als ob leben?
Der Titel dieses Beitrags ist ganz bewußt als ein Hinweis auf das sehr geschätzte, gleichnamige Blog gewählt.
Wenn meine Oma frühmorgens aufgestanden war, fütterte sie die Tiere, Kühe, Schweine, Hühner, den Hund. Mit ihnen hatte sie ihre ersten Gespräche. Beim Füttern und Melken half oft die zwei Häuser weiter wohnende Stieftochter. Danach frühstückten beide gemeinsam.
Im Verlauf des Morgens gab es über den Hofzaun meist ein kurzes Gespräch mit Kurt, dem Sohn, oder Elsbeth, der Schwiegertochter oder den Enkeln. Er war Bäcker und hatte nebenbei eine kleine Landwirtschaft. Da gab es immer etwas zu besprechen und auszutauschen.
Nach dem Melken wurde die 20 Liter-Milchkanne zur Sammelstelle gebracht. (Man schrieb die Jahre 1946, 1947, 1948, 1949 - Ablieferungspflicht.) Dort traf man immer jemanden zum Schwatz, dito beim Abholen der Milchkanne, die jetzt manchmal Magermilch enthielt, nachmittags von der Sammelstelle.
Schräg gegenüber von Omas Haus war der Dorfbrunnen. Er war ein früherer Treffort der Dorfleute. Jetzt war er kaputt, und nur wir Kinder spielten manchmal da. Ich bedauerte immer, daß sein betoniertes Bassin kein Wasser enthielt.
Obwohl ihr Sohn Bäcker war, machte Oma ihre Brote selber. Nur zum Backen wurden sie rübergebracht. Alle Dorffrauen brachten sonnabends ihre Kuchen zum "Bäck", die runden Bleche, groß wie Wagenräder, Thüringer Obstkuchen, auf die der Guß erst in der Bäckerei ausgegossen wurde. Am rückwärtigen Eingang zur Bäckerei war immer etwas los, Kommen, Schwatzen, Gehen. Und Onkel Kurt war der Hahn im Korbe. Ich saß auf den Stufen der Steintreppe, die 'rauf zum Laden führte, und sah und hörte alles mit an.
Wenn ich frühmorgens aufstehe und noch etwas benommen bin, spüre ich manchmal ganz leise ganz kurz die Frage, ob ich nicht eigentlich einsam bin.
Dann schalte ich das Radio an, setze den Gasofen in Gang, um meine Brötchen aufzubacken und starte die Kaffeemaschine.
Beim Frühstücken höre ich Radio.
Nach dem Frühstück hole ich meine Zeitung aus dem Kasten, setz mich bequem auf's Sofa und lese ausführlich, mindestens eine Stunde, eine zweite und dritte Tasse Kaffee neben mir.
Zwischendurch gehe ich meist mal kurz in den Garten, um die grünen Kinder zu begrüßen.
Nach dem Zeitunglesen setze ich mich an den Rechner. Ich habe manche Fragen. Das Internet hat mit Vieles mitzuteilen. Meist antworte ich ihm etwas. Oder ich denke mir mein Teil, und gebe dann ungefragt meine Weisheit kund; ein bißchen die Welt retten. Das dauert fast immer Stunden.
Irgendwann mal ein Telefonanruf. Ist mir fast schon zu viel.
Ich habe das Gefühl, sozial vernetzt zu sein, sinnvoll zu leben.
Komisch oder?
Wenn meine Oma frühmorgens aufgestanden war, fütterte sie die Tiere, Kühe, Schweine, Hühner, den Hund. Mit ihnen hatte sie ihre ersten Gespräche. Beim Füttern und Melken half oft die zwei Häuser weiter wohnende Stieftochter. Danach frühstückten beide gemeinsam.
Im Verlauf des Morgens gab es über den Hofzaun meist ein kurzes Gespräch mit Kurt, dem Sohn, oder Elsbeth, der Schwiegertochter oder den Enkeln. Er war Bäcker und hatte nebenbei eine kleine Landwirtschaft. Da gab es immer etwas zu besprechen und auszutauschen.
Nach dem Melken wurde die 20 Liter-Milchkanne zur Sammelstelle gebracht. (Man schrieb die Jahre 1946, 1947, 1948, 1949 - Ablieferungspflicht.) Dort traf man immer jemanden zum Schwatz, dito beim Abholen der Milchkanne, die jetzt manchmal Magermilch enthielt, nachmittags von der Sammelstelle.
Schräg gegenüber von Omas Haus war der Dorfbrunnen. Er war ein früherer Treffort der Dorfleute. Jetzt war er kaputt, und nur wir Kinder spielten manchmal da. Ich bedauerte immer, daß sein betoniertes Bassin kein Wasser enthielt.
Obwohl ihr Sohn Bäcker war, machte Oma ihre Brote selber. Nur zum Backen wurden sie rübergebracht. Alle Dorffrauen brachten sonnabends ihre Kuchen zum "Bäck", die runden Bleche, groß wie Wagenräder, Thüringer Obstkuchen, auf die der Guß erst in der Bäckerei ausgegossen wurde. Am rückwärtigen Eingang zur Bäckerei war immer etwas los, Kommen, Schwatzen, Gehen. Und Onkel Kurt war der Hahn im Korbe. Ich saß auf den Stufen der Steintreppe, die 'rauf zum Laden führte, und sah und hörte alles mit an.
Wenn ich frühmorgens aufstehe und noch etwas benommen bin, spüre ich manchmal ganz leise ganz kurz die Frage, ob ich nicht eigentlich einsam bin.
Dann schalte ich das Radio an, setze den Gasofen in Gang, um meine Brötchen aufzubacken und starte die Kaffeemaschine.
Beim Frühstücken höre ich Radio.
Nach dem Frühstück hole ich meine Zeitung aus dem Kasten, setz mich bequem auf's Sofa und lese ausführlich, mindestens eine Stunde, eine zweite und dritte Tasse Kaffee neben mir.
Zwischendurch gehe ich meist mal kurz in den Garten, um die grünen Kinder zu begrüßen.
Nach dem Zeitunglesen setze ich mich an den Rechner. Ich habe manche Fragen. Das Internet hat mit Vieles mitzuteilen. Meist antworte ich ihm etwas. Oder ich denke mir mein Teil, und gebe dann ungefragt meine Weisheit kund; ein bißchen die Welt retten. Das dauert fast immer Stunden.
Irgendwann mal ein Telefonanruf. Ist mir fast schon zu viel.
Ich habe das Gefühl, sozial vernetzt zu sein, sinnvoll zu leben.
Komisch oder?
kranich05 - 2009/06/11 12:43