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schlaflos mit Kaki

Von der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wird empfohlen, 5x täglich frisches Obst oder Gemüse zu sich zu nehmen.
Ob nicht einer dieser Zeitpunkte mitten in der Nacht liegen sollte (der 5., den ich immer schlecht "unterbringen" kann), irgendwann zwischen ein und vier Uhr, der Zeit der quälendsten Schlaflosigkeit?
Einfach Herausspringen aus den immer wieder scheiternden Versuchen, endlich ins Schlafnirvana hinüber zu gleiten. Etwas Positives tun! Eine Kaki essen.

Ich sah nie jemanden, der diese Früchte kaufte. Die resolute türkische Verkäuferin, die ich fragte, wie man sie ißt, sagte nur:"Na, aufschneiden! Manche löffeln sie auch aus."
Inzwischen kenne ich mich mit der "chinesischen Pflaume" besser aus.
Die Baumfrucht wird seit Jahrtausenden in China, Korea, Japan kultiviert. Kernlose Formen wurden in Israel (Sharonfrucht aus dem Sharontal), besonders winterharte in der Ukraine gezüchtet. Europa deckt seinen Bedarf überwiegend aus dem Anbau in Italien, zunehmend in Spanien.
Die Kaki wurde in letzter Zeit meine Lieblingsfrucht.

Seit Stunden in meinem Klinikbett flieht mich der Schlaf. Ich liege in bequemer Rückenlage - seit Tagen! Die frischen Operationswunden geben mir nur geringen Bewegungsspielraum. Es ist unerträglich.
Mein Zimmergenosse wälzt sich lautstark in endlosen Albträumen. Meine Kopfhörer sind defekt. (Später stellt sich heraus: Ich war zu unkonzentriert oder ungeschickt, sie richtig zu bedienen.) Heraus aus dieser Zwangslage oder ich werde verrückt!

Die Kaki fühlt sich glatt an und fest. Sie hat einen schwachen Duft, ganz leicht säuerlich, viel geringer als z. B. Äpfel, mit denen sie sich auf dem Lager gut vertragen soll. Dann ist da noch dieser feste Blätterkelch, fast lederartig. Wahrlich, äußerlich gibt sie nicht viel von sich preiß.
Ich beginne langsam an der Schale zu nagen. Es heißt, sie habe etwas Adstringierendes. Ich, ohnehin Freund aller Geschmäcker, die etwas mit "bitter" zu tun haben, spüre davon nichts
Und plötzlich, da ist sie! Diese intensive Süße, diese schwacharomatische, schwachsaure, gar fade?, nein, trotzdem erfrischende Süße! Vielleicht am Ehesten mit einer Honigmelone zu vergleichen. Die Süße ist kräftig aber sie erschlägt dich nicht. Das Aroma ist fein, feinst aber es langweilt dich nicht.
Und dann die innere Struktur - keine Kerne, doch nichts Breiartiges. Zellartige, "glasfleischige" Strukturen, im umgebenden Fruchtfleisch eingebettet, die sich mit leisem Knacken dem Druck von Zunge und Gaumen ergeben - einzig!
Sind das die Reste weggezüchteter Kerne? Mit Kernen würde ich sie gern auch einmal probieren.
Am Ende halte ich nur die kleine Manschette in der Hand. Sie besteht aus vier abgerundeten Blättern, auf ihr eine quadratische Zwischenscheibe, auf deren Mitte ein kreisrunder "Rahmen", in den sich die Frucht, nach Art einies Druckknopfes" eingeknöpft" hatte.

Ich schaue wieder ins Dunkel vor mir.
Unbeweglich nun schon seit Stunden, glänzen unten die Warmtonlampen auf dem Parkplatz des Klinikums.

Eine lebendige, "lächelnde" Frucht ist zu mir gesprungen. Durch Äonen, durch Wüsten, hat sie zu mir gefunden.
Das Gezwitscher der Vögel hat sie in sich aufgenommen, aus dunklen Tiefen die Wasser der Erde, die Strahlen der Sonne, hat sie gespeichert.
Welch ein Fest des Lebens hat sich eben in meinem Mund entladen!
Ich hab' gebissen, hab' gescnuppert, hab' gekaut, habe mir aufmerksam zugeschaut.
Jetzt marschieren fröhliche kleine Gesellen los, auf meinen Straßen, in meinen Bahnen.
FBB (anonym) - 2007/01/21 18:23

Oh ja,

ich genieße sie auch und seit ungefähr 3 Monaten immer öfter.
Anfänglich machte ich ähnliche Beobachtungen(wer kauft denn diese Frucht?) bis ich meine Mutter sah, die eine vollreife sehr weiche,breiige Frucht löffelte.
Nach ihrer Angabe wird die Scharonfrucht in der Türkei,anstatt Zucker oder Honig, häufig zum süßen genutzt. .
So verwundert es nicht, dass ich diese oft Kistenweise für wenige Euro auf dem türkischen Markt um die Ecke sehe .
Mir und meiner Freundin schmeckt sie doch aber in der "glasfleischigen" schwer beschreibbaren Konsistenz eher besser.
Liebe Grüße

eule70 (anonym) - 2007/01/21 23:54

Das war ja eine wunderschöne poetische Beschreibung des Essens einer Frucht mitten in der Nacht!
Wir haben sie auf einer Spanienreise kennengelernt und essen sie diesen Winter häufiger und mit Genuss. Es ist schon fast beängstigend, was für exotische Früchte, von denen man früher nicht geträumt hat, man heute zum fast gleichen Preis bekommt wie heimische Äpfel.

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