Kaum zu glauben: Die Mehrheit will Sozialismus
Unter dieser Überschrift stellt Otto Meyer in "Ossietzky" 2/2007 einige interessante Befragungsergebnisse dar (1), die sich im Datenreport 2006 des Bundesamtes für Statistik finden (2).
Bisher wurden diese Daten, die schon im Oktober 2006 veröffentlicht wurden, wenig beachtet.
Zunächst wurde nach der Akzeptanz der gegenwärtigen Staatsform der BRD unter der Bevölkerung gefragt. Der Behauptung »Die Demokratie in Deutschland ist die beste Staatsform« stimmten 2005 im Westen fast 30 Prozent nicht mehr zu (71 Prozent dafür) – im Osten wollten gar über 60 Prozent (38 Prozent dafür) von der einst viel begehrten Demokratie des »Freien Westens« nichts mehr wissen. In beiden Landesteilen zeigte sich ein Abwärtstrend, denn fünf Jahre zuvor war die Akzeptanz noch um etwa zehn Prozent größer gewesen (80 Prozent im Westen, 49 Prozent im Osten).

Dem Satz »Der Staat muß dafür sorgen, daß man auch bei Krankheit, Not, Arbeitslosigkeit und im Alter ein gutes Auskommen hat.« stimmten 2004 84 Prozent zu (im Osten 92 Prozent, im Westen 82 Prozent). Das konnte und durfte doch eigentlich nicht sein.

Nun wollten es die Regierenden - so Meyer - genau wissen:
"Würden etwa die Menschen – zumal jene aus dem Gebiet der untergegangenen DDR – zurück wollen in so etwas Schlimmes wie »den Sozialismus«? Das Statistische Bundesamt mußte eine verdeckte Systemfrage stellen, wie sie seit der Wende schon von anderen Meinungsforschern des öfteren gestellt worden war, immer mit erschreckenden Ergebnissen. Die Behauptung, zu der sich die repräsentativ ausgewählten Befragten äußern sollten, lautete diesmal: »Der Sozialismus ist im Grunde eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt wurde.«
Das Unglaubliche geschah: 2005, als Deutschland schon 15 Jahre »in Freiheit vereint« war, stimmten 52 Prozent für so etwas Abwegiges wie »Sozialismus« (im Westen 46, im Osten gar 74 Prozent)....

Mehr »Freiheitsrechte« und »direkte Bürgerbeteiligung«, gar eine »sozialistische Demokratie« mit »sozialer Gleichheit und Sicherheit« – so hätte die Mehrheit in diesem Lande gern ihre Staats- und Gesellschaftsform, wenn sie demokratisch entscheiden könnte."
Nun sagt mir doch, wie ernst meinen es die Leute mit ihren spaßigen Wünschen?

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(1)
Der vollständige Text von Meyers Beitrag findet sich hier: http://www.splitter-und-balken.de/autoren.php?topic=121
(2)
Statistisches Bundesamt (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen, Mannheim (ZUMA), Datenreport 2006. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland. Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Band 544, Bonn 2006. ISBN 3–89331-675-2;
im Internet unter:
http://www.gesis.org/Dauerbeobachtung/Sozialindikatoren/Publikationen/Datenreport/dr06.htm
und speziell hier:
http://www.gesis.org/Dauerbeobachtung/Sozialindikatoren/Publikationen/Datenreport/pdf2006/2_21.pdf
Bisher wurden diese Daten, die schon im Oktober 2006 veröffentlicht wurden, wenig beachtet.
Zunächst wurde nach der Akzeptanz der gegenwärtigen Staatsform der BRD unter der Bevölkerung gefragt. Der Behauptung »Die Demokratie in Deutschland ist die beste Staatsform« stimmten 2005 im Westen fast 30 Prozent nicht mehr zu (71 Prozent dafür) – im Osten wollten gar über 60 Prozent (38 Prozent dafür) von der einst viel begehrten Demokratie des »Freien Westens« nichts mehr wissen. In beiden Landesteilen zeigte sich ein Abwärtstrend, denn fünf Jahre zuvor war die Akzeptanz noch um etwa zehn Prozent größer gewesen (80 Prozent im Westen, 49 Prozent im Osten).

Dem Satz »Der Staat muß dafür sorgen, daß man auch bei Krankheit, Not, Arbeitslosigkeit und im Alter ein gutes Auskommen hat.« stimmten 2004 84 Prozent zu (im Osten 92 Prozent, im Westen 82 Prozent). Das konnte und durfte doch eigentlich nicht sein.

Nun wollten es die Regierenden - so Meyer - genau wissen:
"Würden etwa die Menschen – zumal jene aus dem Gebiet der untergegangenen DDR – zurück wollen in so etwas Schlimmes wie »den Sozialismus«? Das Statistische Bundesamt mußte eine verdeckte Systemfrage stellen, wie sie seit der Wende schon von anderen Meinungsforschern des öfteren gestellt worden war, immer mit erschreckenden Ergebnissen. Die Behauptung, zu der sich die repräsentativ ausgewählten Befragten äußern sollten, lautete diesmal: »Der Sozialismus ist im Grunde eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt wurde.«
Das Unglaubliche geschah: 2005, als Deutschland schon 15 Jahre »in Freiheit vereint« war, stimmten 52 Prozent für so etwas Abwegiges wie »Sozialismus« (im Westen 46, im Osten gar 74 Prozent)....

Mehr »Freiheitsrechte« und »direkte Bürgerbeteiligung«, gar eine »sozialistische Demokratie« mit »sozialer Gleichheit und Sicherheit« – so hätte die Mehrheit in diesem Lande gern ihre Staats- und Gesellschaftsform, wenn sie demokratisch entscheiden könnte."
Nun sagt mir doch, wie ernst meinen es die Leute mit ihren spaßigen Wünschen?

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(1)
Der vollständige Text von Meyers Beitrag findet sich hier: http://www.splitter-und-balken.de/autoren.php?topic=121
(2)
Statistisches Bundesamt (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen, Mannheim (ZUMA), Datenreport 2006. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland. Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Band 544, Bonn 2006. ISBN 3–89331-675-2;
im Internet unter:
http://www.gesis.org/Dauerbeobachtung/Sozialindikatoren/Publikationen/Datenreport/dr06.htm
und speziell hier:
http://www.gesis.org/Dauerbeobachtung/Sozialindikatoren/Publikationen/Datenreport/pdf2006/2_21.pdf
kranich05 - 2007/02/22 23:00