Syriana


Gefallen hat mir der Film. Trotzdem will ich ihn nicht besonders loben. Mir scheint, seine Stärke ist zugleich auch seine Schwäche.
Viele Personen, mehrere Handlungsstränge, kurze Schnitte – da hat man’s zunächst nicht leicht, sich zu orientieren, bevor man richtig folgen kann.
Kein Film hat mir wie dieser eine sinnliche Vorstellung davon vermittelt, was Globalisierung ist. Weltumspannende Macht, weltumspannende Kommunikation, wechselseitige Abhängigkeiten weltweit, das atmet dieser Film in jeder Szene. Globalisierung ist da wirklich praktisches Geschehen, keine Abstraktion, keine Verheißung und auch keine bloße Drohung.
Aber all das monumental. Kein Mensch, er gehöre denn zur Elite der Elite, kann in dieses Geschehen eingreifen. Interessenblöcke bestimmen. Sie verfügen über geheimnisvolle Mittel, seien sie technischer Art, seien sie ideell-religiöser Art. So üben sie ihre Macht aus.
Es kommen auch „normale“ Menschen vor, es gibt Alltagssituationen. Aber nie gibt es die Spur einer Chance, dass einfache Menschen, diesen Weltprozeß Globalisierung mitbestimmen könnten. Wenn der Zuschauer diese Sichtweise übernimmt, wird er zwar beeindruckt sein aber auch ziemlich deprimiert aus dem Film gehen.
Und noch dies: Syriana zeigt gut, wie die Ölbosse mit dem Staat umgehen, seine Kontrollregelungen unterlaufen. Er zeigt kaum etwas davon, wie sie den Staat und seine wichtigsten Repräsentanten kaufen, wie sie tendenziell selbst den Staat bestimmen.
Regie: Steve Gaghan
Schauspieler: George Clooney, Matt Damon
USA 2005
kranich05 - 2006/03/23 22:05