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Das zähe Überleben der DDR

Westerwelle kämpft damit.
SPON schlägt Alarm:
"So extreme Ergebnisse hatten die Forscher nicht erwartet: Die SED-Diktatur als Sozialidyll, als Kinder- und Umweltparadies. Experten haben Berliner Schüler zu DDR und BRD befragt - die erschütternden Ergebnisse lassen für sie nur einen Schluss zu: Deutschlands Jugend braucht dringend mehr Aufklärung."
Das haben sie nun 15 Jahre lang ihren Delegitimierungsauftrag erfüllt, haben die Wahrheit verschwiegen und verbogen und versteckt, und noch immer sind nicht alle Köpfe gewaschen.
Ein hoher Prozentsatz der Berliner 16-Jährigen, knapp die Hälfte, ist skeptisch gegenüber den verordneten Pauschalurteilen über die DDR.
60% sogar schätzen die Arbeitsplatzgarantie, die es in der DDR gab. Unerhört!
Und die Stasi, bekanntlich des Teufels Geheime persönlich, halten 30% für einen mehr oder weniger normalen Geheimdienst.

Wie aus der Studie selbst hervorgeht, haben nicht wenige der in Begleitgesprächen befragten Lehrer den Forschern Hinweise gegeben, wie die Untersuchung differenzierter, problemorientierter gestaltet werden könnte. Solches aber, etwa gar den eigenen Forschungsansatz zu überprüfen, das liegt Prof. Klaus Schroeder und seinen Mitkämpfern vom Forschungsverbund SED-Staat fern.
Die "Gefahr", daß die Ergebnisse weniger "erschütternd" wirken (und weniger medienträchtig) suchte man wohl um jeden Preis zu vermeiden.

Hier beschreibt eine Rostockerin, jenseits aller ideologischen Gräben, was der Mauerfall für sie bedeutete.
eule70 (anonym) - 2007/11/11 02:53

Die erschütterte Reaktion der Forscher erstaunt mich ja - was hatten die erwartet? Obwohl - so Aussagen wie "die Mauer wurde von den Alliierten gebaut" erschüttern mich auch etwas. Und es erschüttert mich schon, dass die Schulen mal wieder die jüngere deutsche Geschichte völlig auszuklammern scheinen. Ein paar Fakten über die DDR sollten die Schüler schon lernen, wenn es auch nicht die einseitige Tendenz sein sollte, die diese Forscher wohl gern hätten.
Übrigens: dass die DDR noch die Todesstrafe hatte :(, wusste ich bis heute auch nicht. Ich hatte eher den Eindruck, dass der Strafvollzug humaner war als bei uns.
Aber jetzt verstehe ich, weshalb Du die Broschüre von der Ebert-Stiftung so ganz ordentlich und halbwegs korrekt findest. Ich bin neugierig, was Du daraus zitieren wirst.

kranich05 - 2007/11/11 09:19

Ich wundere mich keineswegs

In Teil I.1. und I.2. ihres Forschungsberichts (Am Rande: Der komplette Forschungsbericht war bei SPON 'runterzuladen. Ich weiß nicht, ob das jetzt noch geht. Falls Du da etwas nachlesen willst, kann ich es Dir schicken.) wurden die Forscher mit viel, ich sag mal, "erkenntnisträchtigem" Widerstand konfrontiert.
Daraufhin haben sie aber nicht ihren Forschungsansatz hinterfragt, sondern entschlossen sich, lieber ganz, ganz böse zu sein.
Es scheint, je mehr Seilschaften sie ausmachen, umso wichtiger dürfen sie sich wähnen.
Die ganzen großen Fragekomplexe zur Wertung der DDR (Seiten 2,3,4 des Fragebogens) sind nichts als ein Abfragen des Verinnerlichungsgrades der bundesoffiziell vorgegebenen Ideologeme. Daß viele Schüler darauf mit Desinteresse reagieren, etliche auch mit Widerstand, halte ich für erfreulich normal.
Bedauerlich (aber erklärlich) ist natürlich, daß das eine ziemlich "dumpfe", vor allem gefühlte und kaum reflektierte Haltung ist. Ich verstehe diese Haltung etwa so: "Bleibt mir doch mit Geschichtsdaten fern. Erstens brauch ich sie nicht und zweitens ist doch sowieso klar, was ich zu denken habe."
Die Fragen nach der Kenntnis von Sachdaten der Geschichte (Seite 5 des Fragebogens) sind der ideologischen Hauptuntersuchung gleichsam "angepappt". Für eine wirkliche Analyse des Geschichtswissens (genauer gesagt: des in unserer Gesellschaft massiv geförderten Geschichtsvergessens) reicht das in keiner Weise, wohl aber, um paar Highlights zu präsentieren: Alarm! Alarm! Nicht mal Kohl können sie richtig einsortieren!
Beatrix (anonym) - 2007/11/12 15:17

Ich bin nach Bekanntgabe der Ergebnisse dieser Studie in mich gegangen und habe stille Selbstkritik geübt: Ja, auch ICH bin schuld daran, dass unsere Kinder die Schulbildung der DDR (sowie einige andere Dinge) durch meinen Mund als "das bessere System" kennenlernen. Fast wöchentlich rege ich mich auf über diverse Auswüchse des derzeitigen Zustandes, und fast jedes Mal rutscht ein "früher, ja war es so und so (und naja, irgendwie eben besser)"... heraus. Soll ich sagen, es ist jetzt alles besser, weil wir ja nun endlich eine Demokratie haben?
Ist eine Demokratie wirklich besser? Was bedeutet überhaupt "bessere ärztliche Versorgung", "soziale Sicherheit" usw.
Ich habe mir mal die ausführliche Studie angeschaut und bin schon beim Nachdenken über diese Begrifflichkeiten hängengeblieben....

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