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Dank

Obwohl meine Kindheit von viele Eindrücken aus dem bäuerlichen Leben mitbestimmt wurde, kann ich mich kaum an den Erntedank erinnern. Das größte Fest im Herbst war die Kirmes, "Kirmse", wie Oma sagte. Da gab es viel zu essen, es wurde reichlich getrunken und laute Musik gemacht. Für uns Kinder war nicht so recht Platz.
Einen zum Erntedank aufwendig dekorierten Kirchenraum habe ich erst nach 1990 gesehen - ausgerechnet im langweiligen Nürtingen, als ich auf den Spuren Hölderlins wanderte.

In heutiger Zeit lebe ich enger denn je mit dem Garten zusammen.
Diesmal war (und ist) es aber auch ein wirklich erfreuliches Gartenjahr.
Die Tomaten haben uns nichts als Freude gemacht. Seit dem 1.7. bis heute mußten wir nicht eine kaufen und konnten doch täglich in den roten Köstlichkeiten schwelgen.
Einem Rat von Gärtner Pötschke folgend, habe ich Buschbohnen noch bis in den Juli hinein gesät. So kommen in diesen Tagen besonders oft die besonders zart gebliebenen Bohnen als Butterbohnen auf den Tisch..
Und eine dritte Erfolgsgeschichte sind die Endivien, ohnehin unsere liebste Salatpflanze. In früheren Jahren mußte ich erfahren, daß, zumindest in unserer Gegend hier, kein Verlaß darauf ist, daß die Gärtner junge Pflanzen anbieten. So habe ich sie selbst gezogen, und nun sind sie überaus prächtig herangewachsen, und wir werden sie noch monatelang genießen.
Übrigens hatte ich aus Platzmangel einige in große Töpfe gepflanzt und konnte nun feststellen, daß diese genauso gut gewachsen sind, wie diejenigen auf den Beeten. Das hat viele Vorteile: Ich kann sie besser verschenken. Wenn starker Frost kommen sollte, kann ich sie frostfrei aufstellen. Auch vor Dauerregen könnte ich sie leicht schützen. Und schließlich vergrößere ich damit schlicht meine Anbaufläche im allzu begrenzten Gemüsegarten.

Was das alles mit Dank zu tun hat?
Ja, es kommen wirklich Gefühle ins Spiel. Besonders, wenn ich mich durch meine beiden Tomatenreihen durcharbeitete, habe ich oft eine Art Dankbarkeit und sogar Bewunderung empfunden. Die Pflanzen "gehorchten" zwar meinen Eingriffen, zugleich aber "revanchierten" sie sich mit so kräftigem Wuchs, mit so üppigen Früchten, mit so köstlichen Aromen, daß ich mir beschenkt, ja verwöhnt vorkommen mußte.
Ich hatte doch bloß den Boden bereitet und Wasser gegeben und vor Regen geschützt...
"Das Bewußtsein widerspiegelt nicht nur die Realität, es schafft sie auch." - sagt Lenin. Oder ganz profan ausgedrückt: Gibt der Mensch 'was Vernünftiges 'rein, lächelt die Materie freundlich zurück.

Natürlich gäbe er noch viel mehr zu preisen.
Wo anfangen? Wo aufhören?

Erntefreuden 1

Erntefreuden 2
FBB (Gast) - 2009/10/26 22:55

Bis heute Tomaten? Unverschämt!
Neid!

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