kostenloser Counter

 

Als die DDR noch lebte ... wußte man manches besser

Aus aktuellem Anlass habe ich in einer Broschüre geblättert, die mir die Eule dankenswerterweise kopiert hat: "Der Alltag in der DDR" Realitäten - Argumente, Herausgegeben von der Friedrich Ebert-Stiftung Bonn 1983.

So z. B. fragen heute Ideologie-Soziologen, um zu messen, welchen Grad der Wirklichkeitsverzerrung punkto DDR 16-jährige Schüler verinnerlicht haben:
In welchem Grad stimmen Sie Aussagen zu, wie
"16. Ich finde es gut, dass in der DDR sich der Staat um alle Bürger kümmerte, auch wenn dadurch der Einzelne weniger Freiheit hatte."
Oder
"41. Es ist besser, in Freiheit zu leben als - wie in der DDR - vom Staat rundum versorgt zu werden."

In der erwähnten Broschüre, Seine 15/16, wird die Versorgung in der DDR erläutert. Man macht es sich nicht so leicht, nur auf die vielen Versorgungsmängel hinzuweisen, sondern erklärt sachlich die sogenannte "öffentliche Versorgung", auf die es sogar einen Rechtsanspruch gab. (Daß dieses Recht im "Gesetzbuch der Arbeit" verankert war, war mir, obwohl ich es jahrzehntelang genossen habe, völlig entfallen.)
Ebertstiftung2
Ebertstiftung3

Ja, es gab sogar einen entsprechenden Rechtsanspruch der Rentner:

Ebertstiftung4
Ebertstiftung5

Nochmal ausdrücklich: Die Quelle der abgebildeten Texte ist die o.g. Broschüre.
Lange-Weile - 2007/11/12 22:08

entwachsen

Hallo Kranich,

die alten Schriften über Recht und Gesetzt in der DDR. Das ist wie eine Zeitreise für mich, die weit in einer Vergangenheit führt, die ganz sicher noch nicht aufgearbeitet wurde. Das Recht auf Arbeiterversorgung - das ist wahr. Meine Essenmarke im Betrieb kostete damals 0,70 M und die Mittagsmahlzeit hatte sogar noch Kompott als Nachtisch.

Heut muß sich so manch einer Gedanken machen, ob er sich überhaupt 1x am Tag eine warme Mah lzeit leisten kann.

Ja...wenn ich die zitietren Aussagen der Jugendlichen in deinem Beitrag auf mich wirken lassen, steckt in der einen eine Sehnsucht nach Versorgung und umsorgt zu werden und in der anderen die Sehnsucht nach Freiheit. In mir stecken beide Sehnsüchte. Ich möchte umsorgt werden und meine Freiheit nicht einschränken müssen.
Doch heut wie damals gilt noch der Spruch "Wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing".

Wir Ossis sind als übernommene Wessi erwachsen geworden - wir sind 18 geworden - und erleben die Gesellschaft als das was sie ist - Kapitalismus. Das spiegelt sich in den Gesprächen der Familien wieder. Damals -meine ersten beiden Kinder sind schon über 30 - erklärte ich meinen KIndern etwas über Pioniere oder FDJ - heut ist mein letzter Sohn 18 und wir sprechen nur noch über Geld . d.h. er möchte kaufen und ich muß ihm die finanziellen Grenzen zeigen. Die Inhalte der Schwerpunkt in den Gesprächen haben sich der aktuellen Gesellschaft angepaßt.

Das heißt - wir sind im Grunde gar nicht wirklich frei - der wirkliche Diktaor hat nur ein anderes Gesicht - das Kapital.

Gruß LaWe


eule70 (Gast) - 2007/11/12 23:09

Ja, für mich klingt das schon paradiesisch! Aber die Frage ist eben, ob sich dieser Staat diese Versorgung auf die Dauer wirtschaftlich leisten konnte (bei uns wird natürlich behauptet, dass solche Dinge zum Ruin der DDR beigetragen haben).
Übrigens imponiert mir auch die Auflage "nach ernährungswissenschaftlichen Grundsätzen" - wenn ich in manchen Blogs auf meiner Roll so lese, was die arbeitende junge Bevölkerung so an Fastfood-Fraß die Woche über in sich hineinstopft.
@langeweile: letzter Satz - ich beglückwünsche zu der Erkenntnis!

kranich05 - 2007/11/14 16:22

Immer langsam mit "paradiesisch"

Geschenke waren das nicht. Wir, unsere kleine Dienststelle (15 Beschäftigte) haben einen Vertrag mit einer großen Betriebsgaststätte geschlossen. Es wurde ein spürbarer Anteil aus unserem Kultur- und Sozialfonds an diesen Vertragspartner bezahlt. Jährlich neuer Vertrag, und wir haben manchmal diskutiert, ob wir das beibehalten wollten.
Es gab vier Essen, für 0,70 M, meist Eintopf, zwei Essen zwischen 1,00 und 1,50 M und ein Essen so bei 2,40 etwa. Frei gab es Rohkostsalate: Immer soviel man wollte Weißkohl, Rotkohl, Möhren, vierte Sorte waren meist Bohnen oder Chicoree/Möhre/Apfel; da waren die Schüsseln oftmals bald leer bzw. wurden nur langsam wieder nachgefüllt. Die Salate waren nicht gerade raffiniert aber ich habe sie gern und viel gegessen.

Ich war oft in Industriebetrieben zu Besuch und habe oft erlebt, daß das Essen recht gut war. Es gab mancherorts aber auch typische Querelen, z. B. um die Einhaltung der getrennten Speiseräume Straßenkleidung/Arbeitskleidung. Manche Arbeiter mußten unbedingt auf denselben Stühlen sitzen, wie die "Sesselfurzer". Das gab böses Blut. Das Interessante: In manchem Betrieb war das ein unüberwindliches Problem, im Nachbarbetrieb überhaupt nicht
meckie (Gast) - 2007/11/13 08:48

Hallo kranich, ich würde in deiner Überschrift schreiben: "Als sie noch lebte ... wußtte man auch im Westen manches besser über die DDR", das macht klarer, worum es geht.
Ansonsten erlebe ich es genau so :
Die ehemaligen DDR-Bürger haben sich nach der Wende redlich bemüht im System, in dem sie nun angekommen waren (nicht ganz unverschuldet, denke ich) zurecht zu kommen und sich den neuen "Gesetzen" und "Liedern" anzupassen.
"Aber wir leben doch jetzt alle im Kapitalismus, da gilt doch das Ellebogenrecht!", sagte mir 1995 ein Student.
Heute erlebe ich immer öfter ein gewisses Aufbegehren, dieses Neue so einfach zu schlucken. Immer mehr Studierende in meinem Fachbereich ( hier: StudentInnen der Sozialen Arbeit) übergehen in ihren Haus- oder Diplomarbeiten (z.B. bei Themen über Bildungspolitik oder Sozialpolitik) die DDR-Zeit nicht einfach, sondern versuchen diese Zeit bewußt wahrzunehmen und ihr gerecht zu werden. Immerhin!

eule70 (Gast) - 2007/11/13 22:56

Ja, immerhin.
Übrigens: Schade Meckie, bei Dir kann ich nicht kommentieren, da kommt eine Fehlermeldung.
bembelkandidat - 2007/11/14 01:49

klingt gut, "selbstkostenpreis"!
was ist denn mit den nicht-berufstätigen gewesen, hatten die auch einen rechtsanspruch auf öffentliche versorgung???

kittykoma - 2007/11/14 14:50

es gab offiziell keine nicht-berufstätigen (mal abgesehen von den wenigen hausfrauen). jeder hatte die pflicht zur arbeit nach seinen fähigkeiten. nichtarbeiten=asozialität war ein straftatbestand.
kranich05 - 2007/11/14 15:57

interessante Frage

Soweit ich weiß, hatten die Nichtberufstätigen keinen Anspruch auf öffentliche Versorgung. Klingt verständlich; aber wie war es, wenn man aus irgendeinem Grund zeitweilig nicht berufstätig war bzw. seinen Beruf nicht ausübte, z. B. eine Mutter im Mütterjahr? In ihrem Betrieb hätte sie auch in dieser Zeit, wenn sie es gewünscht hätte, sicher an der Versorgung teilnehmen können. Wäre das auch in ihrem Wohngebiet, z. B. in einem der Treffs der Volkssolidarität, wo viele Rentner sich versorgen konnten, möglich gewesen? Aus Kulanz sicherlich aber mit Rechtsanspruch? Wohl kaum.

In der Tat gab es viel weniger Nichtberufstätige als heute aber es gab sie. Das Arbeitsgesetzbuch §1 spricht "von der ehrenvollen Pflicht zur Leistung gesellschaftlich nützlicher Tätigkeit".
"Gesellschaftlich nützliche Tätigkeit" ist nicht mit Berufsarbeit identisch und "ehrenvolle Pflicht" nicht mit Arbeitszwang.
Konsequente Verweigerung "nützlicher Tätigkeit" wurde bestraft. Wer weiß Genaues darüber?

Trackback URL:
http://opablog.twoday.net/stories/4439697/modTrackback

Trackbacks zu diesem Beitrag

hoffende.twoday.net - 2009/01/26 20:54

Zeitreise

Beim Blättern durch die Blogs... [weiter]

Aktuelle Beiträge

Neues vom Selbstversorger
Ich kann mich gut erinnern, was für eine ernste...
kranich05 - 2009/12/01 20:49
Kunstpostkarten - Archipow,...
Diese Abbildung stammt aus den Uraltbeständen...
kranich05 - 2009/12/01 11:54
mensch, kranich, ich...
mensch, kranich, ich les ja deinen blog ab und zu...
icke (Gast) - 2009/12/01 02:13
Ich tendiere zu der Ansicht,...
Ich tendiere zu der Ansicht, daß der Mensch,...
kranich05 - 2009/11/30 21:43
Hallo Gitano, ich bin...
Hallo Gitano, ich bin mir nicht sicher, Deine Bemerkungen...
kranich05 - 2009/11/30 21:35

Archiv

November 2007
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 1 
 5 
 8 
13
15
18
23
26
 
 
 

RSS Box

Suche

 

Status

Online seit 1446 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2009/12/01 20:54

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma

sorua enabled
xml version of this page
xml version of this page (summary)

twoday.net AGB


911
alternative Medien
Augenweide
Blog und Tagebuch
DDR-Stimmen
Gaumenfreuden
Gesundheit, Alter, Tod
Haus, Garten, Hund
Hebbel
kein Witz
Kino
Krieg
Kunst
Kunstpostkarten
Lenin
Liebe & Sex
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren