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Vielleicht

«Bald wirst Du jetzt zweiundachtzig sein. Du bist um sechs Zentimeter kleiner geworden, Du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist Du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe Dich mehr denn je. Kürzlich habe ich mich von neuem in Dich verliebt, und wieder trage ich in meiner Brust diese zehrende Leere, die einzig die Wärme Deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag».

Claudia berichtet von dem „Brief an D“, den Andre Gorz seiner Frau Dorine geschrieben hatte, bevor sich beide im September letzten Jahres das Leben nahmen.

Vielleicht wäre es gut, dieses Buch zu lesen? Oder genügt es, zu wissen, daß es dieses Buch gibt?
Und sich der eigenen Erfahrung „zehrender Leere“ zu erinnern, die nichts ausfüllen konnte und der eigenen Jahre, die eins ums andere zunehmen.
Eine Beziehung von solcher Intensität und Intimität, daß sie die ganze Welt aufsog; die vernetzte Welt, die davon erfahren sollte und die nun interessiert, fast alarmiert, ist.
Scheu, sich solcher Intimität zu bemächtigen? Liebe webkontaminiert?
Oder genau dies lernen müssen (oder wollen)?
Murmeltier_Phil - 2008/01/08 16:42

Danke...

für den Tipp. Vielleicht werde ich es mal lesen. Nur nicht jetzt gerade ;-)

meckie (Gast) - 2008/01/11 16:50

Liebe

Hallo kranich, weißt du, dass ich auch schon darüber geschrieben habe?
27.9.07
M. erzählt von einem 84jährigen, der seiner Frau, mit der er seit 60 Jahren verheiratet ist, eine Liebeserklärung macht, sogar beteuert, er liebe sie mehr als je zuvor.
Zumindest alle Frauen werden wegschmelzen, wenn sie so etwas hören. Die Männer nicht?
Uns Normalsterblichen scheint diese Erfahrung aber verschlossen. Wir sind froh, wenn sich unsere Ehen auf die Dauer in gute Kamaradschaftsbeziehungen verwandelt haben. Aber zufrieden macht uns das nicht. Alle möchten ihre Liebe erhalten wissen, möchten weiter an ihr wachsen können, möchten vom Gefühl, geliebt zu werden, beflügelt durch die Welt gehen und durch das Wissen darum, dass man wirklich liebt, wachsen und fester stehen auf dieser Erde.
Und dann noch die Frage: ist das Glück, wenn es gelingt, die Liebe über die Jahre hinweg zu erhalten - oder ist es menschliche Kompetenz, die Fähigkeit vielleicht , wirklich zu lieben?
Die hohe Scheidungs- und Trennungsquote unserer Gesellschaft spricht für die ungebrochene Sehnsucht nach Liebe, nicht aber dafür, das sie uns besonders gut
gelingen würde.

Wir sollten es wohl beide mala lesen.

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