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Noch einmal im jüdischen Museum

Alena Fuernberg

In unserem Tagebuch vom 8.9. heißt es:
"Zum Besuch des jüdischen Museums mußte ich mich regelrecht hinschleifen (Erwartung, in notwendige Polemik mit Zionismus verwickelt zu werden). Eigentlich kam der Besuch nur zustande, weil F. (mein Sohn) ganz selbstverständlich die Absicht des Besuchs äußerte und wir uns treffen wollten...
Die Dauerausstellung im OG (Judentum in Deutschland von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert) gefällt mir sehr. Sie macht mir eine Leerstelle meines historischen Wissens bewußt. Diese ist das Ergebnis der Ausrottung dieses Lebens (samt seiner historischen Wurzeln) durch die Faschisten und dessen, daß seine massive Wiederbelebung zu DDR-Zeiten nicht erfolgte.
Für die Dauerausstellung im UG haben wir nicht mehr die Kraft und die Zeit, zumal hier besonders sorgfältige Betrachtung und eventuell Auseinandersetzung notwendig wird. Es scheint auf eine glättende Darstellung hinauszulaufen. "Schmutzig-praktische Interessen" oder gar Machtambitionen jüdischerseits scheint es nie gegeben zu haben.
Viele junge Leute gehen durch die Ausstellung, einzeln, paarweise, in Herde. Es erweist sich wieder die Notwendigkeit, in jede Ausstellung mit Vorwissen und offenen Fragen zu gehen."

Inzwischen habe ich das Museum noch einmal drei Stunden besucht. Mein erster Eindruck hat sich vertieft. Das jüdische Leben in Deutschland durch die Jahrhunderte ist von einem Gewicht, das wieder voll und ganz seine gebührenden Platz im Leben unserer Gesellschaft haben muß. Dabei scheint es alle denkbaren Schattierungen des Zusammenlebens zu geben (und geben zu müssen): tolerantes Nebeneinanderher, Wechselwirkung mit gegenseitiger Befruchtung wie Konkurrenz, Fremdheit bis Verschmelzung.
Dieses Erfordernis scheint mir manche Verwandtschaft zu haben mit der aktuellen Aufgabe der deutschen Gesellschaft, ein lebendiges, förderliches Zusammenleben mit ihrer islamischen Community herbeizuführen.

Ich weiß nicht, ob "Integration" der richtige Ansatz ist. Es geht um das förderliche Zusammenleben unterschiedener und unterschiedlich bleibender Gruppen. Dem schaden Ambitionen von Machtausübung und Überwältigung der Anderen.
Hilfreich wäre es, würden alle die unterschiedlichen Kulturgruppen sich selbst in Frage stellen, ihre eigenen Grenzen benennen, mit Selbstkritik nicht geizen, bis dahin, die in ihrem Namen begangenen Schandtaten in Geschichte und Gegenwart nicht unter den Teppich zu kehren.

Wirkt das jüdische Museum konsequent in diesem Sinne?
Es leistet einen großen Beitrag, jüdischem Leben in Deutschland wieder seinen Platz einzuräumen. Das ist gut und verdienstvoll.
Leistet es einen vergleichbaren Beitrag, jüdisches Welt- und Politikverständnis in seiner Differenziertheit, bis in seine extremen Ausprägungen darzustellen, also einschließlich orthodoxer, zionistischer, israelisch-völkerrechtswidriger Positionen und Aktionen?
Nein, diese Seite ist ganz und gar unterbelichtet. Das leider leistet das jüdische Museum nicht.

Glashof

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