Tschewengur - "... und dann sehen wir weiter, wonach du dich mehr sehnst."

"Dwanow ging ins Revkom (Revolutionskomitee) und sprach mit den Leuten. Die klagten ein wenig über das Fehlen von Nessel für Rotarmistenwäsche, weshalb auf den Menschen Läuse wimmelten wie brodelnde Grütze, waren aber entschlossen, bis auf die nackte Erde zu kämpfen.
Ein Lokführer aus dem Depot, der Revkommvorsitzende, sagte zu Dwanow:
"Die Revolution ist ein Risiko: wenn's schief geht, reißen wir das Erdreich heraus und lassen den Lehm übrig, sollen sich sonstwelche Hundesöhne davon ernähren, wenn's dem Arbeiter nicht geglückt ist!"
Eine besondere Aufgabe gaben sie Dwanow nicht, sagten bloß:"Leb hier mit uns, da geht's allen besser, und dann sehen wir weiter, wonach du dich mehr sehnst."
Andrej Platonow, „Tschewengur - Die Wanderung mit offenem Herzen“, Verlag Volk und Welt, Berlin 1990, Seite 75
Ich habe noch nirgends eine adäquate Würdigung der Sprache Platonows gedunden.
Auf mich wirkt sie, als würde das Erdreich selbst, der Sternenhimmel selbst zu mir sprechen.
kranich05 - 2008/01/27 14:32
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