Vor 20 Jahren
Im Sommer 1989 hat sich der Historiker Kurt Pätzold mit Ossietzkys Faschismusanalyse befaßt. Im Heft 31/89 der "Weltbühne" (die Ossietzky langjährig geleitet hatte, die nach Jahren des Exils in der DDR ihren Standort hatte, nach 1989 kaputt gemacht wurde und heute unter dem Namen "Ossietzky" weitergeführt wird) erschien ein Auszug aus einem im Juni 89 gehaltenen Vortrag. Diesen Auszug habe ich hier online gestellt, denn er ist aktuell.
Pätzold hob hervor, daß Ossietzky den sozialen Urgrund des Faschismus klar benannte. Es ist die bürgerliche Gesellschaft, die in eine chronische Krise eingetreten ist. Es ist eine Illusion, sagt Ossietzky, den Faschismus "abzuwehren", wenn man ihn nicht "auf seinem eigenen sozialen Terrain" angreift. Parallelen zur Jetztzeit genug.
Ein weiterer Aspekt:
O. hat den Faschismus keineswegs mit Hitler und der NSDAP gleichgesetzt. Faschismus gilt ihm als einen breitere soziale, politische und geistige Erscheinung, die in den verschiedensten Institutionen und Personen, in Verlagen und deren Erzeugnissen, in staatlichen Maßnahmen auf die verschiedenste Weise aktiv ist.
Es ging ihm um den gewöhnlichen, alltäglichen Faschismus, den, der in den Bürokratenstuben klebt und über den Stammtischen wabert, bis zu seinen Spuren in den Küchengesprächen und den Spielen der Kinder.
Ich fürchte, wir heute, fixiert auf die späteren monströsen Verbrechen des Faschismus, sind in der Gefahr, seine alltäglichen Formen, seine zufälligen Anfänge, seine "Probeläufe" nicht ernst genug zu nehmen.
Viele sind sensibilisiert für die schlimmsten faschistischen Verbrechen, manchmal sogar nur für bestimmte dieser Verbrechen (die als "Holocaust" bezeichneten) und zugleich wenig empfindlich dafür, wenn Politiker, hohe Staatsfunktionäre demonstrativ ihr "Recht" behaupten, menschenverachtende Meinungen zu verkünden.
Sarrazin spricht Kreisen des Volkes aus der Seele. Kein Zweifel, dort liegt "soziales Terrain" für einen "modernen" Faschismus, und der Bundesbankster zögert nicht, es zu pflegen.
Pätzold hob hervor, daß Ossietzky den sozialen Urgrund des Faschismus klar benannte. Es ist die bürgerliche Gesellschaft, die in eine chronische Krise eingetreten ist. Es ist eine Illusion, sagt Ossietzky, den Faschismus "abzuwehren", wenn man ihn nicht "auf seinem eigenen sozialen Terrain" angreift. Parallelen zur Jetztzeit genug.
Ein weiterer Aspekt:
O. hat den Faschismus keineswegs mit Hitler und der NSDAP gleichgesetzt. Faschismus gilt ihm als einen breitere soziale, politische und geistige Erscheinung, die in den verschiedensten Institutionen und Personen, in Verlagen und deren Erzeugnissen, in staatlichen Maßnahmen auf die verschiedenste Weise aktiv ist.
Es ging ihm um den gewöhnlichen, alltäglichen Faschismus, den, der in den Bürokratenstuben klebt und über den Stammtischen wabert, bis zu seinen Spuren in den Küchengesprächen und den Spielen der Kinder.
Ich fürchte, wir heute, fixiert auf die späteren monströsen Verbrechen des Faschismus, sind in der Gefahr, seine alltäglichen Formen, seine zufälligen Anfänge, seine "Probeläufe" nicht ernst genug zu nehmen.
Viele sind sensibilisiert für die schlimmsten faschistischen Verbrechen, manchmal sogar nur für bestimmte dieser Verbrechen (die als "Holocaust" bezeichneten) und zugleich wenig empfindlich dafür, wenn Politiker, hohe Staatsfunktionäre demonstrativ ihr "Recht" behaupten, menschenverachtende Meinungen zu verkünden.
Sarrazin spricht Kreisen des Volkes aus der Seele. Kein Zweifel, dort liegt "soziales Terrain" für einen "modernen" Faschismus, und der Bundesbankster zögert nicht, es zu pflegen.
kranich05 - 2009/10/16 17:37