Ein Paar hat ausgekämpft
Sie wächst als uneheliches Kind in Dresden auf. Die Schönheit der Kunststadt an der Elbe ist ihr ganzer Reichtum.
Er wächst heran in einer disziplinierten, aufstiegsorientierten Familie im Ruhrgebiet, in einem Familienclan des Ruhrpotts.
Der Krieg führt ihn nach Dresden, wo er das ungebundene schöngeistige Leben und seine Liebe entdeckt.
Sie schätzt seine Zuverläßigkeit, seine Kraft, die sie durch alle Zurückhaltung spürt.
Sie verbinden ihre Leben.
Nach dem Krieg eilt er zurück ins Ruhrgebiet. Nur hier kann er sich vorstellen, für seine kleine Familie gut zu sorgen.
Sie folgt ihm widerstrebend; vom Mann, vom 1. Kind, das unterwegs ist, von der Not gezwungen.
Er wurzelt in seiner Heimaterde, leistet anerkannte Arbeit.
Sie sorgt im engen Kreis für die Familie. Sie kämpft mit dem überall eindringenden Ruhrgebietsdreck. Bald haßt sie jedes Blatt, jeden Baum, jede schwarzgraue Häuserfassade.
Ihre Auseinandersetzungen sind erbittert und enden nie. Einzige ungeteilte Freude sind ihre beiden Kinder.
Er erlebt, trotz schlechter Startbedingungen, den beruflichen Aufstieg in Führungspositionen eines traditionsreichen Unternehmens.
Sie wird immer öfter krank. In Kuraufenthalten lebt sie auf. Einem Kurschatten schenkt sie die Uhr, die ihr Mann ihr verehrt hatte.
Als er auf die Rente zugeht, freuen sie sich darauf, nun bald mehr zu unternehmen.
Doch der Krebs überfällt sie mit Wucht. Ihr Ende ist schwer, denn sie hat, wie der Arzt sagt, ein kerngesundes Herz.
Sie will keinesfalls im Ruhrgebiet begraben sein, auch nicht in Dresden, das ist jetzt DDR.
Sie findet ihre letzte Ruhestätte im Hessischen.
Auf ihren Grabstein läßt sie schreiben:
Edelgard S.
aus Dresden
Er überlebt sie fast dreißig Jahre. Er sucht sich keine zweite Frau.
Er pflegt ihr Andenken, ja, er adelt die Erinnerung an sie. Trotzdem, daß sie seine Uhr verschenkt hat, bleibt ihm immer unbegreiflich.
Er will bei seiner Frau begraben sein, im Hessischen. Auf dem Grabstein ist genügend Platz. Dennoch wünscht er, daß die Worte „aus Dresden“ nun entfernt werden. Die Nachwelt geht, gleichsam samten, über diesen Wunsch hinweg.
Am Ende sind diese Worte zu lesen:
Edelgard S.
aus Dresden
Wilfried S.
In acht Jahren wird die Grabstelle geräumt.
Er wächst heran in einer disziplinierten, aufstiegsorientierten Familie im Ruhrgebiet, in einem Familienclan des Ruhrpotts.
Der Krieg führt ihn nach Dresden, wo er das ungebundene schöngeistige Leben und seine Liebe entdeckt.
Sie schätzt seine Zuverläßigkeit, seine Kraft, die sie durch alle Zurückhaltung spürt.
Sie verbinden ihre Leben.
Nach dem Krieg eilt er zurück ins Ruhrgebiet. Nur hier kann er sich vorstellen, für seine kleine Familie gut zu sorgen.
Sie folgt ihm widerstrebend; vom Mann, vom 1. Kind, das unterwegs ist, von der Not gezwungen.
Er wurzelt in seiner Heimaterde, leistet anerkannte Arbeit.
Sie sorgt im engen Kreis für die Familie. Sie kämpft mit dem überall eindringenden Ruhrgebietsdreck. Bald haßt sie jedes Blatt, jeden Baum, jede schwarzgraue Häuserfassade.
Ihre Auseinandersetzungen sind erbittert und enden nie. Einzige ungeteilte Freude sind ihre beiden Kinder.
Er erlebt, trotz schlechter Startbedingungen, den beruflichen Aufstieg in Führungspositionen eines traditionsreichen Unternehmens.
Sie wird immer öfter krank. In Kuraufenthalten lebt sie auf. Einem Kurschatten schenkt sie die Uhr, die ihr Mann ihr verehrt hatte.
Als er auf die Rente zugeht, freuen sie sich darauf, nun bald mehr zu unternehmen.
Doch der Krebs überfällt sie mit Wucht. Ihr Ende ist schwer, denn sie hat, wie der Arzt sagt, ein kerngesundes Herz.
Sie will keinesfalls im Ruhrgebiet begraben sein, auch nicht in Dresden, das ist jetzt DDR.
Sie findet ihre letzte Ruhestätte im Hessischen.
Auf ihren Grabstein läßt sie schreiben:
Edelgard S.
aus Dresden
Er überlebt sie fast dreißig Jahre. Er sucht sich keine zweite Frau.
Er pflegt ihr Andenken, ja, er adelt die Erinnerung an sie. Trotzdem, daß sie seine Uhr verschenkt hat, bleibt ihm immer unbegreiflich.
Er will bei seiner Frau begraben sein, im Hessischen. Auf dem Grabstein ist genügend Platz. Dennoch wünscht er, daß die Worte „aus Dresden“ nun entfernt werden. Die Nachwelt geht, gleichsam samten, über diesen Wunsch hinweg.
Am Ende sind diese Worte zu lesen:
Edelgard S.
aus Dresden
Wilfried S.
In acht Jahren wird die Grabstelle geräumt.
kranich05 - 2008/12/19 19:46