"Wenn Chronos schläft" von Peter Hacks
Wenn Chronos schläft
Wenn Chronos schläft, den Arm zum Halt gebogen
Der bärtgen Wange und das faltige Lid
Geruhsam übers satte Aug gezogen,
Geschieht im All, daß nichts in ihm geschieht.
Wir sehns nicht gern. Wir wissen ja, der Mann
Setzt einmal seinen Weg fort. Aber wann?
Kein Sieg, kein Fehlschlag für mein Wesen bürgend.
Kein Hochgefühl. Ich werd mir selber blässer.
Die Arbeit ist nicht, was sie war. Im Nirgend
Für Niemanden. Das macht den Stil nicht besser.
Ich ahne das Geripp in meinem Leibe,
Als gings mich an, und treib, was ich nicht treibe.
Es gibt kein Jetzt und, scheint es, kein Nachher.
Von allen Altern dünkt uns dies das leerste.
Verdammter Stillestand. Kämpfen ist schwer,
Sterben ist schwerer. Warten ist das Schwerste.
Seit Jahrmillionen schleppt er sich zum Ziel,
der Weltverlauf. Warum sind zehn so viel?
Peter Hacks, "Hundert Gedichte", Berlin 2003
Wenn Chronos schläft, den Arm zum Halt gebogen
Der bärtgen Wange und das faltige Lid
Geruhsam übers satte Aug gezogen,
Geschieht im All, daß nichts in ihm geschieht.
Wir sehns nicht gern. Wir wissen ja, der Mann
Setzt einmal seinen Weg fort. Aber wann?
Kein Sieg, kein Fehlschlag für mein Wesen bürgend.
Kein Hochgefühl. Ich werd mir selber blässer.
Die Arbeit ist nicht, was sie war. Im Nirgend
Für Niemanden. Das macht den Stil nicht besser.
Ich ahne das Geripp in meinem Leibe,
Als gings mich an, und treib, was ich nicht treibe.
Es gibt kein Jetzt und, scheint es, kein Nachher.
Von allen Altern dünkt uns dies das leerste.
Verdammter Stillestand. Kämpfen ist schwer,
Sterben ist schwerer. Warten ist das Schwerste.
Seit Jahrmillionen schleppt er sich zum Ziel,
der Weltverlauf. Warum sind zehn so viel?
Peter Hacks, "Hundert Gedichte", Berlin 2003
kranich05 - 2007/08/03 20:57