altes Wissen - neu bedacht
In meinem Tagebuch von 1982 finde ich eine Bemerkung zur Kaderarbeit im MSAB (Ministerium für Schwermaschinen- und Anlagenbau), also in einem der Fachministerien - nichts Besonderes, ein alltäglicher kritischer Blick mit dem Bemühen um Differenzierung.
Ich beobachte, den alltäglichen Formalismus und Bürokratismus vor Augen, daß im Handeln auch moralische Werte, sozialistische Ideale eine Rolle spielen. Es war mir damals wichtig, solche empirischen Momente festzuhalten. Wie viel mehr ist es das heute. Die feinen geistigen Fäden zwischen Menschen werden so leicht übersehen und gehen verloren. Erst recht nach dem Umsturz der Verhältnisse. Betonbauten, Stahlkonstruktionen setzen der Vernichtung spürbaren (vergeblichen) Widerstand entgegen. Das Wirken von Idealen, das die Menschen erhöht hat, wird einfach unwirklich, verflüchtigt sich zum Phantom. („Es war gar kein Junge da.“ - wie es in Gorkis Roman „Klim Samgin“ heißt)
Meine Unzufriedenheit drückt sich in dem Satz aus: „Laßt die Jungen Verantwortung tragen!“ Da drückt sich keineswegs ein heftiges, kämpferisches Verlangen aus. Eher geht es da um das Gefühl, daß „das Leben seinen Gang geht“, daß „die Zeit mit uns ist“, daß einmal „die Alten doch ihren Platz räumen“ müssen. „So ist das Leben“ - war eine der beliebtesten Floskeln. Nach den Überanstrengungen der Gründungsjahre schien es jetzt angebracht, „die Zeit arbeiten zu lassen“ oder zumindest angepaßt an ihren Rhythmus zu arbeiten. Daß die Zeit ein erbarmungsloser Wettlauf war, war aus dem Alltagsbewußtsein verschwunden. Eine fatale Fehlsicht, und doch will mir scheinen, daß es einen Sinn hat, dem eigenen Maß, dem eigenen Tempo des Menschenlebens nachzuspüren.
In meinem damaligen Eintrag (und genauso in späteren) findet sich nicht die Spur einer Ahnung, daß wenige Jahre später dieses ganze Leben null und nichtig sein würde. Es schien ohne jede Frage für alle Zukunft gemacht. Die Frage nach Macht und Sicherheit schien ein- für allemal beantwortet. Des Gedankens, daß Machtfragen täglich, mikroskopisch, millionenfach gestellt und entschieden wurden, war ich völlig entwöhnt. Die Machtfrage war ein Abstraktum, für das Andere zuständig waren.
Ja, es war der Zustand einer merkwürdigen Wachheit bei zugleich in Kauf genommener Entmündigung.
Ich beobachte, den alltäglichen Formalismus und Bürokratismus vor Augen, daß im Handeln auch moralische Werte, sozialistische Ideale eine Rolle spielen. Es war mir damals wichtig, solche empirischen Momente festzuhalten. Wie viel mehr ist es das heute. Die feinen geistigen Fäden zwischen Menschen werden so leicht übersehen und gehen verloren. Erst recht nach dem Umsturz der Verhältnisse. Betonbauten, Stahlkonstruktionen setzen der Vernichtung spürbaren (vergeblichen) Widerstand entgegen. Das Wirken von Idealen, das die Menschen erhöht hat, wird einfach unwirklich, verflüchtigt sich zum Phantom. („Es war gar kein Junge da.“ - wie es in Gorkis Roman „Klim Samgin“ heißt)
Meine Unzufriedenheit drückt sich in dem Satz aus: „Laßt die Jungen Verantwortung tragen!“ Da drückt sich keineswegs ein heftiges, kämpferisches Verlangen aus. Eher geht es da um das Gefühl, daß „das Leben seinen Gang geht“, daß „die Zeit mit uns ist“, daß einmal „die Alten doch ihren Platz räumen“ müssen. „So ist das Leben“ - war eine der beliebtesten Floskeln. Nach den Überanstrengungen der Gründungsjahre schien es jetzt angebracht, „die Zeit arbeiten zu lassen“ oder zumindest angepaßt an ihren Rhythmus zu arbeiten. Daß die Zeit ein erbarmungsloser Wettlauf war, war aus dem Alltagsbewußtsein verschwunden. Eine fatale Fehlsicht, und doch will mir scheinen, daß es einen Sinn hat, dem eigenen Maß, dem eigenen Tempo des Menschenlebens nachzuspüren.
In meinem damaligen Eintrag (und genauso in späteren) findet sich nicht die Spur einer Ahnung, daß wenige Jahre später dieses ganze Leben null und nichtig sein würde. Es schien ohne jede Frage für alle Zukunft gemacht. Die Frage nach Macht und Sicherheit schien ein- für allemal beantwortet. Des Gedankens, daß Machtfragen täglich, mikroskopisch, millionenfach gestellt und entschieden wurden, war ich völlig entwöhnt. Die Machtfrage war ein Abstraktum, für das Andere zuständig waren.
Ja, es war der Zustand einer merkwürdigen Wachheit bei zugleich in Kauf genommener Entmündigung.
kranich05 - 2007/11/22 14:50