Von der Divergenz des Persönlichen und des Politischen
Wenn ich meine alten Tagebücher wiederlese und die jeweils aktuellen Einträge - nur um 20 Jahre versetzt - ins Blog übernehme, fällt mir gerade in diesen Tagen auf, wie wenig tauglich persönliche Erinnerungen oder Aufzeichnungen u. U. sind, um einen gesellschaftlichen Prozeß nachzuzeichnen oder gar durchschaubarer zu machen. In diesen Tagen vor 20 Jahren passierte die Abwahl Krenz', der Rücktritt des Politbüros, Modrow wurde Regierungschef, der "runde Tisch" etablierte sich schnell als die eigentlich akzeptierte Regierung, die Konterrevolution, um den etwas grobschlächtigen Begriff zu gebrauchen, setzte zu den entscheidenden Schlägen an. All das habe ich in meinen damaligen Notizen kaum erwähnt, obwohl ich ununterbrochen die Zeitläufte aufs Intensivste verfolgte und auch aktiv beteiligt war.
Für solche Abstinenz gibt es viele und teils ganz profane Gründe. Einer ist physische Überlastung durch harte Arbeit, ein anderer kann psychische Absorption durch persönliche Lebensumstände (durchaus unpolitische) sein.
Das kleine Beispiel regt an, generell die Deckungsungleichheit des Persönlichen mit dem Politischen bzw. Gesamtgesellschaftlichen in den Blick zu nehmen. Das Individuum, weil es sich mehr oder weniger klar, mehr oder weniger akut, seiner Endlichkeit bewußt ist, entscheidet sich gern zum Verzicht aufs Gesellschaftliche. Das Maximum seiner Befriedigungen zieht es aus dem Bewußtsein, daß nach ihm die Sintflut kommen mag. Doch auch wenn das Individuum sich nicht zu krassen, gesellschaftsfeindlichen Privatlösungen entschließt, hat es täglich zwischen einer mehr individuellen oder mehr kollektiven Entscheidungsrichtung zu wählen.
Bekanntlich (oder unbekanntlich) machte "das Denken an den gesellschaftlich Fernstehenden" für Lenin das Wesen des Kommunismus aus.
Bisher hatten die Menschen fraglos das Paradies Erde zur Verfügung. Seit wenigen Jahrhunderten haben sie sich zur Individualität ausgeabeitet und seit 150 Jahren in ihrem blinden Drang so ermächtigt, daß sie an die Grenzen des Paradieses stoßen. Aber neue Räume in Blindheit beschreiten - das kann nicht gelingen. Von einem Jahrzehnt zum andern kippt die Situation. Der Vogel stürzt aus dem Nest, oder er lernt fliegen.
Für solche Abstinenz gibt es viele und teils ganz profane Gründe. Einer ist physische Überlastung durch harte Arbeit, ein anderer kann psychische Absorption durch persönliche Lebensumstände (durchaus unpolitische) sein.
Das kleine Beispiel regt an, generell die Deckungsungleichheit des Persönlichen mit dem Politischen bzw. Gesamtgesellschaftlichen in den Blick zu nehmen. Das Individuum, weil es sich mehr oder weniger klar, mehr oder weniger akut, seiner Endlichkeit bewußt ist, entscheidet sich gern zum Verzicht aufs Gesellschaftliche. Das Maximum seiner Befriedigungen zieht es aus dem Bewußtsein, daß nach ihm die Sintflut kommen mag. Doch auch wenn das Individuum sich nicht zu krassen, gesellschaftsfeindlichen Privatlösungen entschließt, hat es täglich zwischen einer mehr individuellen oder mehr kollektiven Entscheidungsrichtung zu wählen.
Bekanntlich (oder unbekanntlich) machte "das Denken an den gesellschaftlich Fernstehenden" für Lenin das Wesen des Kommunismus aus.
Bisher hatten die Menschen fraglos das Paradies Erde zur Verfügung. Seit wenigen Jahrhunderten haben sie sich zur Individualität ausgeabeitet und seit 150 Jahren in ihrem blinden Drang so ermächtigt, daß sie an die Grenzen des Paradieses stoßen. Aber neue Räume in Blindheit beschreiten - das kann nicht gelingen. Von einem Jahrzehnt zum andern kippt die Situation. Der Vogel stürzt aus dem Nest, oder er lernt fliegen.
kranich05 - 2009/12/12 11:43







