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Krise in Frankreich - Lehre für Deutschland

Altlinke, neulinke Herzen schlagen freudig. In Frankreich ist mal wieder Stimmung.
Auch etliche BloggerInnen brachten ihre Begeisterung zum Ausdruck, oft verbunden mit einem ärgerlichen bis verächtlichen Seitenblick auf den braven deutschen Michel.
Wirklich analysiert, was da tatsächlich in Frankreich abgeht, wird nur wenig.
Aber es gibt Analysen.
Eine hab’ ich heute schon verlinkt.
Eine andere, hochinteressante finde ich hier: http://www.freitag.de/2006/12/06120101.php
(über: http://segert.net/weblog/laengst-dereguliert/)

Markus Bernhardt schreibt im „Freitag“: „Stärker als jedes andere Land in der EU erlebt Frankreich nun die Fragmentierung seiner Gesellschaft.“
Und er verweist auf einen Zusammenhang, zwischen den November-Aufständen in den Banlieus und den jetzigen Streiks der Schüler und Studenten: „Das aber ist die wahre Infamie, die im Arbeitsgesetz des Dominique de Villepin steckt: die mittellose Jugend der Vorstädte gegen die bürgerliche der Metropolen auszuspielen.“
Und ein weiterer Aspekt:
„Dass Chiracs Premierminister in einer solchen Situation im gesetzlichen Schnellverfahren und ohne Debatte im Parlament eine moralisch anstößige, wenig durchdachte Beschäftigungsmaßnahme wie den CPE, den Vertrag zur Erstanstellung ("contrat première embauche"), durchpeitschte, war ein enormer Fehler, der im rechten Lager auch die politischen Freunde de Villepins ratlos lässt.“

Mir scheint, dass hier ein wichtiger Unterschied zur Situation in Deutschland liegt. Mit der Abwahl Schröders UND der Schlappe, die Angie zur Wahl mit ihrem Finanzexperten Kirchhoff und ihrer forschen Ankündigung, sie werde „durchregieren“, erlitt, hat die Arroganz der Macht in Deutschland einen Dämpfer erhalten. Die Bundeskanzlerin, von vielen unterschätzt, hat schnell gelernt und entwickelt einen Regierungsstil einschließlich Stil des Umgangs mit den Medien, der vorerst wenig Angriffsflächen bietet, manchmal sogar damit kokettiert, „dem Volk aufs Maul zu schauen“. Unverzichtbar dabei Münte, der bei dieser „Politik auf leisen Sohlen“ in seinem Element ist.

Wir dürfen uns über die Stürme dort freuen und die Stille hier bedauern, sollten darüber aber nicht vergessen, die Kräfte und Verhältnisse im Einzelnen zu analysieren.

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