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Picasso auf Insel im Cafe bei Seenot

Schöne kleine Ausstellung in Apolda.

Ausstellung-Apolda

Im Museumsshop stöbere ich ein schmales Bändchen auf: Pablo Picasso, Das Antlitz der Muse, herausgegeben und kommentiert von Goeppert und Goeppert-Frank.

IB-1217

Ich breche meinen Streik und kaufe für 11,80 € das Bändchen 1217 der Insel-Bücherei.

Seit Jahrzehnten sammle ich als unprofessioneller Sammler (denn ich bin nicht fanatisch und der Erhaltungszustand eines Exemplars interessiert mich nur wenig) diese schönen Büchlein. Bis 1989 kostete das einfache Bändchen des Insel-Verlags Leipzig 1,25 Mark (Ost), das Doppelbändchen 2,50. Die DDR ging dahin, und fortan kostete das Bändchen 18,-, 20,-, ja 24,- DM.
Das sagte mir unmissverständlich: Wir sind für die geistige Elite da, und du gehörst nicht dazu. Traurig und trotzig antwortete ich: Dann eben nicht!
Und kaufte nur noch selten das eine oder andere der neuen Insel.

Jetzt also lassen mich die Schönheit dieses Bändchens und der kluge, sensible Text eine Ausnahme machen.
Ein paar Kostproben gefällig?

Picasso
Seite 49f: „...der schier grenzenlose schöpferische Drang des Alles-mit-allem-machen-Wollens... bestimmen auch Picassos Kunst des Portraits.“
Seite 51: „... Vulgärbiographismus..., der jeden Stilwandel mit dem Wechsel der Bettgenossin parallelisiert,...“
Seite 54: „... Doppelbedeutung der Farbe Grün, die sowohl für Hoffnung und Glück, als auch für Gift und Unheil stehen kann - ...“
Seite 58: „Die Selbstbehauptungsstärke der Muse erfordert apotropäische (Gefahr bannende) Distanz und Distanzierung, ihre jugendliche Anmut und strahlende Mutterschaft aber wecken Gefühle der Anbetung und Geborgenheit.“
Seite 59: „... prinzipielle Unvollendbarkeit des Portraits. Ein jedes ist nur Entwurf und Annäherung und muß grundsätzlich offen und unabgeschlossen bleiben.“











Neben dem Shop ein kleines Cafe.

Stiefvater: „Beim Untergang der Fähre im Roten Meer, soll die Besatzung, Kapitän voran, als erste von Bord gegangen sein.“
Mutter: „Einer der Überlebenden hat erzählt, es sollen nur Männer gerettet worden sein. Früher galt: Frauen und Kinder zuerst!
17-jährige Tochter: „Was soll das denn? Ist doch wohl klar, dass sich jeder als Erster retten würde! In solcher Situation tut das ja wohl jeder.
Stiefvater: „Eigentlich ist es ein soziales Gesetz, den Schwächeren zu schützen.“
Tochter: „Was hab ich denn davon, wenn ich jemanden rette und dafür dann selber draufgehe? Der Stärkere setzt sich durch.“
Mutter: „Kannst du dir gar nicht vorstellen, dass du jemandem helfen würdest, bevor du an dich denken würdest?“
Tochter: „Na, vielleicht jemandem, den ich gerne habe. Aber doch nicht irgendwelche Fremden! Wie komm ich denn dazu?“
Stiefvater: „Wenn in einer Gesellschaft oder Gruppe immer jeder nur für sich selber sorgt - oder sagen wir, für sich und seine engste Familie und seine Freunde vielleicht, dann setzt sich einfach die Macht des Stärkeren durch. Das ist dann eine ziemlich brutale Gesellschaft, findest du nicht. Weißt du, der Schutz der Schwächeren erhöht auch Deine Lebenschancen in der Gesellschaft.“
Tochter: „Das mag ja sein. Aber du glaubst doch wohl selber nicht, dass irgendjemand in so einer Situation an die Gesellschaft denkt. Jeder ist doch sich selbst der Nächste. So ist es doch, oder etwa nicht!“
Stiefvater: „Ja stimmt, so ziemlich genau sieht es in unserer Gesellschaft aus.“

Die Erwachsenen sehen sich betroffen an.

Tochter fängt wieder an: „Und dann gerade die Frauen! Wieso denn eigentlich die Frauen zuerst? Sind die vielleicht wertvoller? Wahrscheinlich denkt man nur mal wieder, sie seinen grundsätzlich hilfebedürftiger als Männer. So ein Blödsinn!“
Mutter: „Lassen wir mal die Frauen weg; aber was, wenn Kinder zu retten wären? Würdest Du wirklich Kinder beiseite drängen? Irgendwelche kleinen Kinder, die sich alleine nicht retten können?“
Tochter: „.Na das ist ja dann was anderes. Aber ehrlich gesagt, sicher bin ich nicht, ob ich nicht trotzdem nur an mich denken würde.“

Immerhin.

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