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Diplomaten

Eins der Spottlieder von Frank Wedekind aus der Zeit des Ersten Weltkrieges trägt den Titel „Diplomaten“.

„Heut verschonen
Die Kanonen
Die Leichen in der Gruft nicht mehr.
Jawohl, die Zeit ist schwer!
Sag an, wie nennen sich
Die Herrn, die uns das taten?
Diplomaten!
Schwaches Herz und kühne Stirn,
Großes Maul und kleines Hirn!
Wie ein Nadelöhr, so eng
Der Gesichtskreis – Schnedderedeng!

Dieser Feldzug
Ist kein Schnellzug.
So singt man heut zum Unterschied
Ein längst bekanntes Lied.
Wie lang umdröhnt uns noch
Der Länder Kriegsfanfare?
Dreißig Jahre!
Menschen gibts dann nirgends mehr,
Überall nur Militär!
Ach, wie schön ist’s in der Welt!
Wo man hinspuckt, sitzt ein Held.

1964, als ich das Lied zum ersten mal hörte – eine Aufnahme aus der Aurora-Reihe der Akademie der Künste, Sänger war Ernst Busch – war ich nicht recht begeistert. Es störte mich, dass Wedekind sich nur mit den Figuren auf der Bühne beschäftigt hatte. Die Strippenzieher, die wirklich Mächtigen blieben im Dunkel. Streng ging der junge Marxist mit dem verwegenen Bänkelsänger um.

In diesen Tagen, da allzu viele Menschen schweigen, erleben wir einmal mehr die große Stunde der Politiker- und Diplomatenkreaturen, dieser Typen mit dem schwachen Herzen und der kühnen oder der denkerisch gefurchten Stirn.
Als Berater- und Vermittler- und Verhandlergeschmeiß pressen sie das gequälte Land, damit sein Widerstand, den der Israelische Militärterror immer noch nicht brechen konnte, endlich kapituliert. Deutsche mit Namen Merkel, Steinmeier, Fischer spielen dabei eine besonders üble, scheinheilige Rolle.

Venzuela, ein anderes gefährdetes Land, hat es gewagt, den größten Menschenrechtshütern aller Zeiten die Wahrheit zu sagen:
„… eine ängstliche, feige und heuchlerische Diplomatie… Und diese erfüllt ihre Rolle dahingehend, dass sie das Leid von ganzen Bevölkerungen während ihrer sterilen Versammlungen verlängert; Versammlungen, die von Lügen und Vereinbarungen gekennzeichnet sind, die nur den mächtigen Unternehmergruppen und Waffenherstellern Nutzen bringen.
Hohle Aufrufe, wie die der „uno“ … oder von Vertretern anderer Organisationen und Länder sind nichts mehr als „Übungen in Scheinheiligkeit“. Eine vernünftige und wirklich demokratische Welt kann diese Aufrufe nicht mehr als ehrlich und effektiv wahrnehmen.“

Eine Welt muß ihren vernünftigen, ihren wirklich demokratischen Willen finden.
Gregor Keuschnig - 2006/08/09 08:42

Gestern...

Herr Steinmeier im Gespräch in den Tagesthemen. Wickert sprach offensiv an, dass er doch eigentlich auch nach Syrien reisen wollte, aber die USA dagegen waren und er nun nicht nach Syrien reise. Steinmeier war offensichtlich nicht vorbereitet auf diese Art Frage. Sein Ausweichen war nur "semi-professionell" (Fischer hätte hier rhetorisch brillanter gekontert). Und plötzlich tat er mir wirklich leid - denn das er helfen will, bestreite ich nicht. Aber statt auch mal "diplomatisch" etwas zu "riskieren", zuckt er vor den selbstaufgestellten Hindernissen zurück. Als das Mitleid wich, kam eine gewisse Verachtung.

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