kostenloser Counter

 

ResistantX

Drei Tage hat Bastian B. Aufsehen erregt. Die Polizei hat sofort versucht, alle seine Spuren im Internet zu vernichten. Das ist Dank der Schnelligkeit und Vernetztheit des Web 2.0 nicht gelungen.
http://www.presseportal.de/polizeipresse/p_story.htx?nr=904555&firmaid=11187&keygroup=

Die großen Medien aber Hand in Hand mit einigen Politiker-Lautsprechern hatten kaum Schwierigkeiten, getreu der Merkelschen Devise http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24101/1.html
jede tiefer zielende Diskussion zu unterbinden und schon nach kürzester Zeit zur Tagesordnung überzugehen.
Auf etlichen Websites gab es dennoch anhaltende, engagierte Diskussionen, mit heftigen Extremen aber auch klaren Aussagen nicht zuletzt der jugendlichen Teilnehmer.
http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?list=1&forum_id=108598
http://www.leckse.net/artikel/misc/abschiedsbrief-im-vergleich
http://www.mein-parteibuch.de/2006/11/21/abschiedsbrief-des-amoklaeufers-von-emsdetten#comment-22903

Mein Bedürfnis, den Abschiedsbrief des Bastian B. zu verstehen, haben sie trotzdem nicht gestillt.
Wenn ich mich jetzt im Blog darum öffentlich bemühe, werden die sehr Marktorientierten gähnen „olle
Kamellen“, während andere sich vielleicht bedrängt fühlen. Letzteres ist nicht mein Wunsch. Jedoch, das Lesevergnügen ist nur ein und nicht mein erstes Ziel. Selbstverständigung ist mir wichtiger, und ich wage es, sie öffentlich zu versuchen.

Im Internet nannte sich Bastian „ResistantX“ http://resistantx.livejournal.com/
Resistance ist die Widerstandskraft, der Widerstand, ein Resistant ist einer, der Widerstand leistet. Daß Bastian B. einen Begriff verwendete, den kein Geringerer als Peter Weiss seinem Werk „Ästhetik des Widerstands“ zu Grunde legte, hat mich alarmiert.
„Widerstand“ - eine Zentralkategorie im Denken aller Gesellschaftsrevolutionäre in Zeiten ihrer welthistorischen Defensive?
Es ist nach dem Wesen aber auch nach der Art und Weise des Widerstands zu fragen.
Das „X“ sollte vielleicht die nihilistische Radikalität seines Widerstands zum Ausdruck bringen. Am Ende würde alles ausgelöscht sein.
Möglich scheint mir aber auch, das „X“ als Zeichen für ein Unbekanntes zu deuten, dafür, daß der „richtige Widerstand“ eine offene Frage oder eine „black box“ sei.

Die Website von B.B. hieß „stay-different“. Das übersetze ich mit „bleibe in Differenz“, „beharre auf dem Unterschied“, „bleib anders“ oder „Gib nicht klein bei, sondern halte es aus, dich von vom Anderen zu unterscheiden.“ Selbst gewählte Namen sind zugleich Programm.
Einer, der sich keinesfalls anpassen will.

Im Sommer 2004, damals 16-jährig, versucht Bastian B., sich in einem Internetforum Hilfe zu holen.
http://zensiert.us/amoklauf/forum/
Seit zwei oder drei Jahren leidet er unter den Drangsalierungen durch Stärkere.
Unter dem Betreff „Blutrausch“ schreibt er damals:

„Ich denke das der ganze Dreck damit anfing, das einer von der Hauptschule (Ich bin auf real) nach Schulschluss zur unserer Schule kam, und mich schlagen wollte, keine Ahnung warum, vielleicht hat ihm meine Gesicht nicht gepasst, oder ich stand auf seinem Schatten.
Ich habe mich versteckt, seitdem hatte Ich Angst. Diese Angst schlägt so langsam in Wut um. Ich fresse die ganze Wut in mich hinein, um sie irgendwann auf einmal rauszulassen,...
Für die, die es noch nicht genau verstanden haben: Ja, es geht hier um Amoklauf!
Ich weiss selber nicht woran ich bin, ich weiss nicht mehr weiter, bitte helft mir.“


Ich habe mit 13 Jahren genau solche Angst gehabt, vor einem gleichaltrigen Jungen, der mich ständig zu Verprügeln suchte. Er war trainierter Boxer und mir in der Schlägerei haushoch überlegen. Nach Wochen des Katz- und Mausspiels erwischte er mich und begann auf mich Einzuschlagen - ausgerechnet vorm Zimmer der Pionierleiterin. (Wir trugen beide das blaue Halstuch der Jungen Pioniere und eine unserer geläufigsten Grußformeln lautete „Freundschaft“.)
Es gab eine Aussprache bei der Pionierleiterin, und dann nahm sich auch noch mein Vater Zeit, mit dem Jungen ausführlich zu sprechen und am Ende uns unter väterlicher Aufsicht mit Handschlag zu versöhnen. Danach bedrohte mich dieser Junge nur noch einmal, gleichsam rituell, und dann nie wieder.
Die anhaltende Bedrohung hatte durchaus begonnen, mich zu traumatisieren. Aber sie endete, durch Hilfe von außen. Ich wurde frei davon und es konnte sich keine einsame Wut aufbauen. Für diesen glücklichen Ausgang war wohl entscheidend, daß ich nicht in die Rolle des hilflosen Außenseiters geriet. Es wurde eher das Außenseiterverhalten des Widersachers offenkundig.

Bastian B. konnte anscheinend die aus dem geschilderten Anlaß entstandene konkrete Wut abbauen. Zumindest drückt er selbst sich so aus mit Eintrag in demselben Forum im Januar 2006. Über die Gründe, die ihn dennoch wenige Monate danach zu seiner tragischen Tat trieben, gibt sein Abschiedsbrief Auskünfte.

Ich benutze hier die Fassung http://www.leckse.net/artikel/misc/abschiedsbrief-im-vergleich
Mit ihr hat sich Alexander Reiter a.k.a. leckse die Mühe gemacht, die Auslassungen und Einfügungen von "Bild" und "RTL" zu dokumentieren. Diese Markierungen übernehme ich hier nicht, da die Kritik dieser Medien ein gesondertes Thema wäre. Lohnend ist es aber allemal, sich deren „Bearbeitungen“ anzuschauen.

„Wenn man weiss, dass man in seinem Leben nicht mehr Glücklich werden kann, und sich von Tag zu Tag die Gründe dafür häufen, dann bleibt einem nichts anderes übrig als aus diesem Leben zu verschwinden. Und dafür habe ich mich entschieden. Es gibt vielleicht Leute die hätten weiter gemacht, hätten sich gedacht "das wird schon", aber das wird es nicht.“

Bereits mit seinen ersten Worten hat mich B.B. getroffen.
Mit 14 Jahren hatte ich meine erste (platonische) Liebe verloren, und einige Wochen lang lebte ich in der völligen Gewißheit, daß ich mein ganzes Leben lang nicht mehr glücklich werden würde. (Zusätzlich wirkte im Hintergrund, daß ein Jahr zuvor meine Mutter gestorben war.)
Soweit ich mich erinnere, wurde ich in dieser Zeit von einer fatalistischen Stimmung beherrscht. Ich hatte aber nicht das Gefühl, daß sich „von Tag zu Tag die Gründe dafür häufen“. Im Gegenteil, der Schmerz verging erstaunlich rasch, und so wurde „aus dem Leben zu verschwinden“ für mich nie eine reale Perspektive.
B. B. verweist darauf, daß sein Entschluß in langer Zeit gereift ist und daß keine Änderung der Umstände zum Besseren zu erwarten ist.

„Man hat mir gesagt ich muss zur Schule gehen, um für mein leben zu lernen, um später ein schönes Leben führen zu können. Aber was bringt einem das dickste Auto, das grösste Haus, die schönste Frau, wenn es letztendlich sowieso für'n Arsch ist. Wenn deine Frau beginnt dich zu hassen, wenn dein Auto Benzin verbraucht das du nicht zahlen kannst, und wenn du niemanden hast der dich in deinem scheiss Haus besuchen kommt!“

B. B. lehnt die Statussymbole des „schönen Lebens“ ab. Er sieht völlig klar, daß das Streben nach diesen Statussymbolen daß Leben inhaltlos läßt und folgert, daß die Schule als Trainingsantalt für derartiges Streben die Schüler deformiert.

„Das einzigste was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe war, das ich ein Verlierer bin. Für die ersten jahre an der GSS stimmt das sogar, ich war der Konsumgeilheit verfallen, habe danach gestrebt Freunde zu bekommen, Menschen die dich nicht als Person, sondern als Statussymbol sehen.“

Bereits hier drückt der spätere Täter auf das Entschiedenste aus, daß er als Person gesehen werden will. Er fühlt sich als eigensinniger und eigenwürdiger Mensch und nicht als Mittel für die Zwecke Anderer. Weil er darauf beharrte, so seine Erfahrung, machte ihn die Schule mit aller Konsequenz zum Verlierer. Das akzeptiert er nicht. Er bezeichnet sogar, intellektuell klar und mit ironischer Distanz, sein zeitweilig anpasserisches Verhalten als sein eigentliches Verlierersein.

„Aber dann bin ich aufgewacht! Ich erkannte das die Welt wie sie mir erschien nicht existiert, das sie eine Illusion war, die hauptsächlich von den Medien erzeugt wurde.“

Wir lesen einen offenbarenden Satz. Er ist aufgewacht.
Zeichen einer buchstäblich „kopernikanischen Wende“ des Denkens? B. B. bezieht den Standpunkt einer ganz und gar radikalen Kritik der Gesellschaftsverfassung, einschließlich der illusionslosen Sicht auf die Medien. Es ist ein Schritt, den Viele niemals gehen, dessen Notwendigkeit Viele zwar spüren aber schleunigst verdrängen. Ich weiß nicht, wie es kam, daß B.B. „aufgewacht“ ist, daß es ihm plötzlich „wie Schuppen von den Augen fiel“, obwohl er doch zunächst versucht hatte, es den anderen gleich zu tun. Jedenfalls blieb es nicht die Erleuchtung einer einsamen Stunde, sondern wurde alltäglich immer wieder bestätigte Erfahrung:

„Ich merkte mehr und mehr in was für einer Welt ich mich befand. Eine Welt in der Geld alles regiert, selbst in der Schule ging es nur darum. Man musste das neuste Handy haben, die neusten Klamotten, und die richtigen "Freunde". hat man eines davon nicht ist man es nicht wert beachtet zu werden. Und diese Menschen nennt man Jocks. Jocks sind alle, die meinen aufgrund von teuren Klamotten oder schönen Mädchen an der Seite über anderen zu stehen.“

B. B. entdeckt, daß die ganze Welt den Götzen huldigt, denen er keinesfalls dienen will. Woher diese kompromißlose Ablehnung? Ist er „zerfressen von Sozialneid“? Hat er ein unüberwindliches, ihn zutiefst steuerndes Minderwertigkeitsproblem? Ist es Ichstärke oder Ichstarrheit? Ist es das Beharren eines sehr jungen Menschen auf idealischen Werten von „gut“ und „Gerechtigkeit“?

„Ich verabscheue diese Menschen, nein, ich verabscheue Menschen.“

Eine rücksichtslose Verallgemeinerung. Ein fataler Übergang. Von den ihn wirklich umgebenden konkreten Menschen zu ALLEN Menschen. In dem Sumpf, der ihn umgibt, sieht B. B. keine Spur von Halt. Er will auf keinen Fall willenlos wegsacken. Aber um ihn herum ist nur absoluter, konturloser Brei.

„Ich habe in den 18 Jahren meines Lebens erfahren müssen, das man nur Glücklich werden kann, wenn man sich der Masse fügt, der Gesellschaft anpasst. Aber das konnte und wollte ich nicht. Ich bin frei! Niemand darf in mein Leben eingreifen, und tut er es doch hat er die Konsequenzen zu tragen! Kein Politiker hat das Recht Gesetze zu erlassen, die mir Dinge verbieten, Kein Bulle hat das Recht mir meine Waffe wegzunehmen, schon gar nicht während er seine am Gürtel trägt.“

In der als zerstörerisch und HOFFNUNGSLOS ZERSTÖRERISCH empfundenen Gesellschaft kann B. B. nur eines helfen: Sein ICH, und das ist zugleich seine Selbstbestimmung als Hasser aller und alles übrigen. Er hat nun seinerseits das Band zwischen sich und der Gesellschaft zerschnitten. Er erkennt nur seine eigenen Gesetze an und sein Recht, diese mit Waffengewalt durchzusetzen. Der Einzelne führt das sozialdarwinistische Grundgesetz „Jeder ist sich selbst der Nächste“ zur letzten Konsequenz, indem er seine eigene absolute Souveränität postuliert.
Oben hatte ich nach der „kopernikanischen Wende“ gefragt. Kopernikus hatte die geltenden Vorstellungen ganz und gar zertrümmert. Aber er hatte die Bruchstücke nicht dem Chaos überlassen, sondern ihr neues, wirklichkeitsnahes, harmonisches System formuliert.
Davon kann bei B.B. nicht die Rede sein. Sein Credo ist verengt auf die unbeschränkte Freiheit des Einzelnen. Er ist bar jeder Verantwortung, gottgleich - wie das Kapital höchstselbst.
Seine Position vertritt er auch mit drohendem Unterton.

Weiter geht sein Brief, weiter argumentierend. Weiter quält er sich. Nein, er hat es sich nicht leicht gemacht. Vieles hat er wieder und wieder durchdacht. Seine Radikalität hat ihn zu tiefen Fragen geführt, und Scheinantworten hat er nicht gelten lassen.

„Wozu das alles? Wozu soll ich arbeiten? Damit ich mich kaputtmaloche um mit 65 in den Ruhestand zugehen und 5 Jahre später abzukratzen?Warum soll ich mich noch anstrengen irgendetwas zu erreichen, wenn es letztendlich sowieso für'n Arsch ist weil ich früher oder später krepiere? Ich kann ein Haus bauen, Kinder bekommen und was weiss ich nicht alles. Aber wozu? Das Haus wird irgendwann abgerissen, und die Kinder sterben auch mal. Was hat denn das Leben bitte für einen Sinn? Keinen! Also muss man seinem Leben einen Sinn geben, und das mache ich nicht indem ich einem überbezahlten Chef im Arsch rumkrieche oder mich von Faschisten verarschen lasse die mir erzählen wollen wir leben in einer Volksherrschaft. Nein, es gibt für mich jetzt noch eine Möglichkeit meinem Leben einen Sinn zu geben, und die werde ich nicht wie alle anderen zuvor verschwenden! Vielleicht hätte mein Leben komplett anders verlaufen können. Aber die Gesellschaft hat nunmal keinen Platz für Individualisten. Ich meine richtige Individualisten, Leute die slebst denken, und nicht solche "Ich trage ein Nietenarmband und bin alternativ" Idioten!"

Er erkennt, daß dem Leben kein Sinn vorgegeben ist, jeder Mensch seinem Leben selbst seinen Sinn geben muß. Er wird seinem Leben einen Sinn geben, um jeden Preis, und er sieht dafür nur einen einzige Möglichkeit.
Er nennt die, die erzählen, wir lebten in einer Volksherrschaft, kurzerhand Faschisten. Das ist, wörtlich genommen, natürlich falsch, und ist doch in anderer Hinsicht schrecklich hellsichtig. http://opablog.twoday.net/stories/3025176/

„Ihr habt diese Schlacht begonnen, nicht ich. Meine Handlungen sind ein Resultat eurer Welt, eine Welt die mich nicht sein lassen will wie ich bin. Ihr habt euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan, ich hatte nur einen ganz anderen Humor!“

Er ahnt, daß er ganz anders hätte leben können. Was er tun wird, sieht er als aufgezwungen. Doch er wird es tun, weil er glaubt nur so sein Ich endgültig und auch in einer Art Triumph bestätigen zu können. Der Gedanke, daß er in dieser letzten Aktion an sich selbst den Zwang der verhaßten Gesellschaft exekutiert, kommt ihm nicht.

„Von 1994 bis 2003/2004 war es auch mein Bestreben, Freunde zu haben, Spass zu haben. Als ich dann 1998 auf die GSS kam, fing es an mit den Statussymbolen, Kleidung, Freunde, Handy usw.. Dann bin ich wach geworden. Mir wurde bewusst das ich mein Leben lang der Dumme für andere war, und man sich über mich lustig machte.“

Zurichtung angepaßter Bürger – ganz beiläufig wird hier einmal mehr der Zweck der frühzeitigen Auslese in Deutschlands Schulsystem offengelegt.

„Und ich habe mir Rache geschworen! Diese Rache wird so brutal und rücksichtslos ausgeführt werden, dass euch das Blut in den Adern gefriert. Bevor ich gehe, werde ich euch einen Denkzettel verpassen, damit mich nie wieder ein Mensch vergisst! Ich will das ihr erkennt, das niemand das Recht hat unter einem faschistischen Deckmantel aus Gesetz und Religion in fremdes Leben einzugreifen!
Ich will das sich mein Gesicht in eure Köpfe einbrennt!
Ich will nicht länger davon laufen! Ich will meinen Teil zur Revolution der Ausgestossenen beitragen!
Ich will R A C H E !“


Eine Selbststilisierung zum schrecklichen Rächer, nicht ohne pubertären Furor, ist unverkennbar.
Mein Recht sei der Terror!
„Revolution der Ausgestossenen“ - bloßes Versatzstück aus einem anderen Vokabular oder erahnte/erhoffte Denkmöglichkeit aber ohne Chance praktischer Relevanz?
Wieder die Denunziation von bürgerlichem Recht und Religion als faschistisch aber kein Gedanke an die Nähe des bestialischem ICH zum faschistischen Todesengel.
B.B., der entschlossen ist, ein endgültiger Täter zu werden, erörtert Einzelheiten seiner Tat. Was er vorhat, hat nicht das Geringste mit der Spontaneität eines Amoklaufs zu tun. Vielmehr handelt es sich um einen, besonders hinsichtlich seiner Begründungen und Ziele, detailliert durchgearbeiteten Terroranschlag, wie die folgende Passage zeigt:

„Ich habe darüber nachgedacht, dass die meisten der Schüler die mich gedemütigt haben schon von der GSS abgegangen sind. Dazu habe ich zwei Dinge zu sagen:
1. Ich ging nicht nur in eine klasse, nein, ich ging auf die ganze Schule.
Die Menschen die sich auf der Schule befinden, sind in keinem Falle unschuldig! Niemand ist das! In deren Köpfen läuft das selbe Programm welches auch bei den früheren Jahrgängen lief! Ich bin der Virus der diese Programme zerstören will, es ist völlig irrelewand wo ich da anfange.
2. Ein Grossteil meiner Rache wird sich auf das Lehrpersonal richten, denn das sind Menschen die gegen meinen Willen in mein Leben eingegriffen haben, und geholfen haben mich dahin zu stellen, wo ich jetzt stehe; Auf dem Schlachtfeld! Diese Lehrer befinden sich so gut wie alle noch auf dieser verdammten schule!“

Terror als letzte Waffe des Einzelnen gegen ein nur noch als vernichtenswert wahrgenommenes System.
In einem gewissen Sinne ist von B.B. als einem Selbstmordattentäter zu sprechen. Das scheint mir der Beachtung wert. Keine exotische, unserer Kultur zutiefst fremde Verhaltensweise aus dem Morgenland, sondern eine Pflanze aus unserer Mitte, gewachsen auf dem Boden eines normalen deutschen Städtchens.

„Das Leben wie es heute täglich stattfindet ist wohl das armseeligste was die Welt zu bieten hat!
S.A.A.R.T. - Schule, Ausbildung, Arbeit, Rente, Tod
Das ist der Lebenslauf eines "normalen" Menschen heutzutage. Aber was ist eigentlich normal? Als normal wird das bezeichnet, was von der Gesellschaft erwartet wird. Somit werden heutzutage Punks, Penner, Mörder, Gothics, Schwule usw. als unnormal bezeichnet, weil sie den allgemeinen Vorstellungen der Gesellschaft nicht gerecht werden, können oder wollen. Ich scheiss auf euch! Jeder hat frei zu sein!“


Immer wieder kommt B.B. auf die Unerträglichkeit des als „normal“ geforderten Lebens zurück. Man könnte einwenden, daß er die Schrecken der Normalität wohl deshalb in so grellen Farben malt, um dagegen seine „Kultur des Todes“ rechtfertigen zu können.

„Gebt jedem eine Waffe und die Probleme unter den Menschen lösen sich ohne jedliche Einmischung Dritter. Wenn jemand stirbt, dann ist er halt tot. Und? Der Tod gehört zum Leben! Kommen die Angehörigen mit dem Verlust nicht klar, können sie Selbstmord begehen, niemand hindert sie daran!“

Das scheint nur noch zynisch zu sein und jeder Zivilisation zu höhnen.
Abgesehen davon, daß es dem Verfasser ernst war, und er nicht nur den Anderen Ratschläge gab, sondern sich selbst in der Tat so verhielt, sollten wir nicht verdrängen, welche „Kultur des Todes“ längst in unseren Alltag eingedrungen ist, nicht nur als Nachricht und mediales Abbild, sondern sogar verkörpert im gewöhnlichen Gebrauchsgegenstand oder im Nahrungsmittel.
Beispiel: http://opablog.twoday.net/stories/2950004/

„S.A.A.R.T. beginnt mit dem 6. Lebensjahr hier in Deutschland, mit der Einschulung.
Das Kind begibt sich auf seine perönliche Sozialisationsstrecke, und wird in den darauffolgenden Jahren gezwungen sich der Allgemeinheit, der Mehrheit anzupassen. Lehnt es dies ab, schalten sich Lehrer, Eltern, und nicht zuletzt die Polizei ein. Schulpflicht ist die Schönrede von Schulzwang, denn man wird ja gezwungen zur Schule zu gehen. Wer gezwungen wird, verliert ein Stück seiner Freiheit. Man wird gezwungen Steuern zu zahlen, man wird gezwungen Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten, man wird gezwungen dies zu tun, man wird gewzungen das zu tun. Ergo: Keine Freiheit! Und sowas nennt man dann Volksherrschaft. Wenn das Volk hier herrschen würde, hiesse es Anarchie!
WERDET ENDLICH WACH - GEHT AUF DIE STRASSE - DAS HAT IN DEUTSCHLAND SCHONMAL FUNKTIONIERT!“


Ist es nicht erstaunlich, mit welcher Unbedingtheit, ja Skrupellosigkeit B.B. die völlige Anarchie fordert? SO vertritt kaum jemand den Standpunkt der absoluten Freiheit des Individuums. Kein Schüler, kein Autofahrer, Niemand darf auf solche Freiheit von aller sozialen Verantwortung pochen. Niemand? Ein Individuum darf es. Sein Name ist „Kapital“.
Nichts anderes praktiziert der Attentäter von Emsdetten, als die unumschränkte Gewalt, mit der das Kapital alles Lebendige frißt.

„Nach meiner Tat werden wieder irgendwelche fetten Politiker dumme Sprüche klopfen wie "Wir halten nun alle zusammen" oder "Wir müssen gemeinsam versuchen dies durchzustehen". Doch das machen sie nur um Aufmerksmakeit zu bekommen, um sich selbst als die Lösung zu präsentieren. Auf der GSS war es genauso... niemals lässt sich dieses fette Stück Scheisse von Rektorin blicken, aber wenn Theater-aufführungen sind, dann steht sie als erste mit einem breiten Grinsen auf der Bühne und präsentiert sich der Masse!“

Ja, es sind drastische, haßerfüllte Worte. Geschenkt.
Es ist auch der illusionslose Blick auf und hinter die Kulissen des Machtsystems, und es ist der Durchblick, wie genau dieses Machtsystem noch in der letzten Routine des Schultags funktioniert.

„Nazis, HipHoper, Türken, Staat, Staatsdiener, Gläubige...einfach alle sind zum kotzen und müssen vernichtet werden! (Den begriff "Türken" benutze ich für alle HipHopMuchels und Kleingangster; Sie kommen nach Deutschland weil die Bedingungen bei ihnen zu hause zu schlecht sind, weil Krieg ist... und dann kommen Sie nach Deutschland, dem Sozialamt der Welt, und lassne hier die Sau raus. Sie sollten alle vergast werden! Keine Juden, keine Neger, keine Holländer, aber Muchels! ICH BIN KEIN SCHEISS NAZI) Ich hasse euch und eure Art! Ihr müsst alle sterben!
Seit meinem 6. Lebensjahr wurde ich von euch allen verarscht! Nun müsst ihr dafür bezahlen!
Weil ich weiss das die Fascholizei meine Videos, Schulhefte, Tagebücher, einfach alles, nicht veröffentlichen will, habe ich das selbst in die Hand genommen.
Als letztes möchte ich den Menschen, die mir etwas was bedeuten, oder die jemals gut zu mir waren, danken, und mich für all dies Entschuldigen!
Ich bin weg...“


Resistant – in die Irre gelaufen und umgekommen – der Bruder hätte sein können.

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

Aktuelle Beiträge

Neues vom Selbstversorger
Ich kann mich gut erinnern, was für eine ernste...
kranich05 - 2009/12/01 20:49
Kunstpostkarten - Archipow,...
Diese Abbildung stammt aus den Uraltbeständen...
kranich05 - 2009/12/01 11:54
mensch, kranich, ich...
mensch, kranich, ich les ja deinen blog ab und zu...
icke (Gast) - 2009/12/01 02:13
Ich tendiere zu der Ansicht,...
Ich tendiere zu der Ansicht, daß der Mensch,...
kranich05 - 2009/11/30 21:43
Hallo Gitano, ich bin...
Hallo Gitano, ich bin mir nicht sicher, Deine Bemerkungen...
kranich05 - 2009/11/30 21:35

Archiv

Dezember 2006
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 4 
 8 
 9 
11
21
22
26
27
28
29
 

RSS Box

Suche

 

Status

Online seit 1446 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2009/12/01 20:54

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma

sorua enabled
xml version of this page
xml version of this page (summary)

twoday.net AGB


911
alternative Medien
Augenweide
Blog und Tagebuch
DDR-Stimmen
Gaumenfreuden
Gesundheit, Alter, Tod
Haus, Garten, Hund
Hebbel
kein Witz
Kino
Krieg
Kunst
Kunstpostkarten
Lenin
Liebe & Sex
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren