Merkwürdige Wege des Erinnerns
In der "jungen Welt" vom 21.5.2007 wird ein Buch des Amerikaners Peter W. Sperlich besprochen, das sich mit den gesellschaftlichen Gerichten der DDR beschäftigt. Das System der Konfliktkommissionen, Schöffen, gesellschaftlichen Gerichte, an dem Hunderttausende ehrenamtlich mitwirkten, erfährt eine beispielhafte Anerkennung. http://www.jungewelt.de/2007/05-21/053.php?sstr=Sperlich
Ich habe mit diesem System nie direkt zu tun gehabt. Aber einmal, Anfang der 70-er Jahre, lernte ich eine Schöffin kennen.
Damals war meine Ehe längst zerrüttet aber noch nicht geschieden. Sie war eine adrette Frau, Mitte 30, untersetzt. Ihre üppigen Brüste und auch die anderen Rundungen hatten es mir gleich angetan. Sie kam gerade vom Friseur und blickte unternehmungslustig in die Welt. Ich sprach sie an, ein Wort gab das andere, und wir schwatzten schon nach wenigen Minuten wie alte Bekannte. Wir blieben den Nachmittag, den Abend zusammen. Ich merkte bald, daß sie "etwas einfach gestrickt war"; nein, eine große Liebe stand mir nicht bevor, umso handgreiflicher erschien sie mir als Ziel meiner Geilheit. Ich gefiel ihr offensichtlich. Ich hatte nicht verchwiegen, verheiratet zu sein, was sie beschäftigte. Der Abend in dem gemütlichen Speise- und Weinlokal wurde länger. Vom Reden und vom Wein und von einigen Küssen, wir waren beide beschwipst. Ich angeheizt von der greifbaren Hoffnung, eine unkomplizierte Sexpartnerin zu gewinnen. Ihr Rock war etwas nach oben gerutscht und zeigte den Ansatz ihrer kräftigen Schenkel. Ich legte meine Hand auf ihr Knie, streichelte die zarte Haut ihrer Schenkel. Frauen in der Öffentlichkeit unter den Rock zu fassen, gehörte bis dahin nicht zu meinem Repertoire. Ich schob meine Hand etwas höher. Wir wurden durch die Bedienung unterbrochen, danach wandte ich mich noch lebhafter dem prickelnden Spiel zu.
Dort, wo ihre Schenkel zu Ende waren, trafen meine Fingerspitzen auf Widerstand - ihr Slip, seitlich davon spürte ich Härchen. Sie protestierte leise, mit Worten, nicht mit dem Körper. Eine süße Lähmung schien sich in ihr auszubreiten. Ich war stolz. Endlich hatte ich das tausendmal Geträumte wahr gemacht und einer fremden Frau die Möse gestreichelt. Es war gegen Mitternacht als wir zu ihr nach Hause schlenderten. Leidenschaftliche Küsse wechselten mit ruhigeren Augenblicken. Ich versuchte kühl zu rechnen. Wenn ich nicht die letzte S-Bahn erreichte, würde ich erst am Morgen zu Hause sein und eine extreme Szene meiner Frau heraufbeschwören. Da ich zudem meiner Beute sicher war, legte ich es nicht darauf an, jetzt gleich mit ihr ins Bett zu gehn.
In solche Pause hinein sagte sie leise:
"Da urteile ich nun als Schöffin in diesen Fällen und jetzt mache ich selbst genau das gleiche."
Ich registrierte den Satz, wobei mein Zynismus ausreichte über das hinweg zu gehen, was sie bewegte.
Wir verabredeten uns für einen der nächsten Tage und verabschiedeten uns an ihrer Wohnungstür liebevoll. Wie es der Teufel wollte, verpaßte ich doch die letzte S-Bahn, und es kam zu dem erwarteten Eklat mit meiner Frau.
Wenige Tage später wollte ich meine fast Errungene abholen, doch sie versetzte mich und ließ sich verleugnen.
Wir haben uns nicht wieder getroffen.
Fortan ärgerte ich mich in Stunden der Geilheit, diesen Genuß ausgelassen zu haben. In anderen Stunden denke ich mit Rührung an die kleine Frau, der ihr Gewissen schließlich wichtiger war als eine Lust. Vielleicht hat sie geahnt, daß die allzu flüchtig sein würde. Wohl auch hatte ich die Flagge "keine Liebe" sichtbar gelassen.
Fotografien von Ingrid Klein: http://www.ingridklein.de/
Ich habe mit diesem System nie direkt zu tun gehabt. Aber einmal, Anfang der 70-er Jahre, lernte ich eine Schöffin kennen.
Damals war meine Ehe längst zerrüttet aber noch nicht geschieden. Sie war eine adrette Frau, Mitte 30, untersetzt. Ihre üppigen Brüste und auch die anderen Rundungen hatten es mir gleich angetan. Sie kam gerade vom Friseur und blickte unternehmungslustig in die Welt. Ich sprach sie an, ein Wort gab das andere, und wir schwatzten schon nach wenigen Minuten wie alte Bekannte. Wir blieben den Nachmittag, den Abend zusammen. Ich merkte bald, daß sie "etwas einfach gestrickt war"; nein, eine große Liebe stand mir nicht bevor, umso handgreiflicher erschien sie mir als Ziel meiner Geilheit. Ich gefiel ihr offensichtlich. Ich hatte nicht verchwiegen, verheiratet zu sein, was sie beschäftigte. Der Abend in dem gemütlichen Speise- und Weinlokal wurde länger. Vom Reden und vom Wein und von einigen Küssen, wir waren beide beschwipst. Ich angeheizt von der greifbaren Hoffnung, eine unkomplizierte Sexpartnerin zu gewinnen. Ihr Rock war etwas nach oben gerutscht und zeigte den Ansatz ihrer kräftigen Schenkel. Ich legte meine Hand auf ihr Knie, streichelte die zarte Haut ihrer Schenkel. Frauen in der Öffentlichkeit unter den Rock zu fassen, gehörte bis dahin nicht zu meinem Repertoire. Ich schob meine Hand etwas höher. Wir wurden durch die Bedienung unterbrochen, danach wandte ich mich noch lebhafter dem prickelnden Spiel zu.
Dort, wo ihre Schenkel zu Ende waren, trafen meine Fingerspitzen auf Widerstand - ihr Slip, seitlich davon spürte ich Härchen. Sie protestierte leise, mit Worten, nicht mit dem Körper. Eine süße Lähmung schien sich in ihr auszubreiten. Ich war stolz. Endlich hatte ich das tausendmal Geträumte wahr gemacht und einer fremden Frau die Möse gestreichelt. Es war gegen Mitternacht als wir zu ihr nach Hause schlenderten. Leidenschaftliche Küsse wechselten mit ruhigeren Augenblicken. Ich versuchte kühl zu rechnen. Wenn ich nicht die letzte S-Bahn erreichte, würde ich erst am Morgen zu Hause sein und eine extreme Szene meiner Frau heraufbeschwören. Da ich zudem meiner Beute sicher war, legte ich es nicht darauf an, jetzt gleich mit ihr ins Bett zu gehn. In solche Pause hinein sagte sie leise:
"Da urteile ich nun als Schöffin in diesen Fällen und jetzt mache ich selbst genau das gleiche."
Ich registrierte den Satz, wobei mein Zynismus ausreichte über das hinweg zu gehen, was sie bewegte.
Wir verabredeten uns für einen der nächsten Tage und verabschiedeten uns an ihrer Wohnungstür liebevoll. Wie es der Teufel wollte, verpaßte ich doch die letzte S-Bahn, und es kam zu dem erwarteten Eklat mit meiner Frau.
Wenige Tage später wollte ich meine fast Errungene abholen, doch sie versetzte mich und ließ sich verleugnen.
Wir haben uns nicht wieder getroffen.
Fortan ärgerte ich mich in Stunden der Geilheit, diesen Genuß ausgelassen zu haben. In anderen Stunden denke ich mit Rührung an die kleine Frau, der ihr Gewissen schließlich wichtiger war als eine Lust. Vielleicht hat sie geahnt, daß die allzu flüchtig sein würde. Wohl auch hatte ich die Flagge "keine Liebe" sichtbar gelassen.
Fotografien von Ingrid Klein: http://www.ingridklein.de/
kranich05 - 2007/05/25 17:35
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