Volk und Macht
Über "Intellektuelle und Volk" oder "Intellektuelle und Macht" ist schon viel geschrieben worden. Es könnte der Eindruck entstehen, daß man darüber viel weiß.
Während ich meine 1989er Tagebücher sichte, verblüfft mich die Vielfalt und Lebendigkeit des (auch meines) intellektuellen Lebens dieser Monate einerseits und die (anscheinend) fast völlige Folgenlosigkeit all dessen für den historischen Prozeß, wie er sich dann tatsächlich vollzogen hat.
Unsere gegenwärtige Krisensituation löst in mir ganz ähnliche Empfindungen aus: Ein Tohuwabohu, ein Universum von Äußerungen aller Art zur Krise einerseits und andererseits das Gefühl, daß die wahren materiellen Prozesse davon völlig unberührt ablaufen (oder stagnieren).
Ich vermute, daß der Schlüssel zum Verstehen dieses seltsamen Zwiespalts in der Dialektik (Ja, ich weiß: Wer heute noch "Dialektik" sagt, disqualifiziert sich selbst - - - Gähn!), in der Dialektik von Volk und Macht liegt.
Auf Marx fußend, glaubten wir, mit dem Historischen Materialismus sehr weitgehende Antworten gefunden zu haben. Auf Lenins Lehre von der Partei neuen Typs fußend, glaubten wir, historisch wirksame politische Hebel entwickelt zu haben. Beides war kein Köhlerglaube. Beide Auffassungen wurden historisch glänzend bestätigt.
Aber auch: Beide Auffassungen wurden historisch entscheidend relativiert.
Wie das Volk einmal geschichtsmächtig sein kann, und wie es ein andermal seine geschichtliche Ohnmacht geradezu sucht - solche Fragen sind mehr als paar Nobelpreise wert.
Darüber zu Reflektieren ist vielleicht schicksalhaft, vielleicht sinnlos, spannend wäre es allemal.
Während ich meine 1989er Tagebücher sichte, verblüfft mich die Vielfalt und Lebendigkeit des (auch meines) intellektuellen Lebens dieser Monate einerseits und die (anscheinend) fast völlige Folgenlosigkeit all dessen für den historischen Prozeß, wie er sich dann tatsächlich vollzogen hat.
Unsere gegenwärtige Krisensituation löst in mir ganz ähnliche Empfindungen aus: Ein Tohuwabohu, ein Universum von Äußerungen aller Art zur Krise einerseits und andererseits das Gefühl, daß die wahren materiellen Prozesse davon völlig unberührt ablaufen (oder stagnieren).
Ich vermute, daß der Schlüssel zum Verstehen dieses seltsamen Zwiespalts in der Dialektik (Ja, ich weiß: Wer heute noch "Dialektik" sagt, disqualifiziert sich selbst - - - Gähn!), in der Dialektik von Volk und Macht liegt.
Auf Marx fußend, glaubten wir, mit dem Historischen Materialismus sehr weitgehende Antworten gefunden zu haben. Auf Lenins Lehre von der Partei neuen Typs fußend, glaubten wir, historisch wirksame politische Hebel entwickelt zu haben. Beides war kein Köhlerglaube. Beide Auffassungen wurden historisch glänzend bestätigt.
Aber auch: Beide Auffassungen wurden historisch entscheidend relativiert.
Wie das Volk einmal geschichtsmächtig sein kann, und wie es ein andermal seine geschichtliche Ohnmacht geradezu sucht - solche Fragen sind mehr als paar Nobelpreise wert.
Darüber zu Reflektieren ist vielleicht schicksalhaft, vielleicht sinnlos, spannend wäre es allemal.
kranich05 - 2009/07/12 12:46
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