Das Zigeunerlager zieht in den Himmel
Es zieht in den Himmel, und es kommt zurück...Nichts hält diese Bewegung auf, und nichts, auch die Liebe nicht, hält den Freiheitswillen von Rada und Sobar auf.
Als dieser Film damals 1976 in unsere Kinos kam, ging es wie ein Lauffeuer.
Kult.
Jeder mußte sie gesehen haben, diese rücksichtslos erzählte Geschichte von Freiheit und Liebe und Tod, diese Verschmelzung von Romantik und Realistik eingebettet in eine hinreißende Musikdramaturgie.
Wir, in unseren beengenden DDR-Grenzen, spürten den heißen Atem eines archaischen Volkslebens und wie er um 1900, dem Zeitpunkt der Filmhandlung, auf den noch raueren Atem einer neuen Epoche trifft.
Heute, Jahrzehnte später, Globalisierung ist jedes zweite Wort, hat mich der Film ganz anders und noch widersprüchlicher gefesselt und begeistert. Unterbewußt sagte es in mir immer wieder: All das hat unser 20. Jahrhundert, "das Zeitalter der Extreme", ausgelöscht. Alle diese wilden, freien Zigeuner wurden von den Nazis in die Verbrennungsöfen getrieben.
Und die Reste hat der globalkapitalistische Gleichmacher plattgewalzt. Sobar fährt jetzt einen Truck und pendelt zwischen Budapest und Hamburg, mit Pausen bei Macdonalds und im Erotikshop des Autohofs.
Und doch: Ist sie uns heute auch fern, die Geschichte, die dort berichtet wird, ist sie doch ganz und gar wirklich. So wirklich, wie der Glaube, daß die Menschen eines Tages Einsicht gewinnen und ihre Kraft sammeln und das Unheil abwenden.
Land: Sowjetunion 1976
Darsteller: Swetlana Tomowa, Grigore Grigoriu, Pawel Andrejtschenko, Sergiu Finiti
Regie, Buch: Emil Loteanu
Musik: Jewgeni Doga
Produzent: Mosfilm ?
Nach Maxim Gorkis Erzählung "Makar Tschudra" (1882)
Der Soundtrack ist als CD erschienen.
kranich05 - 2009/01/30 20:55
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