Darwins andauernder Alptraum

„Darwins Alptraum“
Drehbuch, Regie, Kamera: Hubert Sauper
Frankreich/Österreich/Belgien: 2004
Vor einem Jahr löste Sauperts Film viele Diskussionen aus. Der Intensität der Bilder und Szenen konnte sich kaum jemand entziehen. Viele Äußerungen zeugten von hilfloser Betroffenheit. Doch es gab auch die ärgerliche Abwehr, bis hin zum Vorwurf der Manipulation. Inzwischen scheint Ruhe eingekehrt.
Tatsächlich geht es Saupert nicht darum, Zusammenhänge zu BEWEISEN und SCHULDIGE festzustellen.
Bittere Tatsachen und manche ihrer Zusammenhänge zeigt der Film auf das Deutlichste, den Reim darauf aber muß sich jeder selbst machen. Kein Scheinwerfer deckt die Ursachen der Übel auf. Nicht der Barsch ist es, nicht der Fabrikbesitzer, nicht der feiste Minister mit seinen Claqueuren, nicht der russische Pilot....
Es gibt diese Ursache nicht, weil das System die Ursache ist.
Die neoliberle Logik muß überwunden, das kapitalistische System muß durch ein System für die Menschen ersetzt werden - der Stoff des Films setzt diese Antwort auf die Tagesordnung. der Film behauptet sie nicht.

Der Film zeigt, von einem Journalisten abgesehen, keine Kämpfer. Er zeigt viele Opfer. Doch die Opfer habe ihre Würde bewahrt. Sie sind lebendige Menschen und leisten Widerstand. Die durch alle Beschädigungen behauptete Schönheit dieser um ihr Überleben kämpfenden Menschen, das ist für mich eine der Entdeckungen.
Eine zweite ist beklemmend: Die Begründung des Nachtwächters Raphael, daß Krieg für ihn, für die Leute, die beste Lösung sei. Das Risiko des Krieges ist nicht größer, vielleicht sogar geringer als das Risiko des Lebens, die Gewinnchancen aber erscheinen ungleich größer.
Vom Terror der Ökonomie zur Kriegsökonomie. So funktioniert im kleinen die Selbstvernichtung der Menschen.
Und im großen?

Der Alptraum dauert an, ob wir Viktoriabarsch essen oder es gerade sein lassen, Tag für Tag, in Mwanza und in aller Welt:
„Weil Saupers Film über diese Riesensauerei der tansanischen Regierung anscheinend das Geschäft vermasselte, wurde jetzt vom Parlament erklärt, “daß alle Mitwirkenden als Staatsfeinde bestraft werden”, teilte der Regisseur der internationalen Presse mit. Unter anderem wurde der Nachtwächter Tukiko unter Hausarrest gestellt, er bat daraufhin Sauper um Hilfe. Am Drehort Mwanza soll es zu einer von der Regierung gelenkten Demonstration gekommen sein, auf der die Bestrafung der an dem Film Beteiligten verlangt wurde, u.a. wurde dabei “das Blut” des dort lebenden Journalisten Richard Mgamba gefordert, der über das Victoriabarsch-Problem geschrieben hatte. Ihm droht nun die Abschiebung nach Kenia.“
(http://taz.de/blogs/hausmeisterblog/2006/09/19/hausmeister-freud-und-leid/)
kranich05 - 2006/11/18 11:04