Kempowskis "Echolot" (4) - Gleichzeitigkeit
Das unmittelbar Lebendige dauerhaft verfügbar zu machen, darin sehe ich, wie gesagt, einen besonderen Vorzug dieses Werkes.
Hier ist eine kritische Nebenbemerkung angebracht.
Tagebuchauszüge und Briefe des jeweiligen Tags liefern den Hauptteil des Stoffes. Das reicht aber nicht aus, und so wird aus vielfältigen Dokumenten, Materialien, Berichten, die Bezug zum jeweiligen Tag haben, zitiert. Nach meiner Auffassung ein nicht nur absolut legitimes, sondern auch zwingend notwendiges Verfahren. Ein starker Mangel ist es aber, daß die Entstehungszeit der Materialien unklar bleibt. Unterschiedslos, ununterscheidbar stehen neben autenthischen Dokumenten des Tages, Berichte, die Monate, Jahre, ja Jahrzehnte später verfaßt wurden.
Der Leser von heute wird nicht bei dem stehen bleiben wollen, was der Autor so überreich anbietet, er wird versuchen, zu verstehen. Er wird versuchen, zu verallgemeinern und Schlußfolgerungen für sein eigenes Denken und Handeln zu ziehen. Eine erste unerläßliche Bedingung dafür ist die Information, ob ein Beitrag unmittelbar aus dem Tag heraus verfaßt wurde oder ob er durch hundert und tauend Vermittlungen hindurch auf den nämlichen Tag zielt.
Eine zweite Stärke des Werks ist die Gleichzeitigkeit der Stimmen, eine Komposition, die den Stoff gleichsam simultan zu Wort kommen läßt. Man könnte auch von einer "Unmittelbarkeit" bzw. einem "unmittelbar Zugänglichmachen des Komplexen" sprechen. Prozesse, die in Wirklichkeit zwar gleichzeitig verlaufen, die sogar aufs Engste miteinander verbunden sind, zugleich aber ihren Akteuren als total getrennt erscheinen, können jetzt zusammengeschaut werden.
Fortwährend schreit dieses Werk nach einer simultanen Darstellungsweise, die die modernen multimedialen Möglichkeiten nutzt. Der Inhalt will die Grenzen der Buchdeckel überschreiten.
Soweit der prinzipielle Ansatz. Grundsätzlich wird er eingelöst. Aber WIE wird er eingelöst?
Ein Stoffberg gibt Unmittelbarkeit. Er gibt gesellschaftliche Komplexität.
Gibt er, was das Innerste dieser Kriegsgesellschaft zusammenhält?
Hier ist eine kritische Nebenbemerkung angebracht.
Tagebuchauszüge und Briefe des jeweiligen Tags liefern den Hauptteil des Stoffes. Das reicht aber nicht aus, und so wird aus vielfältigen Dokumenten, Materialien, Berichten, die Bezug zum jeweiligen Tag haben, zitiert. Nach meiner Auffassung ein nicht nur absolut legitimes, sondern auch zwingend notwendiges Verfahren. Ein starker Mangel ist es aber, daß die Entstehungszeit der Materialien unklar bleibt. Unterschiedslos, ununterscheidbar stehen neben autenthischen Dokumenten des Tages, Berichte, die Monate, Jahre, ja Jahrzehnte später verfaßt wurden.
Der Leser von heute wird nicht bei dem stehen bleiben wollen, was der Autor so überreich anbietet, er wird versuchen, zu verstehen. Er wird versuchen, zu verallgemeinern und Schlußfolgerungen für sein eigenes Denken und Handeln zu ziehen. Eine erste unerläßliche Bedingung dafür ist die Information, ob ein Beitrag unmittelbar aus dem Tag heraus verfaßt wurde oder ob er durch hundert und tauend Vermittlungen hindurch auf den nämlichen Tag zielt.
Eine zweite Stärke des Werks ist die Gleichzeitigkeit der Stimmen, eine Komposition, die den Stoff gleichsam simultan zu Wort kommen läßt. Man könnte auch von einer "Unmittelbarkeit" bzw. einem "unmittelbar Zugänglichmachen des Komplexen" sprechen. Prozesse, die in Wirklichkeit zwar gleichzeitig verlaufen, die sogar aufs Engste miteinander verbunden sind, zugleich aber ihren Akteuren als total getrennt erscheinen, können jetzt zusammengeschaut werden.
Fortwährend schreit dieses Werk nach einer simultanen Darstellungsweise, die die modernen multimedialen Möglichkeiten nutzt. Der Inhalt will die Grenzen der Buchdeckel überschreiten.
Soweit der prinzipielle Ansatz. Grundsätzlich wird er eingelöst. Aber WIE wird er eingelöst?
Ein Stoffberg gibt Unmittelbarkeit. Er gibt gesellschaftliche Komplexität.
Gibt er, was das Innerste dieser Kriegsgesellschaft zusammenhält?
kranich05 - 2007/08/20 23:26