Peter Hacks

Aus Anlass des 78. Geburtstags von Peter Hacks (Er starb vor drei Jahren.) fand in der Humboldt-Universität eine Lesung mit Eberhard Esche statt. Ich schätze, dass ungefähr 300 Leute gekommen waren. Damit war der Kinosaal gut gefüllt, von überfüllt aber nicht zu reden. Es waren in der Mehrzahl erfreulich junge Leute da, Grauhaarige auch nicht wenige, das Mittelalter, wie so oft, schwach vertreten.
Am Buchstand draußen kaufte ich mir, die „Hundert Gedichte“, deren Auswahl Hacks noch selbst besorgt hat und – obwohl extrem knapp bei Kasse – auch noch die Festschrift zu seinem 75. Geburtstag, einen Sammelband, „In den Trümmern ohne Gnade“.
Ich möchte einfach wissen, wie sich Hacks in den Augen Anderer spiegelt. Bekanntlich polarisiert er aufs Schärfste. Auf Diejenigen, die ihn missachten, kann ich mir selbst einen Reim machen. Aber was es zu Schätzen oder gar zu Bewundern gibt, wüsste ich gern genauer. Er selbst macht es mir naivem Gemüt mit seiner penetranten Goethenähe, selbst erklärten Klassizität und überschwänglichen Ulbrichtverehrung nicht leicht. Leider verleitet er auch manche LeserIn zu hochgestimmten Dummheiten. So versteigt sich Frau Wagenknecht zu der Behauptung, dass es für die DDR historische Legitimation genug sei, Hacks, den klassischen Dichter, ermöglicht zu haben. Geht’s nicht ‚ne Nummer kleiner?
Natürlich ist es ein Unding (und kein Zufall), dass es den Dramatiker Hacks nicht gibt. Ich lese Dramen höchst ungern und zehre also im Wesentlichen von den Inszenierungen des Deutschen Theaters, die Jahrzehnte zurückliegen. Und nicht nur die „Pandora“ vermisse ich. Unsere Theater sind halt frei, hacksfrei.
Doch Hacks ist glücklicherweise auch Lyriker und Essayist und Kinderbuchautor und Epigrammatiker und sogar Autor von Werken, die nach meinem Gefühl in gar kein Genre „passen“ (letzteres hätte er, formbewußt wie kein zweiter, sicherlich bestritten). So gibt es hundert Wege, auf denen sein Werk zu uns dringt, trotz des Widerstands der öffentlichen Literaturgesellschaft.
Eberhard Esche hat wunderbar gelesen. Bei soviel Verehrern des Dichters war’s ja auch ein Heimspiel.
Wann darf man das schon erleben, dass geistvolle Pointen zu brüllendem Gelächter Anlass geben?
Natürlich darf am Ende meines Berichts ein Gedicht nicht fehlen.
Saturno
Vom Lande der Hellenen kam mein Schiff geschwommen.
Mit Freude dank ich denen, die mich aufgenommen.
Man frug in allen Breiten: was sind deine Gaben?
Ich sprach: die goldnen Zeiten, will sie keiner haben?
Coriandoli und Nüsse, Kerzenschein und Lieder.
Empfanget meine Küsse, gebt sie auch mal wieder.
Empfanget meine Liebe, bin da selbst empfänglich.
Was immer von uns bliebe. Liebe ist nicht unvergänglich.
Ich bin die Saat im Winter, die im Dunkel wohnet.
Ihr kommt wohl noch dahinter, dass Erwartung lohnet.
Und lieg ich tief verborgen, bleib ich nicht verschwunden.
Der hoffen kann auf morgen, hat mich schon gefunden.
Coriandoli und Nüsse, Fackelschein und Lieder.
Empfanget meine Küsse, gebt sie auch mal wieder.
Empfanget meine Liebe, bin da selbst empfänglich.
Was immer von uns bliebe. Liebe ist nicht unvergänglich
kranich05 - 2006/03/25 13:42
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