Das Gartenjahr beginnt

Vorfrühling.
Nein, so brechen bei uns die Winterlinge noch nicht hervor. Trotzdem ist es überall zu spüren: Der Winter hat ausgespielt.
Der Schnee ist geschwunden. Darunter kommt die Eisschicht zum Vorschein, die nun das Tauwasser hindert, zügig abzufließen. Fast könnte man im Garten einen Kahn gebrauchen. Stattdessen kommen meine geliebten Holzschuhe wieder zu Ehren – trocken, warm, mühelos schlüpf ein, schlüpf aus; es gibt nichts Besseres.
In mancher Stunde spüre ich, wie mühsam die Vögel ihren Drang bezähmen, laut los zu jubilieren.
Nach einem Jahr Häuschenbau, in dem der Garten böse zurückstehen musste, soll ihm jetzt viel Aufmerksamkeit und Liebe gehören, mehr als je zuvor.

Hier sind die Spuren seiner Zweckentfremdung als Baustellenhilfplatz noch überdeutlich. Das war im vergangenen Herbst. Der Winter kam und bedeckte alles mit seinem kühlen Tuch.

Doch nun ist es mit der Ruhe bald vorbei. Die Anbaupläne sind gemacht, die Bestellungen der Sämereien und Stauden unterwegs. Chrestensen und Pötschke und „Dreschflegel“ dürfen sich freuen. Vielleicht haben wir uns zu viel vorgenommen.
Mechthild lässt besonders ihre Blumenphantasien sprießen. Ich habe mich mehr dem Gemüse und Obst und den Kräutern zugewandt.
Zeit meines Lebens hab ich gern gegärtnert.
Unvergeßlich ein Dialog mit meinem Vater aus Kindheitstagen:
Ich (12 Jahre): „Früher wollte ich Maler und später Bäcker werden.“
Vater: „Das wollen irgendwann alle Kinder.“
Ich: „Jetzt kann ich mir eigentlich gut vorstellen, Gärtner zu werden.“
Vater (fast erschrocken ob meiner „Anspruchslosigkeit“): „Du meinst wohl Botaniker.“
Am Ende war es weder der Gärtner noch der Botaniker.
Aber dass der Garten Leben und Welt und Philosophie sein kann, das habe ich immerhin begriffen.
Nun also der erste Beitrag im Menüpunkt „Haus und Garten“ des Opablogs. Der letzte bestimmt nicht.
kranich05 - 2006/02/17 20:54