Kempowskis „Echolot“ (5) - zwischen Dokumentensammlung und Kunstwerk
Die Materialfülle großer Teile des „Echolot“ (nicht aller Teile, das „Echolot“ ist durchaus kein Werk einheitlicher Standards) suggeriert allumfassende Dokumentation. Desgleichen Schirrmachers Äußerung, dieses Werk ersetze Bibliotheken. Das Gegenteil ist der Fall.
Die Materialfülle ist eine straff strukturierte und absichtsvoll beschränkte.
Und der Vorzug der Unmittelbarkeit der vielen Stimmen verweist zwingend auf die Bibliotheken mit den umfassend analysierenden und tiefgründig-differenziert wertenden Spezialwerken.
Kempowski leistet Enormes auf die Frage, und diese Frage ist keineswegs trivial: „Wie war es?“ Daß die Antworten breit gefächert, z. T. atemberaubend breit gefächert sind, täuscht jedoch nicht darüber hinweg, daß entscheidende Sektoren fehlen.
Die Mächtigen der Wirtschaft haben keine Stimme. Die Vordenker der deutschen Weltmacht mit ihren weit gespannten politisch-ökonomischen und diplomatischen Strategien kommen nicht zu Wort. Die Planer und Organisatoren der ideologischen, juristischen und physischen Repression der Deutschen existieren nicht.
Der Erklärungsversuch, daß dem Verfasser seine Hauptdokumentenart - Tagebücher oder Briefe - von diesen Leuten nicht zur Verfügung standen, geht in Leere, denn K. verwendet in anderem Zusammenhang (Beispiel: Rolle des Propagandaministeriums) durchaus andere Quellen in großer Zahl. Nein, hier habe ich den Eindruck bewußter oder unbewußter Ausblendung.
Dem kritischen Leser bietet „Echolot“ Ansatzpunkte die Menge für weiteres Fragen; will er „die Prüfung aufs Exempel“ machen, wird er um die Benutzung des Kempowski-Archivs in der Akademie der Künste Berlin nicht herumkommen.
Ich glaube, es lohnt, über das Geheimnis der Konstruktion des „Echolot“ weiter nachzudenken. Großes Material regellos aufgehäuft ist nicht fesselnde Literatur. Da ist wohlkakulierte Dramaturgie, Präsentation von Perlen, ihr Kontrast auch zur Banalität (nicht nur des „Bösen“), subtile implizite Wertung und Umwertung, „verschlagen lehrerhaft“.
Die Materialfülle ist eine straff strukturierte und absichtsvoll beschränkte.
Und der Vorzug der Unmittelbarkeit der vielen Stimmen verweist zwingend auf die Bibliotheken mit den umfassend analysierenden und tiefgründig-differenziert wertenden Spezialwerken.
Kempowski leistet Enormes auf die Frage, und diese Frage ist keineswegs trivial: „Wie war es?“ Daß die Antworten breit gefächert, z. T. atemberaubend breit gefächert sind, täuscht jedoch nicht darüber hinweg, daß entscheidende Sektoren fehlen.
Die Mächtigen der Wirtschaft haben keine Stimme. Die Vordenker der deutschen Weltmacht mit ihren weit gespannten politisch-ökonomischen und diplomatischen Strategien kommen nicht zu Wort. Die Planer und Organisatoren der ideologischen, juristischen und physischen Repression der Deutschen existieren nicht.
Der Erklärungsversuch, daß dem Verfasser seine Hauptdokumentenart - Tagebücher oder Briefe - von diesen Leuten nicht zur Verfügung standen, geht in Leere, denn K. verwendet in anderem Zusammenhang (Beispiel: Rolle des Propagandaministeriums) durchaus andere Quellen in großer Zahl. Nein, hier habe ich den Eindruck bewußter oder unbewußter Ausblendung.
Dem kritischen Leser bietet „Echolot“ Ansatzpunkte die Menge für weiteres Fragen; will er „die Prüfung aufs Exempel“ machen, wird er um die Benutzung des Kempowski-Archivs in der Akademie der Künste Berlin nicht herumkommen.
Ich glaube, es lohnt, über das Geheimnis der Konstruktion des „Echolot“ weiter nachzudenken. Großes Material regellos aufgehäuft ist nicht fesselnde Literatur. Da ist wohlkakulierte Dramaturgie, Präsentation von Perlen, ihr Kontrast auch zur Banalität (nicht nur des „Bösen“), subtile implizite Wertung und Umwertung, „verschlagen lehrerhaft“.
kranich05 - 2007/08/31 12:01