus den 70er bzw. 80er Jahren zum Umgang mit der DDR.
4.) Im Kempowski-Archiv der Akademie der Künste gibt es zahlreiche Dokumente, die in die Nachkriegszeit reichen, darunter auch von DDR-Bürgern. Welche das sind, wäre mit einigem Aufwand herauszufinden.

Die unter 2. und 3. genannten Dokumente sind verwendbar, aber nur ergänzend.
Zu Günter Fischer (1.) könnte ich Kontakt aufnehmen, um auf die Originaltagebücher zurückzugehen.
In das Kempowski-Archiv (4.) werde ich in den nächsten Tagen für einige Stunden gehen.

Natürlich bietet sich an, schon mal mit Recherchen im Internet zu beginnen. Hab’ ich getan.
5.) Es gibt die Website von Erhard Weinholz mit Auszügen aus: „Rand-Notizen. Ein DDR-Tagebuch 1984-1990“. Auch hier ist Kontaktaufnahme angesagt. Das kann ein sehr brauchbares Dokument sein.
Zu den Internetrecherchen demnächst mehr.

Mittwoch, 26. September 2007

Ideenskizze für „DDR-Stimmen“

„DDR-Stimmen“ ist ein Projekt, das einer großen Zahl Personen, die in der DDR gelebt haben, sowie darüber hinaus weiteren Personen, die sich mit der DDR beschäftigt haben, eine Tribüne gibt, um ihr persönliches Erleben und Reflektieren zu schildern.
Hauptquellen sollen persönliche Dokumente sein, vor allem schriftliche und bildliche, die zeitnah zu den beschriebenen Ereignissen entstanden sind, vor allem Tagebücher und Briefe. Darüber hinaus sollen auch später verfaßte Erinnerungen einbezogen werden, wobei der Zeitpunkt und eventuell Umstände der Niederschrift deutlich gemacht werden.
Verwendet werden überschaubare, charakteristische Dokumente bzw. Auszüge aus umfangreichen Dokumenten. Dabei werden Auslassungen gegenüber den Originalen exakt ausgewiesen.

Die Veröffentlichungen werden sich zweifellos mit bedeutsamen zeitgeschichtlichen Ereignissen und charakteristischen Themen beschäftigen. Der Bezug auf einzelne Tage, wie es Kempowski praktiziert, ist kaum durchzuhalten (wie Kempowskis Praxis der „Transformation“ selbst beweist), jedoch kann die Konzentration auf eng begrenzte Zeiträume sachdienlich sein.
Vielleicht entwickelt sich eine Darstellungsstruktur, in deren Zentrum eine überschaubare Anzahl bedeutsamer Ereignisse auf der geschichtlichen Zeitachse steht, während eine große Anzahl von Querschnittsthemen gleichsam leitmotivisch und variiert in den einzelnen Beiträgen wiederkehrt.
Zur Erhellung des Hintergrunds der veröffentlichten persönlichen Dokumente sollte eine knappe Zeittafel der geschichtlichen Ereignisse beigegeben werden.

Meine vorläufigen Vorstellungen über interessante Zeitereignisse und (Querschnitts-)Themen:
04/1946 Vereinigung von KPD und SPD zur SED
06/1948 Gründung der Volkswerft Stralsund
01/1949 Brechts „Mutter Courage“ in Berlin
09-10/1949 Gründung der BRD und der DDR
08/1950 Baubeginn Eisenhüttenkombinat Ost
06/1953 17. Juni 1953
03/1956 Gründung der NVA als Freiwilligenarmee der DDR
1956 20. Parteitag der KPdSU - Chrustschow-Rede
1958 Abschaffung Lebensmittelkarten
07/1958 V. Parteitag der SED - Westdeutschland im Pro-Kopf-Verbrauch einholen und überholen
04/1960 „De Appel is riep“ - Abschluß der Vergenossenschaftlichung der Landwirtschaft
08/1960 Radweltmeisterschaft auf dem Sachsenring
04/1961 Gagarin im Weltraum
1960/1961 Republikflucht
08/1961 13. August 1961
1962 Peter Hacks, „Die Sorgen und die Macht“, „Der Frieden“
01/1963 VI. Parteitag - NÖS
12/1963 Passierscheinabkommen DDR - Senat von Westberlin
1963/1964 Robert Havemann-Vorlesungen
05/1964 Dt 64
09/1965 Pkw Wartburg 353
04/1967 7. Parteitag der SED beschließt 5-Tage-Arbeitswoche
04/1968 Volksabstimmung zur neuen Verfassung
10/1968 erste selbständige DDR-Olympiamannschaft in Mexiko-Stadt
03/1970 Treffen von Willy und Willi in Erfurt
05/1970 Honecker löst Ulbricht ab
06/1971 8. Parteitag beschließt Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik
06/1973 Grundlagenvertrag BRD-DDR tritt in Kraft
07-08/1973 X. Weltfestspiele in Berlin
09/1973 DDR Mitglied der UNO
08/1975 Schlussakte Helsinki unterzeichnet
11/1976 Ausbürgerung Wolf Biermann
06/1977 Neues Arbeitsgesetzbuch der DDR
08/1978 Sigmund Jähn im All
1977/1978 VIII. Kunstausstellung der DDR
01/1982 „Berliner Appell“ von Eppelmann und Havemann („Frieden schaffen ohne Waffen“)
02/1984 E. Honecker übergibt die zweimillionste Wohnung des Wohnungsbauproramms
1984 Die Zahl der Ausreisen aus der DDR wächst
03/1985 Gorbatschow KPdSU-Sekretär in Moskau
1986 Perestroika
04/1986 Tschernobyl
04/1987 Kurt Hager - Tapetenvergleich
06/1987 Reagan an der Berliner Mauer
09/1987 Honecker besucht BRD
11/1987 Durchsuchung „Umweltbibliothek“ Zonsgemeinde Berlin
01/1988 Luxemburg-Liebknecht-Demo „Freiheit der Andersdenkenden“
11/1988 Sputnikverbot
05/1989 Grenzöffnung in Ungarn
05/1989 Wahlbetrug bei Kommunalwahlen
09/1989 1. Montagsdemo in Leipzig
10/1989 Rücktritt Honecker
11/1989 Großdemo in Berlin
11/1989 Maueröffnung
01/1990 Modrow initiiert „Runden Tisch“
04/1990 Regierung de Maiziere
07/1990 Währungsunion
10/1990 Tag der Deutschen Einheit

Eine Auswahl weiterer Begriffe, die das Leben in der DDR charakterisierten:
ABF (Arbeiter- und Bauern- Fakultät)
Bausoldaten
Bautzen (Strafvollzug)
Dokumentarfilme „Du und mancher Kamerad“, „Der lachende Mann“ (Kongo-Müller)
Ehekredit
Einheitsschule, Begabtenförderung
Enteignung
Exquisitgeschäfte (Delikatgeschäfte, Intershop)
Fernsehfilm „Gewissen in Aufruhr“
FDGB-Ferienreisen, „Fritz Heckert“
Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft
GST („Gesellschaft für Sport und Technik“)
Halbstaatliche Betriebe
Hausgemeinschaften
Internationale Friedensfahrt
Jugendweihe
Junge Gemeinde
Kampfgruppen
Kindergärten
Kinder- und Jugendspartakiade
Kirche im Sozialismus
Klub der Volkssolidarität
Kollektiv der sozialistischen Arbeit
Leipziger Messe
Liebknecht-Luxemburg-Demo
Luther-Ehrung
Megabit-Chip und „Multi-Spektakel“-Kamera
Palast der Republik
Sandmännchen
Scheidungsrate
Selbstbau von Rationalisierungsmitteln
Semper-Oper Dresden (Schauspielhaus Berlin, Gewandhaus Leipzig)
Singebewegung („Festival des politischen Liedes“)
Solidaritätskonzerte
soziale Herkunft
Sozialpolitisches Programm
Stasi
Subbotnik
Systemautomatisierung
Westbesuch
Westklamotten
Westkontakte
Westfernsehen
Witze

„DDR-Stimmen“ - mit der Arbeit am „DDR-Echolot“ beginnen

I.
Anders als Kempowskis „Echolot“ soll „DDR-Stimmen“ (ein Projekt, das durchaus von Kempowskis Werk angeregt wurde) keine künstlerisch-pädagogische Collage sein, sondern Dokumentation.
Den Eindruck einer Dokumentation hervorzurufen und es nicht zu sein, halte ich für einen erheblichen Mangel des Kempowskischen Werks. Ihm ist der Vorwurf nicht zu ersparen, seinen künstlerischen Ansatz zu nutzen, um eine Geschichtsdarstellung zu geben, die bestimmte Erscheinungen hervorhebt und zugleich wesentliche Zusammenhänge ausspart.
Demgegenüber soll „DDR-Stimmen“ dokumentarisch umfassend und handwerklich solide sein.

II.
Als Dokumentation wissenschaftlichen Kriterien zu genügen, heißt nicht, in der Darstellung schwerfällig und schlecht konsumierbar zu sein. Mit modernen künstlerischen und pädagogischen Mitteln wird beste populärwissenschaftliche Qualität angestrebt.
Die Veröffentlichung soll nicht in Buchform, sondern als kostenlos zugängliche und interaktiv nutzbare Website erfolgen, die laufend erweitert und vervollständigt wird.

III.
Die Veröffentlichung soll von einer möglichst großen Zahl von AutorInnen getragen werden, die von einer kleinen Redaktionsgruppe koordiniert wird. Die Redaktionsgruppe soll unabhängig von Parteien, dem Staat und deren Institutionen sein und die Verantwortung für die grundsätzliche inhaltliche Ausrichtung des Projekts tragen. Die Verantwortung für die einzelenen Beiträge soll bei den AutorInnen verbleiben.
Die Redaktionsgruppe kann/soll (?) bei einer vorhandenen juristischen Person organisiert sein.

IV.
Die Redaktionsgruppe formuliert ihr Selbstverständnis und plant die Zielsetzung und den Rahmen der Website „DDR-Stimmen“. Diese Positionen werden zur öffentlichen Diskussion gestellt.
Die Redaktionsgruppe organisiert die Materialsammlung, -aufbereitung und -präsentation auf der Grundlage eines jederzeit öffentlich zugänglichen Kriterienkatalogs.
Zumindest anfangs plant und organisiert die Redaktionsgruppe auch die finanziellen, materiellen und personellen Kapazitäten des Projekts.

V.
Wie praktisch beginnen?
1. Einzelinitiative: Ideenskizze für Projekt „DDR-Stimmen“
2. Einzelinitiative: Suche von ein, zwei, drei Leuten, die sich ehrenamtlich engagieren wollen = Keim der Redaktionsgruppe
3. Prüfung, ob es Institutionen gibt, an die sich die vorläufige Redaktionsgruppe organisatorisch anschließt
4. Bestimmung und Sicherung eines Mindestmaßes von Voraussetzungen für den Beginn der praktischen Arbeit
5. Beginn der inhaltlichen Arbeit mit der
- Sichtung vorhandenen Materials und
- Sammlung weiteren Marterials (etwa durch Schaltung von Presseanzeigen) bzw. der Gewinnung von AutorInnen.
6. Erstpräsentation der Website

Freitag, 24. August 2007

Kempowski hat es für seine Zwecke gut gemacht. Machen wir es besser.

Mein Bekanntwerden mit Kempowski und seinem „Echolot“ ist hier im Blog mitzuverfolgen.
Ich bin kein Freund des Meisters und werde es nicht werden.
Das hindert mich nicht, anzuerkennen, wo er Großes geleistet hat.
Er hat einen Weg gefunden, 60 Jahre zurückliegende Geschichte, eine gewisse Ernsthaftigkeit des Interesses vorausgesetzt, unmittelbar und packend erlebbar zu machen.
Er stellt eine Rezeptionsatmosphäre her bzw. es stellt sich ein „Sog des Rezipierens" ein, in dem der Leser geneigt ist oder verführt wird, bisher angeeignetes (Schul)-Wissen, Abstraktionen, „verordnete Einsichten“, kurz, all das aus zweiter Hand Aufgenommene, gering zu schätzen oder einfach wegzuschmeißen.

Die Jahre des kollektiven Lebens in der DDR (Sie aus der Erinnerung zu tilgen arbeiten Heerscharen.) in ähnlich monumentaler und zugleich persönlicher Weise heute und künftig erlebbar zu machen, das heißt, eine uns bedrückende Schuld zu begleichen.
„Die Liebe aber heftet fleißig die Augen.“
Ich meine, daß kein Einzelner, von Ehrgeiz oder Angst oder was auch immer getrieben, diese Leistung vollbringen muß. Wohl aber kann das eine Gemeinschaft, neudeutsch, „Community“.
Ich meine, daß kein tausendseitiger Wälzer entstehen muß. Wohl aber eine Webseite, ein riesiger, multimedialer, interaktiver Erlebnisraum.
Ich stelle mir vor, daß ein „kollektives Tagebuch“ entsteht, in dem die Ziele offen benannt sind, Meinungsverschiedenheiten oder -gegensätze offen ausgetragen werden und jeder Manipulationsversuch aufgedeckt und mit Hilfe des prüfenden Verstandes Aller unwirksam gemacht wird.

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