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Gottes auserwähltes Volk

Ein Beitrag von Jostein Gaarder, Aftenposten 05.08.06

Jostein Gaarder

Für Leute, die bereit sind zu denken.

via: http://kulturtechnik.twoday.net/stories/2507599/
via: http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2586623/

Das Bild von Gaarder via:
http://sirocco.blogsome.com/2006/08/05/israel-a-dire-prophecy/
Julio Lambing - 2006/08/29 12:23

Hallo

"Für Leute, die bereit sind zu denken."

Genau. Denn den Text, den du indirekt verlinkst, ist antisemitischer Müll. Und das nicht, weil er Israel kritisiert, den Krieg etc. Sondern weil er in zentralen Passagen geprägt ist von Mißinterpretationen der jüdischen Kultur, Selbstverständnis, Religion, die aus den Untiefen christlicher Judenfeindlichkeit kommen. (Lassen wir mal den geschichtlich schlechten Geschmack beiseite, wenn ein Gaardner sich auch noch mit dem Rock eines jüdischen Mahners kleidet.)

Ich bin nicht derjenige, der all die schlechten Versatzstücke um "Auge um Auge", "auserwähltes Volk", "Königreich Davids", "Pharisäer" hier aufdröseln wird, das langweilt. Kollege Scholz hat an Textarbeit und Aufklärung bei solchen Themen eher Freude und hat ja auch angefangen.

Ich möchte diesem Blog auch nicht Antisemitismus unterstellen, dafür kenne ich die hiesigen Aussagen zu diesem Themenkomplex zu wenig. Aber das Problem an Klischees ist, dass sie eben unreflektiert übernommen werden, ohne das Bewusstsein derjenigen, die sie verwenden. Die Besonderheit bei der Linken ist, dass sie den Anspruch hat, Repräsentanz des kritischen Bewusstseins zu sein. Deshalb ihre Unfähigkeit Antisemitismus in den eigenen Reihen zu erkennen und anzuerkennen, denn man "ist doch kritisch". Ist man nicht. Man plappert nach.

Der Text hilft also zum Nachdenken, wie mächtig eine bestimmte Tradition an Propaganda immer noch ist. Zu einem kritischen Nachdenken über die Fehler israelischer aussen- und Kriegspolitik taugt er nicht. Kritik ist nicht schon deshalb gut, weil sie Gewalttätigkeit, Ungerechtigkeit und Krieg ins Visier nimmt. Es kommt auf das Wie an.

Diese Stellungnahme nur, weil ich hier erwähnt wurde, einmal hier was kommentiert habe und klarmachen möchte, dass ich auch nicht indirekt mit sowas in Verbindung gebracht werden möchte.

Gregor Keuschnig - 2006/08/30 14:48

Blödsinn

Der Kommentar wie die Links bedienen selber nur die übliche Reflexe und sind wenig hilfreich. Immerhin ist Gaarder Religionswissenschaftler. Ihm zu unterstellen, er kenne das Talionsgesetz nicht, ist natürlich Unfug. Mit dem "Auge um Auge"-Zitat bezieht sich Gaarder auf die Abschreckungs-Doktrin der israelischen Politik. Diese ist explizit belegbar.

Gaarders Text ist ein literarischer Text. Ihn mit den Affekten des Antisemitismus abzufertigen, ist zwar en vogue, aber nicht zielführend.
kranich05 - 2006/08/30 14:50

mittlerweile

Dies nun ein Kommentar, dem ich gern in Ruhe antworten möchte.
Die Umstände verbieten es mir.

Soll ich fürs erste erfreut sein, daß diesem Blog Antisemitismus nicht unterstellt wird? Wenn auch vielleicht nur aus unterlassener Kenntnisnahme der "hiesigen Aussagen zu diesem Themenkomplex"?

Wie dem auch sei, meinem Plappern wie Nachplappern habe ich erstmal ein Pausenzeichen gesetzt.
http://opablog.twoday.net/stories/2601013/
Julio Lambing - 2006/08/31 16:57

Und die Roboter klackern wieder vorraussagbar? Es ist nicht minder en vogue denen Reflexe, Affekte etc. zu unterstellen, die es ablehnen, Kritik an israelischer Kriegspolitik mit antisemitischen Klischees aufzuladen. Folge einer Enervierung über die Broder'isierung der Journaille?

Ansonsten möchte ich dem Kommentator namens "Keuschnig" aber zustimmen:

Es ist natürlich eine spannende Frage, ob es zielführender ist, Gaarders Text nicht nur wegen der Verwendung von billigen Klischees, sondern auch wegen seines Kitsches und seiner historischen Geschmacklosigkeit abzufertigen. Und ich finde auch den Hinweis überdenkenswert, dass es Unfug ist, einem Autor wie Gaarder Unkenntnis oder schlechte intellektuelle Verarbeitung religiöser und philosophischer Traditionen zu unterstellen - trotz "Sophies Welt". Der von mir verlinkte Jens Scholz hätte dann Recht mit seiner Korrektur. Es handelte sich in diesem Fall dann nicht um Schlamperei, die man von mittelmäßigen Theologieabsolventen und bemühten Philosophielehrern ja durchaus kennt, sondern um einen bewusste literaische Geisterfahrt. Ich halte es deshalb auch für möglich, dass Kritik an Gaarders Erguss "Blödsinn" ist. Denn man sollte vermutlich den Schund einfach ignorieren, wie das ja viele Zeitungen glücklicherweise gemacht haben (wo habe ich das nocheinmal gelesen?). Sonst müssen wir bald nicht nur Buchstaben, sondern womöglich einen weiteren Film zum Thema fürchten. Und wer will das schon?

Noch was zur vorwegnehmenden Klarstellung: Dass jemand mal antisemitischen Stuss von sich gibt, heisst nicht unbedingt, dass er ein Antisemit ist, auch da sollte man differenziert sein. Genauso wie bei der Frage, ob ein Bestseller-Autor durch Aktivitäten zu Nachhaltigkeit, Umwelt etc, nicht außergewöhnliche Veranwortung zeigen kann.

So und jetzt reicht es. Mir ging es um ein klares Feedback an Opablog, nicht um eine Diskussion mit Apologeten des Gaarderischen Stusses. Mehr ist auch nicht nötig. Dem Herrn "Kranich05" wünsche ich abschliessend guten Urlaub.
Chat Atkins (anonym) - 2006/09/01 23:29

Wenn ein Mensch sich ethisch selbst versenkt hat - warum muss seine Schande hier noch einmal gepostet werden?

Trackback URL:
http://opablog.twoday.net/stories/2589656/modTrackback

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