Totengedenken
In wenigen Tagen ist es ein Vierteljahr her, daß uns drei Todesfälle getroffen haben. Ich bemerke heute, wie verschieden mir die Toten gegenwärtig sind.
Der Schwiegervater/Vater in seiner eigenwilligen, oftmals auch störrischen oder gar verletzenden Art hat sich in der Erinnerung gewandelt. Wir spüren jetzt oft (und sowohl in kleinen wie in großen Dingen), wie er an uns gedacht hat, wie er für uns nach seinem Ableben vorgesorgt hat. Daraus entstehen Gefühle der Wärme und Dankbarkeit.
Meine Schwester ist mir nach wie vor in ihrer Vitalität gegenwärtig. Komme ich unverhofft mit einem Erinnerungsstück in Berührung, empfinde ich sogleich ihre Frische und Unbekümmertheit, ihren Optimismus. Solche Gefühle habe ich sogar stärker als zu ihren Lebzeiten – wohl deshalb, weil es nun keine nagenden Sorgen um ihren Gesundheitszustand mehr gibt.
Dieses Auflodern eines freudigen Gefühls wird gleich gebremst durch die Trauer, daß sie nun nicht mehr ist. Die fast fröhliche Erinnerung und eine Trauer, die doch Schwere hat, halten sich merkwürdig die Waage.
Und Anka? Die Zeiten als wir täglich an sie dachten, sind zu Ende gegangen. Gestern ging ich einen Weg, den ich fast nur mit ihr gegangen bin. Und mir wurde bewußt, daß meine Erinnerungen an sie verblassen. In meinen inneren Filmen sehe ich sie kleiner, sie bewegt sich schneller, wirkt eher grau als farbig. Unser Hundele tritt dem Verschwinden näher. Sie konnte nicht wie ein Mensch vorsorgen, den Lebenden wichtig zu bleiben.
Ich bin mir des Luxus bewußt, meine Trauer ungestört ausleben zu können.
Ich versuche mir vorzustellen, wie die Überlebenden der Massaker in Gaza mit dem Tod ihrer Liebsten umgehen. Im Elend überlebend und von Schmerz zerrissen und von neuer allgegenwärtiger Todesfurcht gepeinigt. Es muß ein Höllenzustand sein. Verlassen von aller Welt. Von übermächtiger Gewalt zur Aufgabe und völligen Selbstzerstörung getrieben aber gerade dazu beim Schmerz um all die Opfer und im Namen der Behauptung der letzten menschlichen Liebesregung keinesfalls bereit oder fähig zu sein. Da sind Menschen wie du und ich zu Martern verurteilt, wie sie die Religionen den größten Übeltätern ausmalen.
Nicht alle werden dort wahnsinnig. Ich bewundere alle, die weiter kämpfen. Und ich verstehe es, daß manche zu selbstzerstörerischem Terror greifen.
Ein Fluch denen, die das Menschen antun, die friedlich auf ihrem Land leben wollen. Ein Fluch denen, die ungerührt zusehen und kein Halt gebieten.
Der Schwiegervater/Vater in seiner eigenwilligen, oftmals auch störrischen oder gar verletzenden Art hat sich in der Erinnerung gewandelt. Wir spüren jetzt oft (und sowohl in kleinen wie in großen Dingen), wie er an uns gedacht hat, wie er für uns nach seinem Ableben vorgesorgt hat. Daraus entstehen Gefühle der Wärme und Dankbarkeit.
Meine Schwester ist mir nach wie vor in ihrer Vitalität gegenwärtig. Komme ich unverhofft mit einem Erinnerungsstück in Berührung, empfinde ich sogleich ihre Frische und Unbekümmertheit, ihren Optimismus. Solche Gefühle habe ich sogar stärker als zu ihren Lebzeiten – wohl deshalb, weil es nun keine nagenden Sorgen um ihren Gesundheitszustand mehr gibt.
Dieses Auflodern eines freudigen Gefühls wird gleich gebremst durch die Trauer, daß sie nun nicht mehr ist. Die fast fröhliche Erinnerung und eine Trauer, die doch Schwere hat, halten sich merkwürdig die Waage.
Und Anka? Die Zeiten als wir täglich an sie dachten, sind zu Ende gegangen. Gestern ging ich einen Weg, den ich fast nur mit ihr gegangen bin. Und mir wurde bewußt, daß meine Erinnerungen an sie verblassen. In meinen inneren Filmen sehe ich sie kleiner, sie bewegt sich schneller, wirkt eher grau als farbig. Unser Hundele tritt dem Verschwinden näher. Sie konnte nicht wie ein Mensch vorsorgen, den Lebenden wichtig zu bleiben.
Ich bin mir des Luxus bewußt, meine Trauer ungestört ausleben zu können.
Ich versuche mir vorzustellen, wie die Überlebenden der Massaker in Gaza mit dem Tod ihrer Liebsten umgehen. Im Elend überlebend und von Schmerz zerrissen und von neuer allgegenwärtiger Todesfurcht gepeinigt. Es muß ein Höllenzustand sein. Verlassen von aller Welt. Von übermächtiger Gewalt zur Aufgabe und völligen Selbstzerstörung getrieben aber gerade dazu beim Schmerz um all die Opfer und im Namen der Behauptung der letzten menschlichen Liebesregung keinesfalls bereit oder fähig zu sein. Da sind Menschen wie du und ich zu Martern verurteilt, wie sie die Religionen den größten Übeltätern ausmalen.
Nicht alle werden dort wahnsinnig. Ich bewundere alle, die weiter kämpfen. Und ich verstehe es, daß manche zu selbstzerstörerischem Terror greifen.
Ein Fluch denen, die das Menschen antun, die friedlich auf ihrem Land leben wollen. Ein Fluch denen, die ungerührt zusehen und kein Halt gebieten.
kranich05 - 2009/01/10 18:17