Sozialismus in der Wirklichkeit
Domenico Losurdo, den manche als Stalinisten bezeichnen, hat über die Gesellschaft des gegenwärtigen China geschrieben. (Auf sein Buch "Kampf um die Geschichte" hatte ich hier hingewiesen.) Er sieht in diesem Land eine Art gigantische und verlängerte NÖP am Wirken.
Die NÖP – Neue Ökonomische Politik – war bekanntlich das von der nachrevolutionären Praxis (völlig unerwartet!) diktierte und in Lenins genialem Kopf formulierte kühne Konzept der Beendigung des Kriegskommunismus und der beschleunigten Produktivkraftentwicklung mittels Rückgriff auf den Kapitalismus. Die Politik der NÖP half dem revolutionären Rußland zu überleben. Sie wurde bald nach Lenins Tod abgebrochen, lange bevor ihre Potenzen für die sozialistische Entwicklung ausgeschöpft waren.
Die Unreife der marxistischen Theorie vom Sozialismus mag dabei eine Rolle gespielt haben. Bis heute klammern sich Marxisten an Idealvorstellungen vom Geschichtsprozeß, an utopische Bilder sozialistischer Gesellschaftsharmonie.
Losurdo betitelt seinen Beitrag „Den Widerspruch des Sozialismus beherrschen“ und bemüht sich, die sozusagen „Widerspruchsspannweite des Sozialismus“ im gegenwärtigen China auszumessen.
Uns Realsozialisten, die wir mit Gewalt und Krampf einen idealischen Sozialismus schaffen wollten und dabei grandios und in völliger Ratlosigkeit gescheitert sind, steht es gut an, jeden, auch den kleinsten Schritt realer Humanisierung und ihrer theoretischen Widerspiegelung/Deutung wert zu schätzen.
In meinen alten DDR-Tagebüchern finde ich viele kleine, alltägliche Ereignisse erwähnt (z. B. hier und hier), die ein böses Widerspruchsgeschehen in meinem sozialistischen Leben dokumentieren und zugleich, daß ich es geduldet habe, nicht dagegen „aufgestanden“ bin, es auch nicht prinzipiell, grundsätzlich, kritisch verallgemeinert habe. Darüber kann ich heute Schuld empfinden. Doch das mag auch kurzschlüssig sein.
Vielleicht war „mehr Schönheit“ nicht drin, ist nicht drin! Und vielleicht haben wir, um der „sozialistischen Schönheit“ willen, die reale Ermächtigung der Menschen geopfert.
Heute in einem rasenden Kapitalismus lebend, der jede menschliche Qualität bedroht, braucht es jeden Handschlag, der zum menschlichen Überleben beitragen kann.
Die NÖP – Neue Ökonomische Politik – war bekanntlich das von der nachrevolutionären Praxis (völlig unerwartet!) diktierte und in Lenins genialem Kopf formulierte kühne Konzept der Beendigung des Kriegskommunismus und der beschleunigten Produktivkraftentwicklung mittels Rückgriff auf den Kapitalismus. Die Politik der NÖP half dem revolutionären Rußland zu überleben. Sie wurde bald nach Lenins Tod abgebrochen, lange bevor ihre Potenzen für die sozialistische Entwicklung ausgeschöpft waren.
Die Unreife der marxistischen Theorie vom Sozialismus mag dabei eine Rolle gespielt haben. Bis heute klammern sich Marxisten an Idealvorstellungen vom Geschichtsprozeß, an utopische Bilder sozialistischer Gesellschaftsharmonie.
Losurdo betitelt seinen Beitrag „Den Widerspruch des Sozialismus beherrschen“ und bemüht sich, die sozusagen „Widerspruchsspannweite des Sozialismus“ im gegenwärtigen China auszumessen.
Uns Realsozialisten, die wir mit Gewalt und Krampf einen idealischen Sozialismus schaffen wollten und dabei grandios und in völliger Ratlosigkeit gescheitert sind, steht es gut an, jeden, auch den kleinsten Schritt realer Humanisierung und ihrer theoretischen Widerspiegelung/Deutung wert zu schätzen.
In meinen alten DDR-Tagebüchern finde ich viele kleine, alltägliche Ereignisse erwähnt (z. B. hier und hier), die ein böses Widerspruchsgeschehen in meinem sozialistischen Leben dokumentieren und zugleich, daß ich es geduldet habe, nicht dagegen „aufgestanden“ bin, es auch nicht prinzipiell, grundsätzlich, kritisch verallgemeinert habe. Darüber kann ich heute Schuld empfinden. Doch das mag auch kurzschlüssig sein.
Vielleicht war „mehr Schönheit“ nicht drin, ist nicht drin! Und vielleicht haben wir, um der „sozialistischen Schönheit“ willen, die reale Ermächtigung der Menschen geopfert.
Heute in einem rasenden Kapitalismus lebend, der jede menschliche Qualität bedroht, braucht es jeden Handschlag, der zum menschlichen Überleben beitragen kann.
kranich05 - 2008/04/11 13:06
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