Stimmen der Gesellschaft
In meinem Tagebuch von 1989 (hier) habe ich mich verärgert über Künstler/Schriftsteller geäußert, die es nach meiner damaligen Ansicht "geschafft hatten" und nichts mehr für eine kritische Öffentlichkeit riskierten.
Darin drückte sich wohl meine Ohnmacht aus, eigene kritische Gedanken selbst öffentlich zu vertreten oder wenigstens durch Andere vertreten zu sehen.
Daß an Künstler, die nun einmal für die Öffentlichkeit wirken, im Realsozialismus überzogene Erwartungen gerichtet wurden, hinsichtlich ihrer sozusagen politischen Orientierungsfunktion, ist seither oft festgestellt worden. Zweifellos gab es diese Überforderung, und sie war Ausdruck der undemokratischen Reglementierung der öffentlichen Meinung.
Doch man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die Gesellschaft braucht Stimmen, die das, was Viele erst empfinden, vielleicht kaum ahnen, in's Bewußtsein heben, gültiger und in weiterführender Weise ausdrücken.
Der Zufall wollte es, daß ich gestern, da ich die genannte, 20 Jahre alte Tagebuchnotiz wiederentdeckte, hier im Blog beklagte, daß deutsche Intellektuelle gegenwärtig so schweigsam sind, wenn es gilt, Partei gegen den aggressiven Zionismus Israels und für die Solidarität mit den Menschen in Palästina zu ergreifen.
Ein Problem der "Stimmen der Gesellschaft" scheint heute ebenfalls zu bestehen. Auch wenn die Verhältnisse offenkundig verändert sind. Vordergründig gibt es keine Reglementierung der freien Meinungsäußerung. Im Gegenteil, es gibt wahrhaft erdrückende Massen von Meinungsausdruck.
Brigitte Burmeister (auch dieser Bezug geht auf alte Lektüre zurück), sagte 2004 in einem Interview (das man hier findet):
"Dass Literatur nicht mehr das bevorzugte Medium ist, in dem eine Gesellschaft sich selbst reflektiert und sich über „menschliche Verhältnisse“ verständigt, bedeutet nun nicht, dass es keine Bücher mehr gibt, die zu solcher Reflexion und Verständigung herausfordern. Sie dominieren nur nicht (mehr), ihr Publikum ist vielleicht kleiner geworden, weil es eine größere Menge höchst unterschiedlicher Leserkreise mit ihren jeweiligen Neigungen und Interessen gibt. Die Aufmerksamkeit wechselt rascher von einer Neuerscheinung zur nächsten, von einem Trend zum anderen, die Betriebsamkeit ist groß, der Büchermarkt unüberschaubar. Der Bestseller vertritt, was früher einmal die verbindende oder verbindliche Wirkung eines großen Textes war." (Hervorhebung von mir.)
Auf die Literatur bezogen der Bestseller, allgemeiner gesagt: Die meinungsmachenden Medien ersetzen die Stimme der Öffentlichkeit.
Stimmen werden veröffentlicht, unbeschränkt, uferlos. Dass sie nicht zu Stimmen der Gesellschaft werden, sichert ein aufwendiges und lückenloses System der Förderung, Umformung und Vernutzung; ein System, dessen Substanz in Kauf und Verkauf besteht.
Die (scheinbare) Harmlosigkeit unserer alltäglichen, lebensnotwendigen Kauf- und Verkaufshandlungen, verdeckt, daß wir es mit dem einzigen Verhältnis zu tun haben, das ein wahrhaft totalitäres ist.
Die Herren des Geldes lassen sprechen. Die Gesellschaft schweigt noch immer.
Darin drückte sich wohl meine Ohnmacht aus, eigene kritische Gedanken selbst öffentlich zu vertreten oder wenigstens durch Andere vertreten zu sehen.
Daß an Künstler, die nun einmal für die Öffentlichkeit wirken, im Realsozialismus überzogene Erwartungen gerichtet wurden, hinsichtlich ihrer sozusagen politischen Orientierungsfunktion, ist seither oft festgestellt worden. Zweifellos gab es diese Überforderung, und sie war Ausdruck der undemokratischen Reglementierung der öffentlichen Meinung.
Doch man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die Gesellschaft braucht Stimmen, die das, was Viele erst empfinden, vielleicht kaum ahnen, in's Bewußtsein heben, gültiger und in weiterführender Weise ausdrücken.
Der Zufall wollte es, daß ich gestern, da ich die genannte, 20 Jahre alte Tagebuchnotiz wiederentdeckte, hier im Blog beklagte, daß deutsche Intellektuelle gegenwärtig so schweigsam sind, wenn es gilt, Partei gegen den aggressiven Zionismus Israels und für die Solidarität mit den Menschen in Palästina zu ergreifen.
Ein Problem der "Stimmen der Gesellschaft" scheint heute ebenfalls zu bestehen. Auch wenn die Verhältnisse offenkundig verändert sind. Vordergründig gibt es keine Reglementierung der freien Meinungsäußerung. Im Gegenteil, es gibt wahrhaft erdrückende Massen von Meinungsausdruck.
Brigitte Burmeister (auch dieser Bezug geht auf alte Lektüre zurück), sagte 2004 in einem Interview (das man hier findet):
"Dass Literatur nicht mehr das bevorzugte Medium ist, in dem eine Gesellschaft sich selbst reflektiert und sich über „menschliche Verhältnisse“ verständigt, bedeutet nun nicht, dass es keine Bücher mehr gibt, die zu solcher Reflexion und Verständigung herausfordern. Sie dominieren nur nicht (mehr), ihr Publikum ist vielleicht kleiner geworden, weil es eine größere Menge höchst unterschiedlicher Leserkreise mit ihren jeweiligen Neigungen und Interessen gibt. Die Aufmerksamkeit wechselt rascher von einer Neuerscheinung zur nächsten, von einem Trend zum anderen, die Betriebsamkeit ist groß, der Büchermarkt unüberschaubar. Der Bestseller vertritt, was früher einmal die verbindende oder verbindliche Wirkung eines großen Textes war." (Hervorhebung von mir.)
Auf die Literatur bezogen der Bestseller, allgemeiner gesagt: Die meinungsmachenden Medien ersetzen die Stimme der Öffentlichkeit.
Stimmen werden veröffentlicht, unbeschränkt, uferlos. Dass sie nicht zu Stimmen der Gesellschaft werden, sichert ein aufwendiges und lückenloses System der Förderung, Umformung und Vernutzung; ein System, dessen Substanz in Kauf und Verkauf besteht.
Die (scheinbare) Harmlosigkeit unserer alltäglichen, lebensnotwendigen Kauf- und Verkaufshandlungen, verdeckt, daß wir es mit dem einzigen Verhältnis zu tun haben, das ein wahrhaft totalitäres ist.
Die Herren des Geldes lassen sprechen. Die Gesellschaft schweigt noch immer.
kranich05 - 2009/03/12 12:54
Trackback URL:
http://opablog.twoday.net/stories/5577076/modTrackback