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Endzeitphantasien

I.
Der geschätzte Karl Weiss hat seinem Affen mal so richtig Zucker gegeben.
Götterdämmerung.
Das Ende des Kapitalismus ist eine Frage weniger Jahre. (Fast möchte man meinen weniger Tage.)
In seinem Artikel wird mit Zahlen und Schaubildern hantiert, Begriffe, wie "Kredit" und "Blasen" alarmieren. Sogar "eherne Gesetze der Ökonomie" kommen vor. Die hat der alte Marx den sozialdemokratischen Verbalrevoluzzern schon vor 140 Jahren um die Ohren gehauen.
Läßt unser heißes utopisches Sehnen uns mal wieder alle Realität vergessen?

II.
Spekulieren ist so schön. Ich versuch's auch mal:
Alle großen Revolutionen haben eine intensive, jahrzehntelange, geistig-politisch-praktische Vorbereitung gebraucht.
Der moderne Buchdruck wurde 70 Jahre vor der frühbürgerlichen Revolution erfunden.
Das Pfeiferhänslein von Niklashausen riskierte 50 Jahre vor den aufständischen Bauern Kopf und Kragen.
Joss Fritz organisierte mehr als 20 Jahre lang die Revolution.
Uralte Kamellen?

Die Enzyklopädisten arbeiteten Jahrzehnte vor der Revolution jahrzehntelang daran, den Müll aus den Köpfen zu drängen, damit Massen zu einem "neuen Denken" (sic!) fähig wurden. Bevor ein Volk seinen König wirklich köpft, muß es das tausendmal in seinen Gefühlen und Gedanken getan haben.
Alte Kamellen?

Marx und Engels schrieben ihr "Kommunistisches Manifest" 70 Jahre vor der Oktoberrevolution. Lenin untersuchte den Kapitalismus in Rußland 25 Jahre vor der Revolution, die er Zeit seines Lebens vorbereitete.
Igitt, Lenin, das ist ja wohl die ungenießbarste aller Kamellen.

Ich finde, wir täten gut daran, mit der Arbeit zu beginnen, damit die Revolution in 30, 40, 50 Jahren siegt.

Und noch eine Spekulation:
Die Bauern, unsere Vorkämpfer vor Jahrhunderten, brachten es bis zur offenen Feldschlacht für die Befreiung der Menschheit. Nicht weniger aber auch nicht mehr.
Die radikalen Demokraten der französischen Revolution (aber nicht die Kommunisten von Marat oder Babeuf) errangen die politische Macht und behaupteten sie monatelang.
Die sozialistische Oktoberrevolution brachte es zum vollständigen militärisch-politischen Sieg, behauptete ihn jahrelang und veränderte Grundbausteine der Gesellschaft.
Wenn in diesen drei Anläufen eine Tendenz liegt, dann die, daß die nächste Revolution endlich die Zeit dauerhafter neuer menschlicher Verhältnisse eröffnet.
eule70 (Gast) - 2009/03/04 02:04

Eine schöne Spekulation. Aber sagen wir realistischer: nicht "dauerhafter", aber "dauerhafterer" neuer menschlicher Verhältnisse...

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