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Rudi Dutschke

Kürzlich war Geburtstag; der 50. einer guten Bekannten.
Sie überraschte uns mit der Vorführung eines langen Dokumentarfilms von Helga Reidemeister
„Aufrecht Gehen - Rudi Dutschke“.
http://www.prisma-online.de/tv/film.html?mid=1988_aufrecht_gehen_rudi_dutschke

Rudi-Dutschke

Meine Ossiaugen und -ohren nehmen Interessantes wahr.
Die Anregung zu dem Thema kam durch die 15-jährige Tochter. Deren Deutschlehrer hatte, ein halbes Jahr vor seiner Berentung, eine Projektwoche über die 68er angesetzt.
In der Elternversammlung, in der die Schüler ihre Ergebnisse vorstellten, entpuppten sich ganz überraschend mehr oder weniger alle Teilnehmer als ehemalige 68er und… begannen in Erinnerungen zu schwelgen.
Die Geburtstagsrunde dagegen reagierte verunsichert, eine Freundin aus dem Osten gar mit harscher Kritik: „Was wollten diese Studenten? Im Westen hatten sie doch alle Freiheit.“
Die gleichaltrigen Freundinnen der 15-jährigen Tochter äußerten Ahnungslosigkeit aber Interesse. Nie hatten sie etwas über die 68er gehört.

1968: Der Film lässt den heftig argumentierenden Dutschke zu Wort kommen, immer bemüht den Protest über die Systemgrenzen hinaus zu treiben.
Er zeigt, wie die Feindseligkeit gegen die Studentenbewegung angeheizt wird, wie eine Progromstimmung erzeugt wird. Da fehlte nicht mehr viel zum bekannten: “Schlagt ihre Führer tot!“
Und er verschweigt auch nicht das Desinteresse der Massen am politischen Getümmel.

1988, Drehzeit des Films: Junge Leute kommen zu Wort, Hausbesetzer, die überlegen, das man das ganze kapitalistische System umstürzen müsste.
Zur gleichen Zeit setzen die Strategen des Systems zur endgültigen Übernahme des erstarrten Realsozialismus an.
Die Massen interessieren sich für Reisefreiheit und Bananen. Sie ahnen noch nicht, dass ihnen Kohl ein Jahr später zur Revolution gratulieren wird… und sie sich künftig mit Reisefreiheit und Bananen zu begnügen haben.

2006: Wieder gibt es Einige, die eine Neue Sozialistische Alternative wollen.
Wieder ist die Macht fest in den Händen der Profiteure.
Wieder schläft der große Lümmel, rumort halbwach im Traum, und schläft.

Ein filmisches Detail?
Immer wieder das zögernd-hilflose Lächeln des greisen Vaters, eines Überforderten.

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