Die Reise des jungen Che

Ich hatte wenig erwartet, umso schöner war das Erlebnis dieses Films. Er hat mich richtig fröhlich gemacht. Bin wohl mitgenommen worden auf die Reise der beiden Männer.
Sie sind jung, zwar erwachsen aber noch begierig darauf, das Wichtigste des Lebens zu finden. Mit ihrem betagten aber vertrauenserweckenden Motorrad brechen sie auf. Nicht weniger als den ganzen lateinamerikanischen Kontinent wollen sie erobern.
Che Guevara war mir nie wirklich nah. Damals, vor langer Zeit, betrachtete ich ihn kritisch. „Bissel viel Abenteurertum“, meinte ich, „Wär er Planungschef in Kuba geblieben, hätte er für den Sozialismus mehr leisten können.“ (Die Weisheit, wie man Befreiung und Sozialismus richtig macht, die hatte unsereins ja mit Löffeln gefressen.)
Dann entrückte er zur Ikone, und für dergleichen hatte ich noch nie etwas übrig.
Ich sehe den Film, und ein Kontinent tut sich auf, ja, wie in jedem Movie, mit beeindruckenden Landschaften, vor allem aber mit Menschen.
Diese „Reise mit offenem Herzen“ (Platonow) führt in die Tiefen der Geschichte, in die Tiefen der Schicksale, in die Tiefe der Menschenherzen. Und bleibt doch auch spannende und oft vergnügliche Abenteuergeschichte. Meisterhaft im Detail, sensibel und ganz und gar durchdrungen von einem Stoff, den das Kommerzkino nicht kennt: Menschenliebe.

Land Brasilien, USA 2003
Regie Walter Salles
Darsteller Gaël García Bernal, Rodrigo De la Serna, Mía Maestro, Mercedes Morán, Jorge Chiarel
Produzent Robert Redford
kranich05 - 2006/07/12 00:27