Ein Kaiser Wilhelm-Schmarren von Peter Schamoni
„Majestät brauchen Sonne“ nennt Schamoni seinen Film über den deutschen Kaiser Wilhelm zwo und verwendet damit das skurril-fröhliche Pendant zu der bekannten Formulierung aus wilhelminischer Zeit, Deutschland beanspruche seinen Platz an der Sonne.Ein so genanntes „filmische Großportrait“ ist entstanden aus digital restaurierten Originalaufnahmen der jungen Foto- und Filmindustrie. Der Kaiser paradiert, der Kaiser jagt, der Kaiser reist, er menschelt, er posiert. Der Kaiser mit dem Edward oder dem Georg von GB, dem Nikolaus von Rußland, dem Franz Ferdinand, dem griechischem König, dem türkischen Sultan...
Der Kaiser zu Pferde, zu Auto, auf der und jener Yacht, am Flugzeug, in der Nähe des Luftschiffs, mit der Axt in der Hand - wie viel historisches Kolorit wurde da zusammengedreht - und bleibt nichtssagend.
Immerhin lebte Wilhelm II. von 1859 bis 1941, war Kaiser von 1888 bis 1918, wirkte höchst aktiv in der Zeit, die zum Weltkrieg I und der Großen Russischen Revolution führte. Wirkte in einer Zeit, die unsere unmittelbare Vorvergangenheit und heute alles andere als tot und begraben ist.
Buchstäblich nichts davon bei Schamoni. Stolz präsentiert er unserer mediengeilen Gegenwart den ersten Medienkaiser. Also Auflösung nicht nur der Gegenwart, nun auch der wilhelminischen Geschichte in Medienschaum.
Getret'ner Quark wird breit, nicht stark.
Land: Deutschland 1999
Regie: Peter Schamoni
kranich05 - 2008/09/23 11:20
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