Kommunistischer Hochmut
Diesen Ausdruck verwendete Lenin häufig in den Jahren nach der Revolution. Er bezeichnete damit Kommunisten, meist kommunistische Funktionäre, die glaubten, mit der Erringung der revolutionären Macht zugleich einen Anspruch auf endgültige Wahrheit und ein Anrecht auf die Mißachtung anderer Standpunkte erworben zu haben. Oft paarte sich diese Haltung mit "bürokratischem Durchregieren", nicht selten mit persönlicher Vorteilsnahme.
Die mangelnde Fähigkeit oder gar Bereitschaft mancher Kommunisten, sich den neuartigen, noch schwierigeren Aufgaben des alltäglichen sozialistischen Aufbaus zu stellen, führte Lenin zu Äußerungen, wie: Nun, nach dem vollen Sieg über die Klassenfeinde, könne der Kommunismus nur noch von den Kommunisten selbst verhindert werden.
Dieser "kommunistische Hochmut", der mit einer erstaunlichen Bescheidenheit bei der Kritik eigener Versäumnisse einhergeht, fiel mir ein, als ich eine Rezension von Eberhard Czichon des biographischen Handbuchs "Deutsche Kommunisten" von Hermann Weber/Andreas Herbst in der "jungen welt" (vom 23.2.2009) gelesen habe. Des Langen und Breiten empört sich Czichon, daß der Antikommunist Hermann Weber sein 1100-Seiten-Werk von antikommunistischen Positionen geschrieben hat. Der viel größere Skandal, daß es in 40 Jahren DDR und 80 Jahren Sowjetunion nicht möglich war, ein solches Biographisches Handbuch als Standardwerk zu schaffen, ist ihm gleichsam ein bedauerndes Schulterzucken wert. Dieses Defizit, schreibt er, schlachten Antikommunisten nun hemmungslos aus. Muß ich vermuten, daß Geschichtsklitterung für Kommunisten eine läßliche Sünde ist? wohl, weil sie es für "die große Sache" tun?
Soll man es "kommunistischen Hochmut" oder nur "kommunistische Dumpfheit" nennen, was Egon Krenz in derselben Zeitung zum 80. Geburtstag von Herbert Mies schreibt? Von der Überschrift "Für einen neuen Sozialismus" bis zur Bildunterschrift "Kein Schwelgen in Erinnerungen: Herbert Mies ist Analytiker und Optimist" überzeugt nichts an diesem Beitrag. Mit welchen politischen Einsichten und Schachzügen hat DKP-Vorsitzender Mies der Bedeutungslosigkeit seiner Partei entgegengewirkt? Fehlanzeige. Krenz weiß zu rühmen, daß Mies widerspenstig sein konnte. "Das brachte ihm manche streitbare Diskussionen mit Honecker, mir und anderen SED-Politbüromitgliedern ein. Er hat sie immer als Streit in der Familie verstanden, nie auf dem Marktplatz der Eitelkeiten ausgetragen,..."
Ja, unsereins werkelte für den DDR-Sozialismus - auf dem Marktplatz, ohne Familienanschluß, der Eitelkeit hingegeben.
Die mangelnde Fähigkeit oder gar Bereitschaft mancher Kommunisten, sich den neuartigen, noch schwierigeren Aufgaben des alltäglichen sozialistischen Aufbaus zu stellen, führte Lenin zu Äußerungen, wie: Nun, nach dem vollen Sieg über die Klassenfeinde, könne der Kommunismus nur noch von den Kommunisten selbst verhindert werden.
Dieser "kommunistische Hochmut", der mit einer erstaunlichen Bescheidenheit bei der Kritik eigener Versäumnisse einhergeht, fiel mir ein, als ich eine Rezension von Eberhard Czichon des biographischen Handbuchs "Deutsche Kommunisten" von Hermann Weber/Andreas Herbst in der "jungen welt" (vom 23.2.2009) gelesen habe. Des Langen und Breiten empört sich Czichon, daß der Antikommunist Hermann Weber sein 1100-Seiten-Werk von antikommunistischen Positionen geschrieben hat. Der viel größere Skandal, daß es in 40 Jahren DDR und 80 Jahren Sowjetunion nicht möglich war, ein solches Biographisches Handbuch als Standardwerk zu schaffen, ist ihm gleichsam ein bedauerndes Schulterzucken wert. Dieses Defizit, schreibt er, schlachten Antikommunisten nun hemmungslos aus. Muß ich vermuten, daß Geschichtsklitterung für Kommunisten eine läßliche Sünde ist? wohl, weil sie es für "die große Sache" tun?
Soll man es "kommunistischen Hochmut" oder nur "kommunistische Dumpfheit" nennen, was Egon Krenz in derselben Zeitung zum 80. Geburtstag von Herbert Mies schreibt? Von der Überschrift "Für einen neuen Sozialismus" bis zur Bildunterschrift "Kein Schwelgen in Erinnerungen: Herbert Mies ist Analytiker und Optimist" überzeugt nichts an diesem Beitrag. Mit welchen politischen Einsichten und Schachzügen hat DKP-Vorsitzender Mies der Bedeutungslosigkeit seiner Partei entgegengewirkt? Fehlanzeige. Krenz weiß zu rühmen, daß Mies widerspenstig sein konnte. "Das brachte ihm manche streitbare Diskussionen mit Honecker, mir und anderen SED-Politbüromitgliedern ein. Er hat sie immer als Streit in der Familie verstanden, nie auf dem Marktplatz der Eitelkeiten ausgetragen,..."
Ja, unsereins werkelte für den DDR-Sozialismus - auf dem Marktplatz, ohne Familienanschluß, der Eitelkeit hingegeben.
kranich05 - 2009/02/27 07:35
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