Ein heimatloser Linker erzählt
Die viel ältere Bezeichnung "heimatlose Linke" erlebte ich in ihrem DDR-Zusammenhang. Die DDR war der sozialistische Staat, es gab die sozialistische Partei, Heimat noch und noch. Wenn sich da ein Linker heimatlos fühlte, war wohl mit seinem Linkssein etwas nicht in Ordnung.
Das habe ich im Großen und Ganzen akzeptiert und bemühte mich redlich und mit Erfolg den Realsozialismus zu meiner Heimat zu machen.
Als der Sozialismus untergegangen war, mußte es der Linken, auch meiner Partei SED-PDS, in jeder Hinsicht um radikale Erneuerung gehen. Was linke Erneuerung sein müßte, war damals unklar (wie es heute unklar ist), das hinderte mich aber nicht, Einiges, was ich als Minimum verstand, recht rigoros zu verlangen. Als Anfang der 90er Funktionäre der Partei mit Koffern voller Geld in Stockholm aufflogen - Gysi erklärte, davon nichts gewußt zu haben - war meine Hoffnung, daß die SED-PDS meine echte politische Heimat werden könnte, dahin. Parteiaustritt.
Seitdem lebe ich als Linker ohne Verwurzelung in einer politischen Organisation. Die damit verbundene Freiheit ist mir angenehm. Über die zugleich gesetzte Ohnmacht, mache ich mir keine Illusionen.
Die unten haben nun einmal nur das Machtmittel der Organisation.
In den letzten Jahren wurde ich systematischer Leser der Zeitung "junge Welt". Eine Zeitung kann durchaus, zumal in frühen Zeiten der Orientierung und des Findens der Kräfte, einen organisatorischen Keim bilden. Man denke an Lenins Anfänge mit der "Iskra". Das kann sie umso besser, je weniger sie Sprachröhre einiger Durchblicker und je mehr sie die Plattform ihrer Leser ist.
Kürzlich glänzte die "junge Welt" mit einem Artikel zur linken Blogger- und Internet-Info-Szene, der, frei von Sachkenntnis andere politische Poitionen denunzierte, auf notwenige Differenzierungen verzichtete und darüber hinaus das völlige Unverständnis für die politischen Potentiale des Internet zum Ausdruck brachte. Ich habe dazu im Blog hier geschrieben.
Mir war besonders auffällig, wie sich damit die Zeitung, die gern auf ihre konsequente linke Position pocht, in die Reihe der Gegner sogenannter linker Verschwörungstheorien zu 9/11 einordnete; nicht anders als die offizielle Linke, "Staatslinke", die Partei "Die Linke". Verwirrend, enttäuschend.
Einige Tage nach dieser Veröffentlichung hatte ich am Rande eines Vortrags von Prof. Dr. Werner Röhr in der jW-Ladengalerie Gelegenheit zum Gespräch mit Arnold Schölzel, dem Chefredakteur der jW. Leider trug dieses Gespräch in keiner Weise dazu bei, meine Enttäuschung zu beseitigen. Im Gegenteil. Nicht die Spur einer selbstkritischen Wertung des Böke-Artikels ließ der Chef erkennen. Aber was noch schwerer wiegt, er zeigte nicht das geringste Interesse für meinen Vorschlag, über die im Raume stehenden Probleme in Ruhe und ausführlich zu sprechen. Mit verschränkten Armen stand da Einer vor mir und verkündete frei von allen Zweifeln seine Wahrheit. Die Situation kam mir allzu bekannt vor: Die Macht hatte gesprochen.
Sie sind da, die unsichtbaren Kraftlinien, die die Linke zur "Staatslinken", zum Bestandteil des herrschenden Systems machen.
Das ist für mich kein Grund, diese Linke nicht zu wählen. Es gibt wahrlich unangenehmere Alternativen. Aber Heimat? Nein, meine politische Heimat finde ich dort nicht.
Das habe ich im Großen und Ganzen akzeptiert und bemühte mich redlich und mit Erfolg den Realsozialismus zu meiner Heimat zu machen.
Als der Sozialismus untergegangen war, mußte es der Linken, auch meiner Partei SED-PDS, in jeder Hinsicht um radikale Erneuerung gehen. Was linke Erneuerung sein müßte, war damals unklar (wie es heute unklar ist), das hinderte mich aber nicht, Einiges, was ich als Minimum verstand, recht rigoros zu verlangen. Als Anfang der 90er Funktionäre der Partei mit Koffern voller Geld in Stockholm aufflogen - Gysi erklärte, davon nichts gewußt zu haben - war meine Hoffnung, daß die SED-PDS meine echte politische Heimat werden könnte, dahin. Parteiaustritt.
Seitdem lebe ich als Linker ohne Verwurzelung in einer politischen Organisation. Die damit verbundene Freiheit ist mir angenehm. Über die zugleich gesetzte Ohnmacht, mache ich mir keine Illusionen.
Die unten haben nun einmal nur das Machtmittel der Organisation.
In den letzten Jahren wurde ich systematischer Leser der Zeitung "junge Welt". Eine Zeitung kann durchaus, zumal in frühen Zeiten der Orientierung und des Findens der Kräfte, einen organisatorischen Keim bilden. Man denke an Lenins Anfänge mit der "Iskra". Das kann sie umso besser, je weniger sie Sprachröhre einiger Durchblicker und je mehr sie die Plattform ihrer Leser ist.
Kürzlich glänzte die "junge Welt" mit einem Artikel zur linken Blogger- und Internet-Info-Szene, der, frei von Sachkenntnis andere politische Poitionen denunzierte, auf notwenige Differenzierungen verzichtete und darüber hinaus das völlige Unverständnis für die politischen Potentiale des Internet zum Ausdruck brachte. Ich habe dazu im Blog hier geschrieben.
Mir war besonders auffällig, wie sich damit die Zeitung, die gern auf ihre konsequente linke Position pocht, in die Reihe der Gegner sogenannter linker Verschwörungstheorien zu 9/11 einordnete; nicht anders als die offizielle Linke, "Staatslinke", die Partei "Die Linke". Verwirrend, enttäuschend.
Einige Tage nach dieser Veröffentlichung hatte ich am Rande eines Vortrags von Prof. Dr. Werner Röhr in der jW-Ladengalerie Gelegenheit zum Gespräch mit Arnold Schölzel, dem Chefredakteur der jW. Leider trug dieses Gespräch in keiner Weise dazu bei, meine Enttäuschung zu beseitigen. Im Gegenteil. Nicht die Spur einer selbstkritischen Wertung des Böke-Artikels ließ der Chef erkennen. Aber was noch schwerer wiegt, er zeigte nicht das geringste Interesse für meinen Vorschlag, über die im Raume stehenden Probleme in Ruhe und ausführlich zu sprechen. Mit verschränkten Armen stand da Einer vor mir und verkündete frei von allen Zweifeln seine Wahrheit. Die Situation kam mir allzu bekannt vor: Die Macht hatte gesprochen.
Sie sind da, die unsichtbaren Kraftlinien, die die Linke zur "Staatslinken", zum Bestandteil des herrschenden Systems machen.
Das ist für mich kein Grund, diese Linke nicht zu wählen. Es gibt wahrlich unangenehmere Alternativen. Aber Heimat? Nein, meine politische Heimat finde ich dort nicht.
kranich05 - 2009/09/22 21:10
Ich wähle die Linke ganz einfach, weil es die einzige Partei ist, die im Bundestag überhaupt "linke" Töne verlauten lässt; bei uns hat es solche Töne ja glatte 40 Jahre überhaupt nicht gegeben.
Was die "politische Heimat" betrifft: ich glaubte sie 14 Jahre lang in der SPD zu haben, dann war das zu Ende. Ich suche jetzt keine "Heimat" mehr in der Politik. Zum Glück sind einige meiner früheren GenossInnen meine Freunde geblieben, einige haben sich tatsächlich bei meinem Parteiaustritt abgewandt.
Ich glaube überhaupt, so eine fest gefügte ideologische Grundlage als "Heimat" ist nicht unbedingt nötig. Kann sein, dass es für Euch aus der DDR noch schwerer ist, davon wegzukommen als für uns aus dem Westen, wo man es am liebsten hatte, wenn sich die Leute in ihrer privaten "Heimat" überhaupt nicht mit Politik beschäftigten (wodurch man sie viel besser vera... konnte)