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Mit Halbwahrheiten in der Defensive

Im Bemühen, ein wahres Bild der DDR zu zeichnen, festzuhalten, zu erfinden – wie auch immer – („DDR-Stimmen“) betrachtete ich kürzlich zwei Ausgaben der Zeitschrift „RotFuchs“, die im Untertitel „Tribüne für Kommunisten und Sozialisten in Deutschland“ heißt.
Ich werde den Teufel tun und mich nach dieser Stippvisite bereits auf eine Wertung des „R.F.“ einlassen. Nur ein paar Bemerkungen zu einem Artikel.
In Nr. 119 vom Dezember 2007 befaßt sich Hans Reichelt mit der Frage: „Hat Adenauer wirklich die Kriegsgefangenen aus Rußland heimgeholt?“
Er will beweisen, daß bereits vor dem Besuch des westdeutschen Bundeskanzlers 1955 in Moskau in Absprache mit der DDR-Führung alles entschieden war.
Der Artikel teilt zwar Wissenswertes mit, bzw. ruft einige Fakten in Erinnerung. Zugleich aber begnügt er sich mit Teilinformationen und Halbwahrheiten, läßt offensichtliche Widersprüche im Raum stehen, vermeidet Schlußfolgerungen, die sich dem Leser heute aufdrängen.
So fühle ich mich wieder mit dem altbekannten Stil unserer SED-Propaganda konfrontiert: Von oben herab – Tunnelblick - Fehler oder Unfähigkeit der eigenen Seite unter den Teppich kehrend – Tatsachen umdeutend oder überinterpretierend – den Leser unbefriedigt zurücklassend.

Ich wußte nicht, daß 1945 etwa 11 Millionen Angehörige der Hitlerwehrmacht und Waffen-SS interniert wurden, acht Millionen von den Westmächten, rund drei Millionen durch die Sowjetarmee.
Anfang 1950 meldete TASS die Rückführung der letzten 17.000 Kriegsgefangenen und daß sich in der Sowjetunion nun nur noch etwa 35.000 wegen Nazi- und Kriegsverbrechen Verurteilte befänden.
Ohne Kommentar teilt Reichelt mit, daß Adenauer die Freilassung von 90.000 namentlich bekannter Personen verlangt habe. Hatte also TASS gelogen? Oder hatte Adenauer 55.000 Namen erfunden? Es kamen schließlich etwa 30.000 frei (was sich hier findet, von Reichelt aber nicht erwähnt wird).

Reichelt stellt im Einzelnen dar, daß Chruschtschow im Juni 1955 in Erwartung des Besuchs und der avisierten Forderungen Adenauers die DDR Führung einlud „diese Frage mit Ihnen vor den Verhandlungen mit Adenauer (zu) erörtern“, worauf am 31.8. 1955 Wilhelm Pieck einen entsprechenden Brief schrieb.
Was anderes beweist er damit, als daß tatsächlich Adenauer die treibende Kraft dieser Freilassung war und die sowjetischen und deutschen Genossen nur einen kläglichen Versuch machten, dem Bundeskanzler die Schau zu stehlen.
Völlig unbefriedigend ist der Verzicht auf eine historisch-politische Wertung der Frage der deutschen Kriegsgefangenen. Sie kann doch vermutlich nicht von der Frage der sowjetischen Kriegsgefangenen in Deutschland losgelöst werden. Keine Frage wert ist es dem Verfasser, welche Art(en) Gefangene die 30.000 im Jahr 1955 noch in der UdSSR Inhaftierten waren.

Welche Fehler haben die sowjetischen und deutschen regierenden Kommunisten bei der Behandlung faschistischer Kriegsverbrecher begangen, daß diese zu unbescholtenen, bedauernswerten Mitbürgern oder gar zu den heimlichen Helden der neuen deutschen Demokratie werden konnten?

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