Sandor Marai, geboren 1900

(Kajan Tibor)
Aus den Tagbüchern 1985 bis 1989
21. Mai 1985,
„Was, außer dem Sein, kann das Alter noch geben?
Nichts.
Ich verstehe diejenigen, die dem Ende vorgreifen.“
4. August 1985,
„Übermorgen ist es 40 Jahre her, dass in Torii, in einer Kneipe, wo ich meinen Jausenwein trank, ein zahnlückiger alter Bauer brabbelnd erzählte, die Amerikaner hätten irgendeine Bombe abgeworfen, und Japan kaputt.
Die Gäste, Bauern und russische Soldaten, hörten es gleichgültig.
Jetzt, 40 Jahre später, gedenken hier in San Diego und überall in der Welt ganze Menschengruppen auf den Straßen Hiroshimas.
Bis heute weiß man nicht sicher, was damals in der Welt begonnen hat.
Ziemlich genau weiß man, was an jenem Tag endete – die relative Sicherheit des Menschen auf der Erde.“
9. September 1985,
„L. ist seit dem Sturz hinfällig. Der Arm ist geheilt, aber aus dem Sturz entstand eine innere Hinfälligkeit, aus der sie nicht zu sich findet....“
17. Oktober 1985,
„Der Weg zurück aus dem Leben in den Tod ist dunkel. Ich tappe aus dem Nichts ins Nichts, und unterwegs leuchtet hier und da ein Wort, ein Begriff, wie Glühwürmchen im dunklen Wald.“
11. November 1985,
„Gemeinsam gehen, ohne Schmerzen, das ist meine einzige Hoffnung.“
29. November 1985,
„Am Ende des Lebens kommt ein Abschnitt, dass alles, was man in einem langen Leben erlebt und erhofft und worauf man gebaut hat, zwecklos und sinnlos wird. Solch eine Zeit ist es, die ich jetzt durchmachen muß.“
15. Januar 1989,
„Ich erwarte die Abberufung. Ich dränge nicht aber ich zögere auch nicht. Es ist soweit.“
Am 22.Februar 1989 hat sich Sandor Marai erschossen.
kranich05 - 2007/03/01 10:56
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