Meine Liebe,
der Tag beginnt damit – zu verhalten.
Eigentlich war ich darauf eingestellt, sogleich in die Arbeitssachen zu schlüpfen und im Garten mit der Beetgestaltung zu einem vorläufigen Ende zu kommen. Wie gestern schon am Telefon gesagt: Die letzten Kubikmeter Mutterboden würde ich nicht im Garten ausbreiten, sondern würde daraus ein bepflanzbares Hochbeet formen, ein provisorisches, und diese Erde damit für das im nächsten Jahr geplante Gründach bereithalten.
Eigentlich…
Nun aber hat mich das Wetter gestoppt. Das Wetter selbst ist gestoppt. Der Wetterbericht sagt, westlich von Berlin gäbe es Regen, der nordostwärts zieht, also genau hierher. Es ist trübe, ruhig, auch wenn die Vögel lärmen. Die Luft ist voller Wassertröpfchen aber noch ganz winzigen, noch kein Sprühregen.
Die Narzissen sind fast alle erblüht aber alle blicken sie zu Boden. Überall wo’s blüht, trittst Du mir entgegen. Überall blüht und grünt es von Deiner Hand.


Vorerst bleibe ich im Haus. Frühstückte in Ruhe… unsere Zeremonie… nun aber allein mit mir. Habe sogar die Kaffeemaschine angeworfen; mache ich eigentlich nie, wenn ich allein bin. Hätte gern eine Kerze angezündet, ein Ei so gekocht, wie Du es verlangst. Für mich allein aber „lohnt“ sich das nicht… denke ich… vielleicht falsch.
Der Morgen bringt Muße, und ich nehme sie an. Lese, wie Hölderlin einen anderen Morgen begrüßte:
"Vom Taue glänzt der Rasen; beweglicher
Eilt schon die wache Quelle; die Buche neigt
ihr schwankes Haupt und im Geblätter
Rauscht es und schimmert; und um die grauen
Gewölke streifen rötliche Flammen dort,
Verkündende, sie wallen geräuschlos auf;
Wie Fluten am Gestade, wogen
Höher und höher die Wandelbaren.
Komm nun, o komm, und eile mir nicht zu schnell,
Du goldner Tag, zum Gipfel des Himmels fort!
Denn offner fliegt, vertrauter dir mein
Auge, du Freudiger! zu, solange du
In deiner Schöne jugendlich blickst und noch
Zu herrlich nicht, zu stolz, mir geworden bist;
…."
Des Dichters Macht entführt mich in eine andere Art Morgen.
Ich wünsch' Dir, daß auch Dein Tag mit freundlich Gedanken ruhig beginnt.
Eigentlich war ich darauf eingestellt, sogleich in die Arbeitssachen zu schlüpfen und im Garten mit der Beetgestaltung zu einem vorläufigen Ende zu kommen. Wie gestern schon am Telefon gesagt: Die letzten Kubikmeter Mutterboden würde ich nicht im Garten ausbreiten, sondern würde daraus ein bepflanzbares Hochbeet formen, ein provisorisches, und diese Erde damit für das im nächsten Jahr geplante Gründach bereithalten.
Eigentlich…
Nun aber hat mich das Wetter gestoppt. Das Wetter selbst ist gestoppt. Der Wetterbericht sagt, westlich von Berlin gäbe es Regen, der nordostwärts zieht, also genau hierher. Es ist trübe, ruhig, auch wenn die Vögel lärmen. Die Luft ist voller Wassertröpfchen aber noch ganz winzigen, noch kein Sprühregen.
Die Narzissen sind fast alle erblüht aber alle blicken sie zu Boden. Überall wo’s blüht, trittst Du mir entgegen. Überall blüht und grünt es von Deiner Hand.


Vorerst bleibe ich im Haus. Frühstückte in Ruhe… unsere Zeremonie… nun aber allein mit mir. Habe sogar die Kaffeemaschine angeworfen; mache ich eigentlich nie, wenn ich allein bin. Hätte gern eine Kerze angezündet, ein Ei so gekocht, wie Du es verlangst. Für mich allein aber „lohnt“ sich das nicht… denke ich… vielleicht falsch.
Der Morgen bringt Muße, und ich nehme sie an. Lese, wie Hölderlin einen anderen Morgen begrüßte:
"Vom Taue glänzt der Rasen; beweglicher
Eilt schon die wache Quelle; die Buche neigt
ihr schwankes Haupt und im Geblätter
Rauscht es und schimmert; und um die grauen
Gewölke streifen rötliche Flammen dort,
Verkündende, sie wallen geräuschlos auf;
Wie Fluten am Gestade, wogen
Höher und höher die Wandelbaren.
Komm nun, o komm, und eile mir nicht zu schnell,
Du goldner Tag, zum Gipfel des Himmels fort!
Denn offner fliegt, vertrauter dir mein
Auge, du Freudiger! zu, solange du
In deiner Schöne jugendlich blickst und noch
Zu herrlich nicht, zu stolz, mir geworden bist;
…."
Des Dichters Macht entführt mich in eine andere Art Morgen.
Ich wünsch' Dir, daß auch Dein Tag mit freundlich Gedanken ruhig beginnt.
kranich05 - 2006/04/23 10:52
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