19.6. Naumburg, du Schöne
Damals, vor mehr als fünfzig Jahren, im fernen Rostock (in der Schule waren die Namen Ekkehard und Uta und Regelindis gefallen), hat mich der Bildband eines Paulus Hinz mit den Stifterfiguren des Doms zu Naumburg bekannt gemacht.
Wenig später hab' ich es so eingerichtet, in den Ferien Naumburg zu besuchen.

Als ich jetzt wieder im Westchor des Domes stand, immer wieder von Figur zu Figur gegangen war, hatte ich dasselbe Gefühl wie damals: Das Gefühl, mich einfach nicht trennen zu können. So, als dürfte ich diese Mensch gewordenen Steine oder Stein gewordenen Menschen nicht allein lassen; so, als würde erst durch die Zuwendung eines lebendigen Menschen der Lebensgeist befreit, den der Naumburger Meister seiner Zeit abgelauscht und den Menschen durch die Jahrhunderte als Botschaft geschickt hat.
Nur vor Barlachs Figuren in Güstrow, dem anderen schönen Ort, habe ich Ähnliches erlebt.
Und doch ist Naumburg mehr als der Ort seines Meisters. Mit der Wenzelskirche gibt es da einen Raum, in dem die Bachsche Orgel unvergleichlich ertönt, zur Orgelzeit, 12 Uhr Mittags, an mehreren Tagen der Woche.
Naumburg hat nicht nur, wie jedes deutsche Städtchen, das auf sich hält, sein bißchen Mittelalterflair aufgemöbelt. Das auch.


Aber Naumburg hat davon im Überfluß, und so finde ich Wanderer (der bald zum Bewunderer wird), an vielen Ecken und Enden die Reste früheren Lebens. Gut Erhaltenes, schlecht Erhaltenes, Ruiniertes, Würdiges, Schäbiges und Weniges, das von Bausünden neuerer Zeit erdrückt wird. So entdeckte ich am Marientor, abseits des Touristenpfads eine rührende Szenerie des Alt-Naumburg.

Und schließlich ist Naumburg auch noch Landschaft, in der die Kirschen reifen und die Weinstöcke gedeihen. Zwar trennt der Bahnhof wie ein Eisenriegel die Stadt von ihrem Blütengrund aber vielleicht schützt er auch beide voreinander.

Wer sucht, findet, passiert eine Fähre, bewundert ein 100-jähriges Schiffchen und steht unvermittelt im Tor des Weinlandes Saale-Unstrut, wo neue Überraschungen warten.

Auch das "steinerne Buch" gehört dazu, eine Folge von 12 volkstümlich aufgefaßten Szenen aus der Bibel, ein Felsrelief von etwa 200 m Länge aus den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts.
Es wartet im wahrsten Sinne darauf, restauriert und öffentlich zugänglich gemacht zu werden.
Wenig später hab' ich es so eingerichtet, in den Ferien Naumburg zu besuchen.

Als ich jetzt wieder im Westchor des Domes stand, immer wieder von Figur zu Figur gegangen war, hatte ich dasselbe Gefühl wie damals: Das Gefühl, mich einfach nicht trennen zu können. So, als dürfte ich diese Mensch gewordenen Steine oder Stein gewordenen Menschen nicht allein lassen; so, als würde erst durch die Zuwendung eines lebendigen Menschen der Lebensgeist befreit, den der Naumburger Meister seiner Zeit abgelauscht und den Menschen durch die Jahrhunderte als Botschaft geschickt hat.
Nur vor Barlachs Figuren in Güstrow, dem anderen schönen Ort, habe ich Ähnliches erlebt.
Und doch ist Naumburg mehr als der Ort seines Meisters. Mit der Wenzelskirche gibt es da einen Raum, in dem die Bachsche Orgel unvergleichlich ertönt, zur Orgelzeit, 12 Uhr Mittags, an mehreren Tagen der Woche.
Naumburg hat nicht nur, wie jedes deutsche Städtchen, das auf sich hält, sein bißchen Mittelalterflair aufgemöbelt. Das auch.


Aber Naumburg hat davon im Überfluß, und so finde ich Wanderer (der bald zum Bewunderer wird), an vielen Ecken und Enden die Reste früheren Lebens. Gut Erhaltenes, schlecht Erhaltenes, Ruiniertes, Würdiges, Schäbiges und Weniges, das von Bausünden neuerer Zeit erdrückt wird. So entdeckte ich am Marientor, abseits des Touristenpfads eine rührende Szenerie des Alt-Naumburg.

Und schließlich ist Naumburg auch noch Landschaft, in der die Kirschen reifen und die Weinstöcke gedeihen. Zwar trennt der Bahnhof wie ein Eisenriegel die Stadt von ihrem Blütengrund aber vielleicht schützt er auch beide voreinander.

Wer sucht, findet, passiert eine Fähre, bewundert ein 100-jähriges Schiffchen und steht unvermittelt im Tor des Weinlandes Saale-Unstrut, wo neue Überraschungen warten.

Auch das "steinerne Buch" gehört dazu, eine Folge von 12 volkstümlich aufgefaßten Szenen aus der Bibel, ein Felsrelief von etwa 200 m Länge aus den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts.
Es wartet im wahrsten Sinne darauf, restauriert und öffentlich zugänglich gemacht zu werden.
kranich05 - 2007/06/25 19:16