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Hinrichtung

Als mich heut morgen die Meldung von der Hinrichtung des Saddam Hussein erreichte, hatte ich ein unangenehmes Gefühl. Vor einigen Monaten, als des 60. Jahrestages der Urteile von Nürnberg gedacht wurde, stellte sich ein solches Gefühl nicht ein.
Warum?
Die Führer des deutschen Faschismus zu verurteilen, soweit man ihrer habhaft werden konnte, war damals eine Tat. Es war Bestandteil und Höhepunkt eines Existenzkampfes der Völker. Es war zugleich Versprechen und Selbstverpflichtung aller Kriegsbeteiligten: So etwas niemals und nirgends und von keiner Seite wieder.
Zwar wurde dies Zeichen einer neuen Rechtssetzung schon bald entwertet, und doch verlor es nie ein moralisch-politisches Gewicht.

In meinem Staat, der DDR, in der historischen Folge der russischen Revolution und des antifaschistischen Kampfes gab es lange Jahre die Todesstrafe, und ich stieß mich nicht daran.
Doch es setzte eine Bewegung gegen die Todesstrafe ein. Soweit ich es überschaue, ging diese von westlichen Demokratien aus. Langsam wandelte sich die Haltung der DDR (lange vor ihrem Untergang) und meine persönliche Auffassung auch. Ich wurde zum Gegner der Todesstrafe.

Natürlich ist es dringend erforderlich, Verbrechen politischer Führer durch internationale Gerichte zu ahnden und zwar grundsätzlich ALLER politischen Führer. Aber warum soll sich ein weiser Richter, nachdem solche Potentaten machtlos und „unschädlich“ gemacht wurden, mit ihrem Blut beflecken?

Die Hinrichtung Saddams hat den üblen Geschmack politischen Zweckhandelns.
Bush war zum Dauerkrieg gegen den Terror ausgezogen. Von seinem größten Feind, dem erklärten Urvater allen Terrors, Osama bin Laden, ist überhaupt keine Rede mehr. Saddam, den selbst Bush nie mit den Anschlägen vom 11.9. 2001 in Verbindung brachte, wurde mit Krieg überzogen und nun umgebracht. Das Regime Maliki, das ein Land täglicher Massaker repräsentiert, rächt ein von Saddam zu verantwortendes Massaker. Das ist die Logik einer Blutmühle.
Die Müller meinten, es bringe etwas, einen weiteren Menschen, Saddam, ehemals Prominenten, da hinein zu stopfen.

Und uns allzu friedlichen Zeitgenossen zeigt die Medienmeute, wenn sie nun schon den Blutgeruch nicht direkt übertragen kann, wenigstens den Henkerstrick in Großaufnahme.

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